Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Ferienverweigerung in der Kündigungsfrist?

Frage | Ich habe meine Stelle Ende April auf Ende Juni vertragsgemäss gekündigt. Aus letztem Jahr habe ich noch 10 Ferientage zugut und aus diesem noch einmal gleich viel. Für Juni hatte ich bereits Anfang Jahr eine Woche Ferien eingegeben. Nun wollte ich die übrigen Ferientage gleich dranhängen, so dass mein letzter Arbeitstag schon am 2. Juni wäre. Mein Chef will davon nichts wissen, weil es zu viel Arbeit habe. Darf er mir den Ferienbezug verbieten, obschon das Arbeitsverhältnis gekündigt ist?

Antwort | Ja, denn der Arbeitgeber bestimmt den Zeitpunkt der Ferien seiner Mitarbeiter. Er muss zwar auf deren Wünsche Rücksicht nehmen, darf den betrieblichen Interessen jedoch den Vorzug geben. Dies gilt auch im Falle eines gekündigten Arbeitsverhältnisses. Diesfalls kommt erschwerend hinzu, dass die Ferien oft kurzfristig bezogen werden müssten, was sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Mitarbeitenden zu Problemen führen kann. Ist der Ferienbezug nicht möglich, müssen Ihnen die Ferientage mit dem letzten Lohn entschädigt werden.

Für die Berechnung des auf die Ferien entfallenden Lohnes multiplizieren Sie Ihren Jahreslohn bei einem Ferienanspruch von vier Wochen mit 8,33% bzw. bei fünf Wochen Ferien mit 10,64%, teilen den Betrag durch 20 bzw. 25 Tage und multiplizieren mit der Anzahl der zu entschädigenden Tage. Da Sie von den 20 Ferientagen noch fünf im Juni beziehen können, sind 15 Ferientage zu entschädigen. Dies ergibt in Ihrem Fall bei 20 Ferientagen pro Jahr folgende Rechnung: Jahreslohn × 8,33% / 20 Tage × 15 Tage.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch