Mar­i­anne Wehrli, LL.M Recht­san­wältin

Lohnkürzung wegen Probearbeit?

Von | 13. Juni 2018 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Ich bin derzeit auf Stel­len­suche und durfte mich ver­gan­gene Woche bei einem möglichen neuen Arbeit­ge­ber nicht nur vorstellen, son­dern auch einen hal­ben Tag zur Probe arbeit­en. Mein aktueller Chef sagte, ich müsse dazu einen hal­ben Tag Ferien beziehen, son­st würde er mir den Lohn kürzen. Die Kündi­gung ging von mir aus. Feri­en­t­age habe ich keine mehr. Darf mein Lohn gekürzt wer­den?

ANTWORTNein. Nach ein­er Kündi­gung muss der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­nehmer die für Bewer­bungs­ge­spräche oder Probear­beit­en nötige Freizeit gewähren (Artikel 329 Absatz 3 Oblig­a­tio­nen­recht). Von wem die Kündi­gung aus­ging, ist nicht wichtig. Der Arbeit­nehmer ist jedoch verpflichtet, seine Absen­zen auf ein Min­i­mum zu beschränken und diese Ter­mine nach Möglichkeit auf seine arbeits­freie Zeit zu leg­en. Eine Lohnkürzung für die ver­passte Arbeit­szeit ist im Nor­mal­fall unzuläs­sig. Denkbar ist sie in Fällen, in denen der Arbeit­nehmer seine Kündi­gung durch grobe Weisungsver­stösse oder schwere Ver­säum­nisse gegenüber seinem Arbeit­ge­ber provoziert hat.

Natür­lich dür­fen Mitar­beit­er auch nicht von zwei Arbeit­ge­bern gle­ichzeit­ig Lohn kassieren: Wird der Probear­beit­stag entlöh­nt muss der Noch-Arbeit­ge­ber darüber informiert wer­den.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mar­i­anne Wehrli, Recht­san­wältin, Lau­ren­zen­vorstadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch