Ratgeber Recht

Dr. Lorenz Strebel | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar

Erbeinsetzung: Unbedingt Ersatzerben bezeichnen

Frage | Ich lebte während rund eineinhalb Jahren mit einem Partner im Konkubinat. Wir waren beide geschieden. Er hat Kinder aus einer früheren Ehe, während ich kinderlos bin. Nachdem wir uns auseinandergelebt hatten, trennten wir uns vor drei Jahren im Guten. Mein Ex-Partner ist nun bei einem Unfall gestorben. Ich habe Post vom Bezirksgericht an seinem letzten Wohnsitz im Aargau erhalten: Während unseres Konkubinats hinterlegte er ein Testament und setzte mich darin als Universalerbin ein. Ich möchte eigentlich nichts von ihm erben; das Geld sollen seine Kinder bekommen. Auf keinen Fall darf aber etwas an seine frühere Ehefrau gehen, denn sie liess ihn mit den Kindern sitzen. Soll ich meinen Teil nun seinen Kindern schenken?

Antwort |Nein. Denn eine Schenkung würde zu einer mehrfachen Besteuerung jeweils in der höchsten Steuerklasse führen: Zuerst würde bei Ihnen eine Erbschaftssteuer fällig, dann bei den Kindern eine Schenkungssteuer. Am besten schlagen Sie die Erbschaft innert der dafür vorgesehenen Frist aus: Hinterlässt der Erblasser eine Verfügung von Todes wegen, so geht nämlich der Anteil, den ein eingesetzter Erbe ausschlägt, wenn kein anderer Wille des Erblassers aus der Verfügung ersichtlich ist, an dessen nächste gesetzliche Erben. Weil im Testament kein Ersatzerbe an Ihrer Stelle vorgesehen ist, geht der ausgeschlagene Erbteil daher – wie wenn keine Erbeinsetzung stattgefunden hätte – direkt an die Nachkommen Ihres früheren Lebenspartners. Da er geschieden gestorben ist, bekommt seine Ex-Frau nichts.

Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,

5001 Aarau, E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch