Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Ärger mit dem Waschplan

Frage | Ich bin am Wochenende aus den Ferien zurückgekommen, natürlich mit viel Schmutzwäsche. Laut Waschplan stand mir das letzte Wochenende zu. Die Maschine war am Wochenende aber wie schon öfters bereits belegt. Ich habe mich dermassen geärgert, dass ich den laufenden Waschvorgang abgebrochen und die Wäsche in einen Korb geworfen habe. Am nächsten Tag klopft es an meine Wohnungstür und die Eigentümerin der Textilien beklagt sich über mein Verhalten und verlangt obendrein noch Ersatz für das angeblich von mir zerstörte Marken-Shirt. Ich denke nicht im Traum daran, ihr die Kosten dafür zu ersetzen, bin ich mit diesem Vorgehen im Recht?

Antwort | Ja. Die gesetzlichen Bestimmungen sehen keine Regeln für die Nutzung der Waschküche vor. Vielmehr ist der Vermieter verpflichtet, diese in der Hausordnung aufzustellen. Dabei sind sehr einschränkende Bestimmungen, wie die Vorschrift eines bestimmten Waschmittels, allerdings nicht zulässig. Die Benutzung der Waschküche wird in Mehrfamilienhäusern in der Regel in einem Waschplan geregelt, durch den jeder Mietpartei entweder bestimmte Waschtage fix vorgegeben werden oder in den sich die Mieter individuell eintragen können. Sie dürfen auf Ihre Waschzeit bestehen, da die Benutzungstermine in Einklang mit Ihrer Hausordnung für Sie reserviert waren.

Es war deshalb legitim, die fremde Wäsche herauszunehmen und beiseite zu legen. Hätten Sie zugewartet, wären nur die Waschtage des nächsten Mieters reduziert worden. Zur Wahrung des Hausfriedens wäre eine vorherige Nachfrage beim anderen Mieter zwar von Vorteil gewesen. Sollte Ihre Nachbarin tatsächlich Schadenersatz von Ihnen einfordern, müsste sie jedoch den Nachweis erbringen, dass ihr T-Shirt vor der Wäsche einwandfrei war, sie keinen falschen Waschgang gewählt hatte und das Marken-Shirt auch keinen Materialfehler aufwies. Die Beweishürde ist also sehr hoch und Sie haben deshalb nichts zu befürchten.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch