Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Feriengenuss mit Gipsfuss?

Frage | Vor zwei Wochen bin ich dumm gefallen und habe mir den Fuss gebrochen. Als Velokurier bin ich nun während mehreren Wochen zu 100% krankgeschrieben. Die geplanten Sommerferien im Tessin konnte ich noch stornieren. Mein Chef sagt nun aber, dass ich trotzdem Ferien nehmen muss, er hätte dies so eingeplant. Stimmt das?

Antwort | Nein. Ferien dienen der Erholung und setzen deshalb voraus, dass der Arbeitnehmer die arbeitsfreie Zeit auch geniessen kann. Oftmals schliessen Krankheit oder Unfall den uneingeschränkten Feriengenuss aus. Aber nicht jeder, der krank und in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, ist auch in jedem Fall «ferienunfähig». Stattdessen ist im Einzelfall abzuklären, ob sich Krankheit oder Unfallfolgen negativ auf die Ferien auswirken.

Eine kleinere Verletzung kann die Arbeitsausübung verunmöglichen, muss aber nicht zum Daheimbleiben zwingen und den geplanten Ferienfreuden entgegenstehen. Wirkt sich eine Krankheit oder ein Unfall jedoch stärker aus und bewirkt regelmässige Arztbesuche, Bettlägerigkeit oder eine massgebliche Einschränkung in der Bewegungsfähigkeit, so ist ein Bezug von Ferien ausgeschlossen. Zusätzlicher Faktor ist immer auch die Natur der geplanten Ferien, denn nicht jeder erholt sich mit einem Buch in der Hängematte. Mit einem gebrochenen Fuss sind Sie auf Krücken angewiesen. Der Gips verunmöglicht sowohl unbeschwerte Badeferien als auch die Erforschung historischer Stätten oder Entdeckungstouren in einer Stadt. Sportliche Aktivitäten sind sowieso unmöglich. Sie sind damit von den meisten Ferienaktivitäten ausgeschlossen. Ihr Chef kann Ihnen deshalb nicht vorschreiben, jetzt Ferien zu beziehen.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch