Mari­anne Wehrli, LL.M Rechts­an­wältin

Krank auf ­Ansage in der Kün­di­gungs­frist

Von | 30. Mai 2018 | Rat­geber Recht

FRAGE | Ich musste einer Mit­ar­bei­terin kün­digen, weil ihre Leis­tungen nicht annä­hernd meinen Vor­stel­lungen ent­spra­chen und sie sich trotz wie­der­holten Gesprä­chen nicht mehr Mühe gab. Ich eröff­nete ihr die Kün­di­gung kurz vor der Mit­tags­pause. Am Nach­mittag erschien sie angeb­lich krank­heits­halber nicht mehr. Dies beschei­nigt nun auch ein Arbeits­zeugnis für die nächsten drei Wochen. Ich zweifle stark an dieser plötz­li­chen Erkran­kung. Wie gehe ich vor?

ANTWORTDie Erkran­kung des Mit­ar­bei­tenden, dessen Arbeits­ver­hältnis vom Arbeit­geber gekün­digt wurde, führt zu einer Ver­län­ge­rung der Kün­di­gungs­frist um die Krank­heits­tage. Da die Kün­di­gungs­frist bei einer Gene­sung des Mit­ar­bei­ters oft inmitten eines Monats enden würde, erfolgt von Gesetzes wegen eine wei­tere Ver­län­ge­rung bis zum nächsten Monats­ende. Bleibt der gekün­digte Mit­ar­beiter krank, hängt die Dauer der maxi­malen Sperr­first von der Dauer des Arbeits­ver­hält­nisses ab: Im ersten Anstel­lungs­jahr ist eine maxi­male Sperr­frist von 30 Tagen vor­ge­sehen, im zweiten bis fünften sind es höchs­tens 90 Tage und ab dem sechsten Anstel­lungs­jahr 180 Tage. Bereits ein ein­ziger Krank­heitstag löst die Sperr­frist aus und führt zu einer ein­mo­na­tigen Ver­län­ge­rung der Kün­di­gungs­frist! 

Ob der gekün­digte Mit­ar­beiter wäh­rend der ganzen Kün­di­gungs­frist noch Lohn erhält, hängt von der ver­trag­li­chen Rege­lung der Lohn­fort­zah­lungs­pflicht im Krank­heits­fall ab. Als Arbeit­geber haben Sie die Mög­lich­keit, eine ver­trau­ens­ärzt­liche Unter­su­chung zu ver­langen oder dem Haus­arzt des Mit­ar­bei­tenden einen Stel­len­be­schrieb zu über­geben und ihn zu bitten, gestützt darauf die Arbeits­fä­hig­keit kon­kreter zu beur­teilen. Bestä­tigt sich die Arbeits­un­fä­hig­keit, müssen Sie mit den gesetz­lich gere­gelten Folgen umgehen.

Rechts­fragen können gestellt werden an:

Mari­anne Wehrli, Rechts­an­wältin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch