Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Entweder … oder

Frage | Ich erwarte ein Kind von einem Mann, den ich kaum kenne. Als ich ihn über die Schwangerschaft informierte, verlangte er sofort eine Abtreibung von mir. Aber ich möchte das Kind behalten. Da er das Kind ohnehin nicht anerkennen würde, überlege ich mir, ihn gar nicht als Vater anzugeben. Muss er dann trotzdem Alimente bezahlen? Oder würde sie die Gemeinde übernehmen? Wieviel würde ich etwa erhalten?

Antwort | Sie müssen sich entscheiden. Es gibt nur Alimente und Vater, oder keinen Vater und keine Alimente. Eine Kombination wäre höchstens nach einer internen Absprache mit dem Vater ihres ungeborenen Kindes denkbar, aber das erscheint doch unwahrscheinlich. Erfolgt vor oder nach der Geburt keine Vaterschaftsanerkennung beim Zivilstandsamt, werden sich die Sozialen Dienste Ihrer Wohngemeinde bei Ihnen melden und sich nach den Personalien des Vaters erkundigen. Käme es weiterhin zu keiner Vaterschaftsanerkennung, würde ein Prozessbeistand für Ihr Kind ernannt, der die Vaterschaft gerichtlich feststellen lassen müsste, notfalls nach Einholung eines DNA-Gutachtens. In diesem Gerichtsverfahren würde sogleich die elterliche Sorge, die Obhut, das Besuchsrecht sowie der Unterhaltsbeitrag geregelt. Deren Höhe hängt von den finanziellen Verhältnissen der Eltern ab und lässt sich nicht allgemein beziffern. Käme der Vater seiner Unterhaltspflicht nicht nach, könnten Sie die Alimente bevorschussen lassen. Alternativ können Sie den Namen des Kindsvaters verschweigen. Meldet sich dieser nicht selbst bei der Kindesschutzbehörde, hätte diese kaum eine Möglichkeit, seine Identität festzustellen. Sie erhalten dann aber auch keine Alimente und Ihr Kind hat keine erb- oder sozialversicherungsrechtlichen Ansprüche gegenüber seinem Vater. Bei Ihrem Entscheid sollten Sie zudem berücksichtigen, dass Ihr Kind das Recht darauf hat, seinen Vater zu kennen. 

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch