Mord­fall Grä­ni­chen

Obergericht fällt Urteil

12. Juli 2018 | News

Das Bun­des­ge­richt hat den Beschul­dig­ten im Straf­ver­fah­ren um den Mord­fall Grä­ni­chen am 29. März vom Vor­wurf des Mor­des frei­ge­spro­chen. Nun fäll­te das Ober­ge­richt am 13. Juni ein wei­te­res Urteil. Es befand dar­in über die Stra­fe für die ver­blei­ben­den Schuld­sprü­che, die Par­tei- und Gerichts­ko­sten sowie die Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che für die zu Unrecht aus­ge­stan­de­ne Haft. Unter die­sem Titel sprach es dem Beschul­dig­ten eine Genug­tu­ung von 274’070 Fran­ken zu.

Das Ober­ge­richt hat­te den Beschul­dig­ten mit Urteil vom 23. Juni 2016 nicht nur wegen Mor­des, son­dern zudem wegen ver­such­ter ein­fa­cher Kör­per­ver­let­zung, Nöti­gung, Ge- walt und Dro­hung gegen Behör­den und Beam­te sowie Haus­frie­dens­bruchs ver­ur­teilt. Die vier letzt­ge­nann­ten Schuld­sprü­che ste­hen mit dem Tötungs­de­likt vom 7. Okto­ber 2012 indes­sen in kei­nem Zusam­men­hang. Sie wur­den vor Bun­des­ge­richt auch nicht ange­foch­ten, womit sie in Rechts­kraft erwach­sen sind und eine Stra­fe für sie aus­zu­fäl­len war.

In Anbe­tracht des Ver­schul­dens des Beschul­dig­ten erkann­te das Ober­ge­richt auf eine Geld­stra­fe von 180 Tages­sät­zen à 40 Fran­ken, bedingt. Zudem wider­rief es den beding­ten Straf­voll­zug für eine Geld­stra­fe von 20 Tages­sät­zen à 40 Fran­ken. Die­se war im Sep­tem­ber 2012 in einem ande­ren Straf­ver­fah­ren aus­ge­fällt wor­den.

Da die bei­den Geld­stra­fen von ins­ge­samt 200 (180 + 20) Tages­sät­zen an die aus­ge­stan­de­ne Unter­su­chungs­haft ange­rech­net wer­den (ver­glei­che dazu nach­ste­hend), sind sie damit voll­stän­dig ver­büsst.

Genug­tu­ung für zu Unrecht aus­ge­stan­de­ne Haft

Der Beschul­dig­te befand sich 1998 Tage in Haft. Nach dem bun­des­ge­richt­li­chen Frei­spruch vom Vor­wurf des Mords sowie abzüg­lich der neu aus­ge­fäll­ten und der wider­ru­fe­nen Geld­stra­fen von total 200 Tages­sät­zen ver­brach­te er 1798 Tage zu Unrecht in Haft.

Hier­für sprach ihm das Ober­ge­richt eine Genug­tu­ung von ins­ge­samt 274’070 Fran­ken zu, mit­hin 152,45 Fran­ken pro Tag. Es folg­te dabei der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung, wonach kein bestimm­ter Min­dest­be­trag ein­zu­set­zen ist, bei kür­ze­ren Frei­heits­ent­zü­gen ein Betrag von 200 Fran­ken pro Tag ange­mes­sen erscheint, der Tages­satz bei län­ge­rer Haft­dau­er jedoch in der Regel zu sen­ken und im Übri­gen den Beson­der­hei­ten des kon­kre­ten Ein­zel­fal­les Rech­nung zu tra­gen ist. Die Scha­den­er­satz­for­de­run­gen des Beschul­dig­ten wies das Ober­ge­richt dem­ge­gen­über ab. Es kam zum Schluss, dass die­se nicht bewie­sen sei­en.

Ver­le­gung der Kosten für Rechts­ver­tre­ter und Gerichts­ver­fah­ren

Das Ober­ge­richt hat­te wei­ter dar­über zu befin­den, wie die Gerichts­ko­sten sowie die Kosten für die Rechts­ver­tre­ter für das bezirks­ge­richt­li­che Ver­fah­ren, das erste ober­ge­richt­li­che Ver­fah­ren sowie das ober­ge­richt­li­che Ver­fah­ren nach dem Bun­des­ge­richts­ur­teil vom März 2018 zu ver­tei­len sei­en. Es auf­er­leg­te die­se den Par­tei­en gemäss dem Aus­gang des Ver­fah­rens, das heisst nach dem Umfang des Obsie­gens bezie­hungs­wei­se Unter­lie­gens.

Wei­ter­zug des ober­ge­richt­li­chen Urteils mög­lich

Das Urteil des Ober­ge­richts vom 13. Juni 2018 ist noch nicht defi­ni­tiv. Es kann von den Par­tei­en innert 30 Tagen nach der Zustel­lung an das Bun­des­ge­richt wei­ter­ge­zo­gen wer­den.

AG