Ratgeber Recht

Dr. Lorenz Strebel | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar

Erbverzicht nach Erbgang?

FRAGE | Im September behandelten Sie den Fall des Erbverzichtsvertrags von Ehegatten in zweiter Ehe. Mein Mann und ich wollten daraufhin einen solchen Vertrag abschliessen. Wir schoben das Projekt aber vor uns hin und gingen nie zum Notar. Nun ist mein Mann unerwartet gestorben. Ich, kinderlos, möchte nichts von seiner Erbschaft. Sie soll vollständig an seine Nachkommen aus erster Ehe gehen. Kann ich jetzt noch verzichten?

ANTWORT | Nein, nicht im Sinne des eigentlichen Erbverzichts. Dafür wäre ein notariell beurkundeter Erbvertrag nötig gewesen. Sie können aber dasselbe Ergebnis erzielen, indem Sie innert einer dreimonatigen Frist ab Kenntnis des Todes Ihres Ehemannes gegenüber der zuständigen Behörde die Ausschlagung der Erbschaft erklären. Diese muss unbedingt und vorbehaltlos erfolgen.

Alternativ dazu können Sie Ihren Erbanteil an einen oder mehrere ihrer Miterben (Nachkommen des Ehemannes) abtreten. Eine solche Abtretung des Erbanteils ist auch nach Ablauf der dreimonatigen Ausschlagungsfrist noch möglich. Sie birgt aber diverse Fallstricke und kann in der Umsetzung kompliziert und finanziell aufwendig sein. Allgemein gilt: Weil jeder Erbfall anders geartet ist, sollte man sich vor einer Ausschlagung bzw. Abtretung durch eine Fachperson informieren lassen. So können ungewollte Überraschungen vermieden werden.

Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,

5001 Aarau, E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch