Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Keine Kinderalimente bei alternierender Obhut?

Von | 2. August 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Sie haben in einem der letz­ten Bei­trä­ge geschrie­ben, die Mut­ter müs­se ihr Arbeits­pen­sum in einem Fall alter­nie­ren­der Obhut erhö­hen. Der Vater mei­ner Kin­der ver­langt nicht nur das, son­dern erwar­tet, dass ich mich an den Kosten der Kin­der je zur Hälf­te betei­li­ge. Wir lei­sten bei­de ein Arbeits­pen­sum von 80 %, aber mein Exfreund ver­dient gut drei Mal so viel wie ich. Mein Ein­kom­men reicht knapp für mei­nen eige­nen Lebens­un­ter­halt. Hat er Recht?

ANTWORT | Nein. Glei­cher Anteil bei der Kin­der­be­treu­ung heisst nicht auch glei­che Auf­tei­lung der Kosten. Auch bei alter­nie­ren­der Obhut muss ein Bud­get für den Bar­be­darf des Kin­des erstellt wer­den. Die­ser besteht im Mini­mum aus dem pau­scha­len Grund­be­trag für all­täg­li­che Aus­ga­ben wie Nah­rung oder Klei­dung, der Prä­mie für die Kran­ken­kas­se, den Dritt­be­treu­ungs­ko­sten und allen­falls wei­te­ren Kosten für Hob­bys oder Aus­bil­dung. Wohn­ko­sten fal­len bei bei­den Eltern­tei­len an, also wer­den sie im Bedarf der Kin­der dop­pelt berück­sich­tigt. Kin­der- und Aus­bil­dungs­zu­la­gen müs­sen vom Total­be­trag in Abzug gebracht wer­den.

Die ver­blei­ben­den Kosten tra­gen die Eltern im Ver­hält­nis ihrer Über­schüs­se, die nach Abzug ihres eige­nen Bedarfs vom jewei­li­gen Ein­kom­men ver­bleibt. Beläuft sich der monat­li­che Bar­be­darf eines Kin­des zum Bei­spiel auf Fr. 1400.–,­ ist von den Eltern nach Abzug der Kin­der­zu­la­ge von Fr. 200.– noch Fr. 1200.– zu über­neh­men.

Ver­dient die Mut­ter Fr. 3000.– im Monat und hat ein Exi­stenz­mi­ni­mum von Fr. 2500.–, beläuft sich ihr monat­li­cher Über­schuss auf Fr. 500.–. Dem Vater, der Fr. 9000.– ver­dient, bleibt nach Abzug sei­nes Exi­stenz­mi­ni­mums von Fr. 3500.– ein Über­schuss von Fr. 5500.–, also 11-mal mehr als der Mut­ter. 

Bei die­sem Zah­len­bei­spiel müss­te sich die Mut­ter mit Fr. 100.– am Unter­halt des Kin­des betei­li­gen, wäh­rend der Vater Fr. 1000.– bei­zu­steu­ern hät­te. Ob die Mut­ter bei ver­hei­ra­te­ten Eltern allen­falls einen per­sön­li­chen Unter­halts­an­spruch hat, ist sepa­rat zu klä­ren.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch