Par­tei­eti­kett im Fall Rup­perswil ist irrele­vant!

Von | 7. März 2018 | Gedanken

Rote Köpfe gab es am ver­gan­genen Samstag in den Aar­gauer SVP-Kreisen zurecht. Die beson­ders seriös, weg­wei­send und poli­tisch so sehr aus­ge­gli­chen sein wol­lende grösste Tages­zei­tung des Aar­gaus hat wieder einmal den Vogel buch­stäb­lich abge­schossen. Auf der Titel­seite pran­gerte die wohl eher an Dumm­heit gren­zende, denn ori­gi­nelle Schlag­zeile: «SVP-Richter wird Mord­pro­zess Rup­perswil leiten!» Es ist offen­sicht­lich so, dass gewisse Medien heute wohl nicht mehr im Stande sind, einen anstän­digen und den­noch aus­sa­ge­kräf­tigen Titel für ihre Artikel zu finden. Er muss mög­lichst aus­ge­fallen und eben mög­lichst ori­gi­nell oder «daneben» sein.

Was soll denn das? Durch diese Schlag­zeile wird diese gewich­tige Aar­gauer Gerichts­ver­hand­lung nun plötz­lich ver­po­li­ti­siert. Was hätte diese Zei­tung wohl geschrieben, wenn der Richter aus FDP-Kreisen käme? Dann würde selbst­ver­ständ­lich Funk­stille herr­schen. Ist es wirk­lich rele­vant, wessen Partei der Gerichts­prä­si­dent ange­hört? Da wird der geneigte Leser natürlich hell­hörig und er fragt sich, ob ein SVP-Richter härter urteilt als ein sol­cher einer anderen Partei. Ist es nicht so, dass der Gerichts­prä­si­dent in erster Linie beruf­li­ches Format mit­bringen muss – Parteibüchlein hin oder her! Man hätte gescheiter geschrieben, dass Daniel Aesch­bach ein Ober­ent­felder ist, denn er wuchs hier auf. Oder dass er durchaus das Rüstzeug mit­bringt, war er doch vor seiner Zeit als Gerichts­prä­si­dent wäh­rend drei Jahren Anwalt, früher auch Gerichts­schreiber in Lenz­burg und als Ersatz­richter am Ober­ge­richt tätig. Aesch­bach ist nicht ein­fach ein Nobody, der durch die SVP ins Amt geschwämmt wurde und nun schon seit neun Jahren aner­kannter Gerichts­prä­si­dent ist.

Schon vor einigen Jahren wurde er wenig zim­per­lich von der­selben Zei­tung als «Mann mit dem Holz­hammer» bezeichnet. Dies nur, weil er einmal mit einem Hammer für Ruhe im Saal sorgte. Zu lesen war zudem, dass die Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit am Gericht bis­weilen durch­schim­mere. «Dies spiegle sich nicht im Urteil, aber im Stil: Aesch­bach habe eine klare Linie und sage seine Mei­nung. Er sei akten­fest und wolle es in den Befra­gungen genau wissen». Da soll mir bitte mal jemand erklären, was daran falsch ist? Ist das nicht eben das, was wir von einem Richter erwarten? Es geht noch weiter, wird ihm doch auch noch ein Hang zur Show attes­tiert. Da frage ich mich, ob das Show ist, wenn der Gerichts­prä­si­dent in einer früheren Gerichts­ver­hand­lung zum Ange­klagten einmal sagte, dass er ihm bekannt vor­komme. Des Rät­sels Lösung: Der Ange­klagte hatte doch aus­ge­rechnet auf dem Park­platz von Gerichts­prä­si­dent Aesch­bach par­kiert.

Der Fall Rup­perswil ist eine unmensch­liche, him­mel­trau­rige Ange­le­gen­heit. Daraus wird Aesch­bach bestimmt keine Show machen, auch wenn eine ganze Armada von Jour­na­listen vor Ort sein werden. Zu hoffen bleibt, dass diese vor dem Griff in die Tasten zuerst ihr Gehirn ein­schalten. Übri­gens – auch die lei­tende Staats­an­wältin dieses Pro­zesses gehört einer Partei an. Wel­cher? Ich weiss es, aber das ist für den Pro­zess ebenso irrele­vant wie die­je­nige des Gerichts­prä­si­denten – wes­halb ich das hier gar nicht her­aus­po­saune.