Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Dank dem Anwalt in Quarantäne

Frage | Ich hatte am letzten Arbeitstag vor den Festtagen noch einen Termin beim Anwalt. Vier Tage später wurde ich vom kantonalen Contact Tracing darüber informiert, dass dieser Anwalt positiv auf das Coronavirus getestet worden sei und ich mich sofort in Quarantäne begeben müsse, weil unsere Besprechung als enger Kontakt mit höherem Infektionsrisiko gelte. In der Tat haben wir keine geeigneten Hygienemasken getragen. Aber durfte der Anwalt meinen Namen einfach mitteilen?

Antwort | Nein, das durfte er nicht. Das Anwaltsgeheimnis verbietet dem Anwalt und seinem Hilfspersonal Dritten gegenüber auch nur den Namen eines Klienten zu verraten, geschweige denn weitere Details zum Mandat. Wird ein Anwalt positiv getestet, darf er deshalb dem Contact Tracing die Namen von Klienten, mit denen er zwei Tage vor Auftreten der Krankheitssymptome engen Kontakt mit erhöhtem Infektionsrisiko hatte, nicht angeben.

Ein derart enger Kontakt wird momentan vom Bundesamt für Gesundheit BAG so definiert, dass der Kontakt länger als 15 Minuten dauerte und weder ein Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten, noch zertifizierte Gesichtsmasken getragen wurden. Ihr Anwalt kann für die Angabe Ihres Namens nicht nur disziplinarisch belangt werden, sondern hat sich auch strafbar gemacht. Richtigerweise hätte er Sie persönlich kontaktieren müssen um Ihnen zu empfehlen, sich selbst beim Hausarzt oder dem kantonalen Contact Tracing zu melden.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch