Nein zur Jekami-Über­­wa­chung?

Von | 25. April 2018 | Gedanken

Die Schweiz kennt sehr gute soziale Ein­rich­tungen und darf auch stolz auf diese sein. Die grosse Mehr­heit der Nutzer ver­hält sich kor­rekt – ja es gibt sogar Leute, die Sozi­al­hilfe beziehen könnten, dies aber nicht tun, weil sie sich schämen.

Und dann exis­tieren eben auch noch jene, die kein Scham­ge­fühl kennen. Kürz­lich «flogen» in Deutsch­land die frechsten Sozi­al­hil­fe­be­trüger auf. Diese lebten in Saus und Braus und fuhren sogar Fer­rari. Eine Frech­heit! Leider wird auch in unserem Land das soziale Netz immer mehr aus­ge­reizt. Des­halb war auch die kürz­liche Debatte im Par­la­ment nötig. Im Zen­trum stand die Frage, ob man IV- und Sozi­al­hil­fe­be­trüger über­wa­chen darf und wer dies tun sollte? Per­sön­lich­keits­schutz und Ver­hält­nis­mäs­sig­keit standen im Zen­trum. Es kann aber doch nicht sein, dass unbe­schol­tene Bürger plötz­lich durch Drohnen über­wacht werden. In der Detek­tiv­szene tum­meln sich heute leider auch sehr viele frag­wür­dige Krea­turen. Schliess­lich kann man keine Lehre als Detektiv absol­vieren. Sich via TV-Krimis aus­zu­bilden, reicht wohl da kaum aus. Mir wäre es jeden­falls lieber, man würde das Poli­zei­korps ent­spre­chend auf­sto­cken und einige Spe­zia­listen dort ein­setzen, wo Ver­dachts­mo­mente und Hin­weise bestehen.

Aber auch wir alle tragen Ver­ant­wor­tung. Wenn jemand Arbeits­lo­sen­geld bezieht und man weiss genau, dass diese Person jeden Tag arbeiten geht, dann ist es unsere Pflicht dies zu melden.

Früher gab es an jedem Ort min­des­tens einen Orts­po­li­zisten. Diese kannten die Leute und die Leute kannten sie. Ich per­sön­lich war einst Mit­glied einer Steu­er­kom­mis­sion. Die Haupt­auf­gabe bestand dort darin, Aus­kunft zu erteilen über diese und jene Person, die kaum Steuern bezahlte. Da wurde Ver­däch­tigen etwas näher auf die Finger geschaut – der Lebens­stan­dard hin­ter­fragt.

Auch heute kennt man doch die Papen­heimer, die den Sozi­al­staat aus­nützen. Wir sind eine Gesell­schaft und in einer Gesell­schaft hat jeder Ver­ant­wor­tung. Hilf­losen und Bedürf­tigen stehen die Sozi­al­leis­tungen zu, anderen eben nicht. Wir müssen ein­ander nicht über­wa­chen, aber wenn es offen­sicht­lich ist, ist ein Hin­weis allemal sinn­voll. Den Rest soll dann die Polizei abklären. Viel­leicht kann dann dadurch die eine oder andere Geschwin­dig­keits­kon­trolle nicht mehr gemacht werden, was auch nichts schadet.

Pri­vat­de­tek­tive und Möch­te­gern­po­li­zisten ein­zu­setzen, halte ich nicht für sinn­voll, denn so geraten viel zu viele Leute unnötig ins Visier der selbst­er­nannten Ermittler. Einen Über­wa­chungs­staat brau­chen wir nun wirk­lich nicht. Wir werden heute schon ohne unser Wissen via Internet von Face­book, Google und Co. beschattet und aus­ge­wertet.