Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Mehr Eigenverantwortung bei alternierender Obhut

Von | 18. Juli 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGEMein Mann und ich tei­len uns die Betreu­ung unse­rer Zwil­lin­ge auf. Mein Mann schaut an zwei Werk­ta­gen zu ihnen und arbei­tet 80 %, ich betreue sie an drei Werk­ta­gen und arbei­te 40 %. Die Wochen­en­den haben wir alter­nie­rend auf­ge­teilt. Mein Mann ver­langt nun, dass ich ab August mehr arbei­te und er weni­ger Unter­halt bezah­len muss. Kommt er damit durch?

ANTWORTVer­mut­lich schon. Das Bun­des­ge­richt hat vor bald einem Jahr das soge­nann­te Schul­stu­fen­mo­dell ein­ge­führt. Dem­nach sol­len sich allein­er­zie­hen­de Müt­ter voll und ganz der Kin­der­be­treu­ung wid­men kön­nen, bis das jüng­ste Kind in den Kin­der­gar­ten kommt. Ab dann soll ein Arbeits­pen­sum von 50 % mög­lich sein, ab Über­tritt des Kin­des in die 7. Klas­se ein sol­ches von 80 % und ab dem 16. Geburts­tag wie­der 100 %.

Natür­lich kon­trol­liert das Gericht nicht, ob eine Frau die­ses Arbeits­pen­sum auch tat­säch­lich lei­stet. Der Unter­halts­be­rech­nung wird jedoch ein Lohn zugrun­de gelegt, der dem jeweils zumut­ba­ren Arbeits­pen­sum ent­spricht. Bei alter­nie­ren­der Obhut tei­len sich die Eltern die Kin­der­be­treu­ung unter der Woche auf. 

Das Schul­stu­fen­mo­dell gilt auch hier, aller­dings nur an den eige­nen Betreu­ungs­ta­gen. An den Betreu­ungs­ta­gen des ande­ren Eltern­teils ist eine Erwerbs­tä­tig­keit unein­ge­schränkt mög­lich. Ihre Zwil­lin­ge wer­den im August ein­ge­schult. Das bedeu­tet, dass Sie an den bei­den Betreu­ungs­ta­gen des Vaters je 20 % und an ihren eige­nen Betreu­ungs­ta­gen je 10 % arbei­ten kön­nen. Dies ergibt ab August ein grund­sätz­lich zumut­ba­res Arbeits­pen­sum von ins­ge­samt 70 %.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch