Liebe Regierungsrats-Kandidatinnen und -Kandidaten

Von | 4. Juli 2019 | Gedanken

Freuen Sie sich schon auf den 20.Oktober? Es ist der Tag, der Ihr Leben total auf den Kopf stellen kön­nte. Haben Sie sich schon aus­ge­malt, wie Sie den Wahlsieg und Ihr neues Regierungsrat­samt feiern wer­den? Bes­timmt wis­sen Sie auch schon, was Sie den Medi­en auf die Fra­gen zu Ihrer Vorgän­gerin Franziska Roth antworten.

Die ein­stige Bezirk­srich­terin und SVP-Hoff­nungsträgerin hat nach nur zweiein­halb Jahren ihren Dienst quit­tiert. In dieser Zeit ist der Quere­in­steigerin nicht viel geglückt. Ob daran nur sie, ihre Partei, das ihr zugeteiltes Departe­ment, die Medi­en oder alle zusam­men schuld sind, ist nicht mehr so wichtig. Die falsche Frau am falschen Ort hat dem monate­lan­gen Polit­de­saster ein Ende geset­zt. Doch wer fol­gt nun?

Die Druck­farbe mit Roths-Rück­trittss­chlagzeilen war in vie­len Zeitun­gen noch feucht, da haben sich die ersten von Euch schon als mögliche Nach­fol­ger ins Gespräch gebracht. Regierungsrat kann schliesslich jed­er wer­den, der wählbar ist. Das hat ja Franziska Roth gezeigt.

Als Regierungsrat gewählt zu wer­den ist wohl ein­fach­er, als das Amt dann auch erfol­gre­ich zu führen. Die Liste der Voraus­set­zun­gen um in diesem Amt zu reüssieren, ist lang. Sehr lang! 

Führungser­fahrung ist eben­so wichtig wie Fin­ger­spitzenge­fühl und ver­tiefte Ken­nt­nisse der poli­tis­chen Geschäfte und Abläufe. Eine schnelle Auf­fas­sungs­gabe für kom­plexe Vorgänge und schwierige Dossiers – wie Gesund­heit und Soziales – wird als selb­stver­ständlich ange­se­hen. Aber auch eine dicke Haut zu haben, ist bes­timmt kein Nachteil. Die rund 300’000 Franken Lohn – andere nen­nen es Schmerzens­geld – sind zwar ver­lock­end, doch es gibt ihn nicht umson­st. Die abtre­tende Regierungsrätin leit­et in ihrem Departe­ment Gesund­heit und Soziales rund 400 Mitar­bei­t­ende und ver­fügte über ein Haushalts­bud­get von gegen ein­er Mil­liarde Franken(!). Die Entschei­de, die gefällt wer­den, haben Auswirkun­gen auf alle rund 680’000 Men­schen im Aar­gau. Ihnen gilt es zu dienen und nicht der eige­nen Partei.

Eines wird Franziska Roth Ihnen, liebe Nach­fol­gekan­di­datIn­nen, gerne bestäti­gen: Zu gewin­nen gibt es im Departe­ment Gesund­heit und Soziales im Aar­gau wenig bis gar nichts. Und das hat nichts mit der Parteizuge­hörigkeit zu tun. Wer glaubt, das neue Amt eben­so gut wie Franziska Roth ausüben zu kön­nen, der genügt noch lange nicht. Das neue Regierungsratsmit­glied muss es «um Wel­ten» bess­er machen. Und zwar von der ersten Minute an!