Mit Flipflops und Daunenjacke

Von | 18. Juli 2019 | Gedan­ken

Die Som­mer­fe­ri­en ver­brin­gen wir wie­der ein­mal im Enga­din. Doch nicht in einer Feri­en­woh­nung oder einem Hotel, son­dern im Wohn­wa­gen. Ich gebe zu, wir tun es den Kin­dern zulie­be. Nir­gends ler­nen sie ein­fa­cher, mit wenig Luxus aus­zu­kom­men, als auf dem Cam­ping­platz. Mal wie­der gemein­sam in einem Raum zu schla­fen, ein unbe­zahl­ba­res Gefühl. Eben­so die Mög­lich­keit, aus fast allen Ecken des Wohn­wa­gens direk­ten Zugriff zum Kühl­schrank zu haben. Vor dem Cam­ping­platz-WC anzu­ste­hen, ist zwar eben­so gewöh­nungs­be­dürf­tig, wie beim Zäh­ne­put­zen von Unbe­kann­ten beob­ach­tet zu wer­den.

Im schön­sten aller Bünd­ner Berg­tä­ler kommt es schon mal vor, dass es in den Som­mer­näch­ten so kalt ist, dass man das Bier in den Kühl­schrank stel­len muss, damit es nicht ein­friert, oder man ver­bringt einen Tag im Hal­len­bad, bis die gan­ze Fami­lie wie­der «auf­ge­taut» ist. Am Mor­gen in oft feuch­te Klei­der zu schlüp­fen, ist eine gute Ange­wöh­nung ans Mili­tär, eben­so das Trin­ken und Essen aus Pla­stik­ge­schirr oder das Was­ser­ho­len mit Kani­stern. Das Kochen mit Gas geht viel schnel­ler und ist span­nen­der als der lang­wei­li­ge Strom­herd zu Hau­se. Stadt­kin­der machen auf dem Cam­ping­platz meist ihre ersten Erfah­run­gen mit dem Abwa­schen in einer Gross­kü­che und ler­nen schon früh, dass der Wohn­wa­gen einen Fäka­lien­tank hat, der sich nicht von allei­ne leert …

Spass haben die Kids auch, wenn sie aus ihren Stock­bet­ten im Nach­bar­wohn­wa­gen das Abend­fern­seh­pro­gramm mit­ver­fol­gen kön­nen, statt zu schla­fen.

Enga­din-Feri­en bedeu­ten auch, dass man bereits im Juli auf der offe­nen Eis­bahn von St. Moritz Eis­lau­fen oder Eis­hockey spie­len kann. Etwas, für das einem die Aar­au­er Eis­hockey­spie­ler benei­den. In Sachen Wet­ter und Meteo gibt es ein­fach­sten Anschau­ungs­un­ter­richt: Der bekann­te Malo­ja-Wind kommt nicht immer dann, wenn es die Sur­fer und Kiter wol­len. Und selbst wenn die Nacht ster­nen­klar ist, heisst es noch lan­ge nicht, dass am Mor­gen nicht alles weiss ver­schneit sein kann.

Im Enga­din gibt es kei­ne lästi­gen Zecken und Mücken, hier erfreut man sich flin­ker Eich­hörn­chen, auch wenn die­se die Apé­ronüss­chen vom Tisch klau­en. Die Flug­zeu­ge der Rei­chen, die regel­mäs­sig über einen hin­weg­don­nern, sind hier nicht stö­rend, son­dern eine Attrak­ti­on. Wer im Som­mer im Enga­din rich­tig cool sein will, der trägt wenn es kalt wird Dau­nen­jacke und Woll­müt­ze, aber mit Sicher­heit auch aus­ge­latsch­te Flip­flops. Sie fin­den das alles nicht ganz nor­mal? Mir geht es gleich. Trotz­dem machen wir wohl auch im näch­sten Jahr wie­der Wohn­wa­gen­fe­ri­en im Enga­din. Nicht nur den Kin­dern zulie­be.