Mal was anderes

Von | 25. März 2020 | Gedanken

Irgend­wann hat man dann ein­fach auch mal genug vom The­ma. Geht mir auch so. Min­destens ein­mal am Tag kann auch ich es nicht mehr hören und nicht mehr ertra­gen. Ist dieser Punkt erre­icht, halte ich mir die Ohren zu. Ist meine tägliche Dosis an aktuellen Zahlen und neuen Infor­ma­tio­nen und Ver­hal­tensvorschriften erre­icht, muss ich Radio, Fernse­hen und Inter­net für einen Moment abschal­ten, den Steck­er her­ausziehen. Doch das ist gar nicht so ein­fach. Es rat­tert trotz­dem immer weit­er im Kopf. Das The­ma lässt sich nicht ein­fach per Knopf­druck aus den Gedanken ver­ban­nen.

Ablenkun­gen durch Kino, Par­ty oder auswärts essen fall­en weg. Ein Fernse­hfilm im Pantof­felki­no zu Hause bringt bei mir auch nicht viel. Es fällt mir derzeit schw­er, mich auf einen Film zu konzen­tri­eren. Es braucht etwas stärk­eres. Was bei mir immer funk­tion­iert, ist eine gute Lek­türe. Bei einem span­nen­den Roman oder Kri­mi startet im Kopf ein Kinofilm und ich kann beim Lesen am ein­fach­sten und am schnell­sten in eine andere Welt ein­tauchen.

Lesen also. Es gibt aber auch andere, ganz ein­fache Möglichkeit­en für kleine Flucht­en: Kör­per­liche Arbeit­en aller Art, im Garten zum Beispiel. Oder, noch viel bess­er: ein Spazier­gang im Wald. Denn der Wald und über­haupt die Natur ist wie immer. Keine Spur ein­er Krise. 

Spaziergänge waren beim Schreiben dieser Kolumne immer noch möglich. Hof­fentlich bleibt das auch so, denn es ist Früh­ling: Der Bär­lauch wuchert, die ersten Knospen und zarte, hell­grüne Blät­ter verkün­den: Neuan­fang! Neues Leben! Zukun­ft! Vor uns liegen viele warme Monate! Das böse Wort mit C (wie ich das Virus inzwis­chen nur noch nenne) ist in der Natur weit, weit weg.

Gut, dass wir einen Hund haben. So bin ich so oder so mehrmals am Tag verpflichtet, nach draussen zu gehen und eine Runde zu drehen. Unser Hund hat keine Ahnung, was uns Men­schen derzeit so sehr beschäftigt. Das Bun­de­samt für Gesund­heit gibt in Sachen Hunde und Katzen Ent­war­nung: Sie sind wed­er betrof­fen, noch geben sie das «C» weit­er.

Bal­sam sind auch die vie­len grossen und kleinen Aktio­nen, beispiel­sweise die spon­tane Hil­fe für die älteren Mit­men­schen. Alle sind wir um ihre Gesund­heit besorgt. Beim Schreiben dieser Zeilen am ver­gan­genen Fre­itag­mit­tag haben die Nach­barn, in minuten­langem Applaus dem Gesund­heitsper­son­al für ihren Ein­satz gedankt. Das hat mich bewegt und ich habe eben­falls applaudiert. Nicht nur für das Gesund­heitsper­son­al: Danke an alle für Euren Ein­satz. Bleiben oder wer­den Sie gesund!