Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Verpfuschte Weihnachtsferien

Frage | Ich arbeite in einem kleinen Unternehmen, das immer über Weihnachten und Neujahr Betriebsferien macht. Wie jedes Jahr verbrachte ich die Tage in den Bergen, verstauchte mir aber leider bei einem Sturz den Knöchel. An Skifahren war anschliessend nicht mehr zu denken. Mein Chef meint, ich hätte mich ja auch so im Wellnesshotel erholen können, aber das ist ja nicht dasselbe. Habe ich also keinen Anspruch, die Ferientage nachzuholen?

Antwort | Nein, Sie haben keinen Anspruch auf Nachgewährung. Ferien sind dazu da, sich vom Arbeitsalltag zu erholen. Ist man krank, kann man die Ferien nicht geniessen und sich nicht erholen. Der Ferienzweck kann nicht erreicht werden, wenn jemand grosse Schmerzen hat, im Bett liegen muss oder häufige Arztbesuche nötig sind. Eine kleinere Verletzung oder vorübergehendes Unwohlsein stehen der Erholung jedoch nicht entgegen. Bei einer ernsthaften Erkrankung oder einem Unfall während den Ferien hat der Arbeitnehmer dagegen einen Anspruch auf Nachgewährung seiner verpatzten Ferien. Vorausgesetzt ist, dass die Erkrankung der Erholung entgegen stand und der Arbeitnehmer seine Erkrankung nachzuweisen vermag. Gemäss Ihren Schilderungen hat Ihr Unfall weder zu ärztlichen Folgebehandlungen noch einer Bettlägerigkeit geführt. Sie haben Ihre Ferien auch nicht abgebrochen, sondern sind im Hotel geblieben und haben dessen Wellness-Infrastruktur nutzen können. Das einzige, was Sie nicht mehr konnten, war Skifahren. Sie konnten sich also trotz Skiunfall erholen. Die eigentlichen Feiertage könnten Sie ohnehin nicht nachholen. Feiertage dienen nicht in erster Linie der Erholung, sondern ermöglichen die Teilnahme an den Feierlichkeiten bestimmter gesellschaftlicher oder religiöser Anlässe. Diese Freitage lassen sich deshalb nicht verschieben oder nachholen. 

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch