Nackt sein ist keine Kunst!

Von | 10. Jan­u­ar 2019 | Gedanken

Das The­ater um die «nack­te Kun­st» von Schöft­land geht in die zweite Runde. Die aus mein­er Sicht berechtigten Bussen für die «Kün­st­lerIn­nen» wer­den ange­focht­en, wom­it das Ganze diese Woche vor dem Richter endet – oder gar weit­erge­zo­gen wird. Eigentlich wäre das The­ma anson­sten ad acta gelegt gewe­sen. Nun wird es wieder aktuell und es inter­essiert vielle­icht auch, wie ich das sehe. Grund­sät­zlich ist das nackt Herumspazieren gemäss schweiz­erischem Recht sog­ar erlaubt, Nack­theit ist gemäss Strafge­set­zbuch näm­lich nicht ver­boten, sofern sie nicht sex­uell motiviert ist. Exhi­bi­tion­is­tis­che Hand­lun­gen, also das aktive Präsen­tieren sein­er Geschlecht­steile oder sex­uelle Hand­lun­gen in der Öffentlichkeit, sind jedoch unter Strafe gestellt. In fast allen Kan­to­nen existiert aber ein Gesetz, welch­es unanständi­ges Benehmen in der Öffentlichkeit ver­bi­etet.

Das Bun­des­gericht musste sich vor noch nicht so langer Zeit mit dem The­ma befassen. Es ging damals um die Nack­t­wan­der­er. Nack­t­wan­dern in der Öffentlichkeit, könne als «grobe Ver­let­zung von Sitte und Anstand qual­i­fiziert wer­den», so das Bun­des­gericht. Man kann sich nun darüber stre­it­en, was der Unter­schied ist zwis­chen Nack­t­wan­dern und sich nackt öffentlich zu per­formieren? Über Kun­st lässt sich bekan­ntlich stre­it­en. Wenn sich ein­er in der Stadt Zürich nackt am Boden liegend wie ein Hund anket­ten lässt und das dann als Kun­st beze­ich­net wird, dann habe ich wohl ein gestörtes Kun­stver­ständ­nis. Wieso ziehen sich denn diese Leute nicht wenig­stens Unter­ho­sen und Biki­ni an?

Kun­st­szenen wie sie im ver­gan­genen Mai das Cov­er des Aar­gauer Kul­tur­magazins AAKU zierte – es zeigte einen nack­ten Mann mit dem Glied in sein­er Hand vor ihm ein Hund – sind abscheulich. Wenn das dann noch abge­bildet und als Kun­st gew­ertet wird, ist das nicht nachvol­lziehbar. Wenn das Nack­therum­laufen Kun­st sein soll, dann müssten ja diese «Kün­stler» schle­u­nigst ein Gesuch stellen um Swiss­los-Unter­stützung.

Ich denke, dass die Erfind­ung von Klei­dern einst gar nicht eine so schlechte Idee war. Ger­ade jet­zt zieht man sich doch gerne warm an. Echte Kun­st sollte zu jed­er Jahreszeit einen Platz haben. Warum sind die «Nack­tkün­stler» im Win­ter plöt­zlich so pas­siv? Weil das eben keine Kun­st ist, son­dern eher ein Ver­such, sich auf frag­würdi­ge Art und Weise an die Öffentlichkeit zu drän­gen. Schamge­füh­le ken­nen diese Leute wohl nicht.

Ich akzep­tiere die FKK-Szene. Jedem das Seine. Doch soll­ten diese Leute untere­inan­der bleiben. Will heis­sen auf abges­per­rtem, nicht zugänglichem Are­al. Dann gibts auch keine Schaulusti­gen und keine Prob­leme. Die Gemeinde Schöft­land hat mit den Bussen richtig gehan­delt und damit auch ein Zeichen geset­zt. Zu hof­fen bleibt nun, dass das vom Gericht auch so gese­hen wird. Es ist ja bedauer­lich genug, wenn daraus Juris­ten­fut­ter entste­ht. Grund­sät­zlich sollte doch jed­er Men­sch sich in der Öffentlichkeit so zeigen, wie das auch vom Gegenüber akzept­abel ist. Krass ist die Tat­sache, dass man ein­er­seits über ein Burkaver­bot disku­tiert, ander­er­seits gewis­sen Leuten sagen muss, dass sie sich in der -Öffentlichkeit klei­den soll­ten.