Ist die Schweiz wirk­lich sicherer geworden?

Von | 28. März 2018 | Gedanken

In diesen Tagen ist die gesamt­schwei­ze­ri­sche Sta­tistik für Straf­taten erschienen. «Die Schweiz wird sicherer», titelte die NZZ freudig. Für einmal sieht die Sta­tistik denn auch auf den ersten Blick erfreu­lich aus. Was heisst das? Die Zahl der Straf­taten seien seit 2012 jähr­lich zurückgegangen, war zu ver­nehmen.

Gegenüber dem Vor­jahr nahmen die regis­trierten Straf­taten um 6,1 Pro­zent ab. Im Jahr 2017 wurden ins­ge­samt 439’001 Straf­taten gegen das Straf­ge­setz­buch erfasst. Inner­halb von fünf Jahren hat sich die Gesamt­zahl um mehr als 170’000 Delikte redu­ziert. Immerhin etwas, ist man ver­sucht zu sagen. Ange­sichts der Bevöl­ke­rungs­zu­nahme seien die Zahlen erfreu­lich, sagen die Ver­ant­wort­li­chen. Für mich sind sie erschre­ckend. Fast eine halbe Mil­lion Straf­taten – das ist doch ein­fach zu viel! Wenn die Schweiz rund 8 Mil­lionen Ein­wohner zählt, ist also jeder 16. kri­mi­nell. Das kann’s doch nicht sein! Es muss unser Ziel sein, dass die Kri­mi­na­lität zum Aus­nah­me­fall wird.

Aber können wir das steuern? Kaum – oder höchs­tens durch här­tere Strafen. So kann man bei­spiels­weise in Mada­gaskar den Geld­beutel ruhig auf dem Tisch belassen. Gestohlen wird er nicht, denn wer dort stiehlt, dem wird die Hand abge­hakt. So weit müssen wir nicht gleich gehen, aber eine gewisse Abschre­ckung muss da schon sein.

Wenn es Kri­mi­nelle im Gefängnis schöner haben als zu Hause – falls sie überhaupt eines haben – lassen sie sich gerne einmal ver­haften. Im Winter ist man da wenigs­tens in der Wärme und zum Essen wird längst nicht mehr nur Wasser und Brot ver­ab­reicht. Und Fern­sehen gibts oben­drein sogar für Straf­täter, die keine Billag bezahlen! Sta­tis­tiken sind bekannt­lich dann nützlich, wenn sie Trends auf­zeigen. Ein unauf­halt­samer Trend ist leider die Cyber­kri­mi­na­lität. Wer oft digital unter­wegs ist, sollte sich gele­gent­lich genau infor­mieren, wie man sich schützen kann. Es ist zwar sehr ele­gant, wenn man seine Bank­karte heute ein­fach bei der Kasse hin­halten kann ohne den Code ein­geben zu müssen, aber für mich stellt sich da immer die Frage, ob auch prä­pa­rierte Geräte zusätz­lich meine Bank­daten absaugen können?

Eines zeigt die Sta­tistik auch auf: Der Respekt gegenüber der Polizei geht mehr und mehr ver­loren. Das war früher anders. Der Dorf­po­li­zist war eine Respekts­person. Da getraute man sich kaum, diesen zu belei­digen oder zu schi­ka­nieren. In einer Befra­gung von 900 Poli­zis­tInnen zeigte sich, dass 67 Pro­zent der Befragten bereits Opfer von Ver­leum­dung, übler Nach­rede oder Beschimp­fungen wurden. Jeder zweite erfuhr in seinem Beruf gewalt­tä­tige Atta­cken. Es ist wahr­lich kein Schleck mehr Poli­zist zu sein – Freund und Helfer war ges­tern!