Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Nachmieter abgesprungen

Von | 28. August 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Ich habe mei­ne Woh­nung Anfang Juli auf den 31.8.2019 aus­ser­ter­min­lich gekün­digt und mich sofort auf die Suche eines Nach­mie­ters gemacht. Ende Juli konn­te ich mei­nem Ver­mie­ter einen Inter­es­sen­ten prä­sen­tie­ren, der von der Woh­nung sehr ange­tan war und den Miet­ver­trag über­neh­men woll­te. Als ich mich heu­te beim Ver­mie­ter nach dem Stand der Din­ge erkun­dig­te, teil­te er mir mit, der Inter­es­sent sei abge­sprun­gen, weil er die vor­ge­se­he­ne Miet­zins­er­hö­hung ab Okto­ber nicht akzep­tie­ren woll­te. Davon habe ich noch nie etwas gehört – muss ich jetzt wei­ter­zah­len?

ANTWORTNein. Sie haben Ihre gesetz­li­che Pflicht als Mie­ter erfüllt: Sie haben einen inter­es­sier­ten Nach­mie­ter gefun­den, der zah­lungs­fä­hig, zumut­bar und bereit war, Ihren Miet­ver­trag zu den bis­he­ri­gen Bedin­gun­gen zu über­neh­men. Sie haben den Ver­mie­ter unver­züg­lich auf den Inter­es­sen­ten auf­merk­sam gemacht und ihm genü­gend Zeit gege­ben, die Anga­ben und Unter­la­gen des Inter­es­sen­ten zu prü­fen und den neu­en Miet­ver­trag vor­zu­be­rei­ten.

Der von Ihnen gewünsch­te Aus­zugs­ter­min Ende August wäre pro­blem­los ein­zu­hal­ten gewe­sen. Die Bereit­schaft, den Miet­ver­trag zu den bis­he­ri­gen Bedin­gun­gen zu über­neh­men schliesst eine Miet­zins­er­hö­hung auf den 1.10.2019 aus, weil Ihnen eine sol­che Erhö­hung gar nie for­mell kor­rekt ange­kün­digt und begrün­det wor­den ist. 

Selbst­ver­ständ­lich steht es dem Ver­mie­ter frei, Ihren Nach­mie­ter aus­zu­schla­gen und die Woh­nung zu einem höhe­ren Miet­zins an jemand ande­ren zu ver­mie­ten.  Aller­dings darf er dies nicht auf Ihre Kosten tun. Wich­tig ist, dass Sie sich vom Nach­mie­ter bestä­ti­gen las­sen, dass er die Woh­nung zum bis­he­ri­gen Miet­zins auf den 1.9.2019 über­nom­men hät­te, der Ver­mie­ter aber einen höhe­ren Miet­zins for­der­te.

Soll­te der Ver­mie­ter vor Gericht zie­hen, hät­ten Sie damit gute Kar­ten.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch