In diesem Lokal in Ober­ent­felden kam es in der Nacht des 13. Okto­bers 2018 zu ein­er Schiesserei mit mehreren Schw­erver­let­zten (Bild: ran)

Schiesserei im Clublokal

Mutmasslicher Täter weiterhin in U-Haft

12. Feb­ru­ar 2020 | News

Der Schütze, der im Okto­ber 2018 im Lokal des Kul­turvere­ins «Shah­maran» in Ober­ent­felden auf mehrere Men­schen schoss, ist immer noch in Unter­suchung­shaft. Er soll fünf Monate vor der Schiesserei in Basel an ein­er grösseren Messer­stecherei beteiligt gewe­sen sein. Das Bun­des­gericht hat eine Haf­tent­las­sung abgelehnt.

Passiert ist es in der Nacht des 13. Okto­bers 2018. Kurz vor Mit­ter­nacht geri­eten im von Kur­den gemieteten Lokal «Shah­maran» in Ober­ent­felden zwei Grup­pen aneinan­der. Dabei wur­den mehrere Schüsse abgegeben. Drei Per­so­n­en wur­den lebens­ge­fährlich ver­let­zt. Als die Polizei ein­traf, fand sie bre­ite Blut­spuren, Men­schen waren keine mehr vor Ort. Zeit­gle­ich ging bei der Polizei aber die Mel­dung ein, dass drei Per­so­n­en mit Schuss­wun­den ins Spi­tal ein­geliefert wor­den seien. Sie mussten notoperiert wer­den. Die drei Opfer iden­ti­fizierten später den mut­masslichen Täter, der 18 Tage später ver­haftet und anschliessend in Unter­suchung­shaft ver­set­zt wurde. Dort befind­et er sich immer noch.

Messer­stecherei mit mehreren Schw­erver­let­zten
Die Staat­san­waltschaft Basel-Stadt führt gegen den mut­masslichen Täter von Ober­ent­felden wegen ein­er Messer­stecherei vom 27. Mai 2018 in Basel eine Stra­fun­ter­suchung wegen ver­suchter vorsät­zlich­er Tötung und Raufhan­del. Bei der Tat in einem Basler Club wur­den mehrere Per­so­n­en teils lebens­ge­fährlich ver­let­zt. Der Tatverdächtige wurde noch in der­sel­ben Nacht festgenom­men, am 29. Mai 2018 in Unter­suchung­shaft ver­set­zt und zwei Tage später wieder aus der Haft ent­lassen.

Auf­grund der Schiesserei in Ober­ent­felden eröffnete auch die Staat­san­waltschaft Lenzburg-Aarau ein Strafver­fahren gegen den mut­masslichen Schützen wegen ver­suchter vorsät­zlich­er Tötung und Raufhan­del. Im Juni 2019 über­nahm die Staat­san­waltschaft Basel-Stadt das Aar­gauer Ver­fahren und vere­inigte es mit dem bei ihr hängi­gen Ver­fahren.

Am 13. Novem­ber 2019 stellte der Tatverdächtige ein erstes Haf­tent­las­sungs­ge­such. Die Staat­san­waltschaft wollte es abweisen. Anders das Zwangs­mass­nah­men­gericht des Kan­tons Basel-Stadt. Es stimmte dem Antrag zu, sofern der Mann seinen türkischen Reisep­a­ss, seine schweiz­erische Aufen­thalts­genehmi­gung und eine Kau­tion von 10’000 Franken hin­ter­legt. Das Appel­la­tion­s­gericht Basel-Stadt ver­fügte, der Mann müsse hin­ter Git­ter bleiben. Auch das Bun­des­gericht entsch­ied vor weni­gen Tagen, dass der mut­massliche Dop­peltäter bis zum Gericht­ster­min in U-Haft bleiben muss.

Akute Flucht­ge­fahr
Unter­suchung­shaft kann unter anderem ange­ord­net wer­den, wenn drin­gen­der Tatver­dacht in Bezug auf ein Ver­brechen oder Verge­hen sowie Flucht­ge­fahr beste­ht. Da der mut­massliche Täter mit ein­er mehrjähri­gen Gefäng­nis­strafe rech­nen muss, wird die Flucht­ge­fahr akut eingestuft. In der Schweiz hat der Türke keine -famil­iären Bindun­gen, und über die GmbH, deren alleiniger Geschäfts­führer er war, ist der Konkurs eröffnet wor­den. Zudem verkehrt er vor allem im Kreis sein­er kur­dis­chen Land­sleute. Er hat sich früher auch schon in Zypern oder Griechen­land aufge­hal­ten. Unter diesen Umstän­den spricht wenig dafür, das ihn von ein­er Flucht abhal­ten kön­nte, zumal im Fall ein­er Verurteilung ohne­hin eine oblig­a­torische Lan­desver­weisung dro­ht.

Der Prozess dürfte bald stat­tfind­en, die Unter­suchun­gen ste­hen laut Bun­des­gericht kurz vor dem Abschluss.

Bun­des­gericht­surteil 1B_19/2020
vom 27. Jan­u­ar 2020

RAN