Kran­ken­kassen dürfen nicht Gott spielen

Von | 2. Mai 2018 | Gedanken

Bekannt­lich ist die Kran­ken­kasse in der Schweiz obli­ga­to­risch. Das war nicht immer so. Seit dem 1. Januar 1996 muss jederman/​frau einer Kran­ken­kasse ange­hören. Ursprüng­lich funk­tio­nierte das ganz gut. Die Prä­mien waren tief – alle konnten sie bezahlen. Mitt­ler­weilen hat sich das dras­tisch ver­än­dert. Die Prä­mien steigen Jahr für Jahr, was dazu führt, dass nicht mehr alle Leute die Prä­mien bezahlen können. So mussten im ver­gan­genen Jahr allein im Kanton Zürich 146’000 Betrei­bungen für säu­mige Kran­ken­kas­sen­kunden aus­ge­spro­chen werden. Allein im Kanton Aargau stehen 12’025 Per­sonen auf einer schwarzen Liste der säu­migen Prä­mi­en­zahler. 85 Pro­zent der Prä­mi­en­aus­stände werden durch die Kan­tone über­nommen, den Rest über­nehmen die Kran­ken­kassen.

Es liegt im Ermessen eben dieser Kran­ken­kassen, was bezahlt wird und was nicht. Klar sind Richt­li­nien ein­zu­halten, aber was nicht genau defi­niert ist, bleibt eben im Grau­be­reich. So offenbar auch HIV-Medi­ka­mente. So kam es, dass ein HIV-Patient kürz­lich ver­starb, weil ihm seine Kran­ken­kasse ein Medi­ka­ment ver­wei­gerte. Da stellt sich natür­lich die berech­tigte Frage, ob dies nur ein Ein­zel­fall war oder ob dieses Bei­spiel gar Schule macht? Wenn das so wei­ter­geht, muss das Kran­ken­kas­sen­ob­li­ga­to­rium neu defi­niert werden.

Es kann nicht sein, dass die Kran­ken­kassen über Leben und Tod ent­scheiden. Die Macht der Kassen ist ohnehin über die Jahre viel zu gross geworden. Ich erlebte dies im ver­gan­genen Jahr, als ich die Kasse wech­selte und ordent­lich kün­digte. Die Kün­di­gung der Zusatz­ver­si­che­rung wurde nicht akzep­tiert. Diese laufe über fünf Jahre wurde mir mit­ge­teilt. Da habe ich wohl etwas Klein­ge­drucktes über­sehen. Durch solche «Trick­lein» werden die Kunden ver­un­si­chert. In der Pipe­line ist bei etli­chen Kassen auch eine Daten­karte (analog der Kre­dit­karte), auf der die ganze Gesund­heits- und Risiko-Lebens­ge­schichte drauf­steht. Das führt dann dahin, dass einmal mehr gesunde und sport­liche Men­schen bevor­zugt werden.

Die Politik schaut leider zu oft weg. Die Kran­ken­kassen sind in der Politik sehr gut ver­treten und so hält man die Kassen an der langen Leine. Diese muss künftig wesent­lich kürzer werden. Womög­lich muss gar über eine gründ­liche Kran­ken­kassen-reform nach­ge­dacht werden. Meiner Mei­nung nach exis­tieren immer noch viel zu viele Kassen. Dass einige von ihnen gar noch Spon­so­ring im Spit­zen­sport betreiben, ist beson­ders stö­rend, werden doch da mühsam ersparte Kun­den­gelder leicht­fertig «ver­braten», wäh­rend gleich­zeitig über man­gelndes Geld gejam­mert wird.