Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Hilfe! Polizeiliche Vorladung!

Frage | Ich habe eine Vorladung der Polizei erhalten und muss als Auskunftsperson zu einer Einvernahme erscheinen, weiss aber nicht genau, worum es geht. Ich vermute, dass es mit der Verhaftung eines Bekannten zu tun hat, bei dem ich ab und zu Marihuana gekauft habe. Wie verhalte ich mich richtig und brauche ich einen Anwalt?

Antwort | Der Vorladung der Polizei können Sie nebst Ort und Datum der Einvernahme weitere wichtige Informationen entnehmen. Einerseits muss mit einem Stichwort angegeben sein, zu welcher Sache Sie befragt werden, also zum Beispiel «Widerhandlung Betäubungsmittelgesetz ». Ebenso muss in der Vorladung stehen, in welcher Funktion Sie befragt werden sollen, sei es als beschuldigte Person, Opfer oder Zeuge. Steht «Auskunftsperson», ist sich die Polizei noch nicht sicher, welche Rolle Sie innehatten. Als Auskunftsperson haben Sie dieselben Rechte wie ein Beschuldigter. Diese Rechte müssen Ihnen vor Beginn der Befragung in verständlicher Form erklärt werden. Dazu gehört insbesondere, dass Sie keine Aussagen machen müssen. Gerade am Anfang einer Strafuntersuchung ist es meist empfehlenswert, von diesem Recht auch Gebrauch zu machen und vorerst abzuwarten, worin der Vorwurf der Polizei genau besteht. Aussagen zu machen ist nur sinnvoll, wenn man einen Tatvorwurf leicht entkräften kann (zum Beispiel durch ein Alibi), oder wenn man bei klarer Sachlage ein umfassendes Geständnis ablegen will. Bei allen Zwischenstadien verschlimmert man die eigene Situation mit Aussagen zu einem frühen Zeitpunkt oft, selbst wenn man die vorgeworfene Straftat im Endeffekt anerkennt. Gar nicht zu empfehlen ist die Strategie, einige Fragen zu beantworten und andere nicht. Sie haben das Recht, sich schon zur ersten Befragung von einem Anwalt ihrer Wahl begleiten zu lassen. Wenn Sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen, können Sie sich auch zu einem späteren Zeitpunkt beraten zu lassen. Aus den Fragen der Polizei konnten Sie dann auch schon heraushören, worum es geht und können den Anwalt informieren.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch