Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Reklamieren beim Kauf – lieber früh als spät

Frage | Ich habe am 15. August ein Occasionsauto gekauft, am 19. August konnte ich es gegen Barzahlung abholen. Da ich von Autos nichts verstehe, habe ich das Auto am 21. August beim TCS überprüfen lassen. Der Testbericht, den ich am 26. August erhalten habe, attestierte dem Fahrzeug mehrere Mängel an Karosserie und Windschutzscheibe. Am 30. August rügte ich diese Mängel schriftlich beim Verkäufer und forderte eine Kaufpreisreduktion. Bisher gab es keine Einigung, ich werde deshalb an den Friedensrichter gelangen. Muss ich etwas beachten?

Antwort | Generell gilt, dass der Käufer einer Ware diese nach Erhalt prüfen und dem Verkäufer festgestellte Mängel sofort anzeigen muss. Die gekaufte Sache gilt als genehmigt, wenn der Käufer diese sofortige Prüfungs- und Rügeobliegenheit versäumt. Der Verkäufer ist dann aus seiner Gewährleistungspflicht entlassen. Versteckte Mängel, die erst später zu Tage treten, müssen dem Verkäufer umgehend nach Entdeckung gemeldet werden. Treten sie später als zwei Jahre nach dem Kauf in Erscheinung, sind sie verjährt.

In Ihrem Fall ist es problematisch, dass Sie den Verkäufer erst 11 Tage nach Übernahme des Fahrzeuges über die Mängel in Kenntnis setzten. Als Richtgrösse bei Occasions-Fahrzeugen kann von einer Anzeigefrist von einer Woche für erkennbare Mängel ausgegangen werden. Diese Frist haben Sie deutlich überschritten. Ihre Prozesschancen müssen deshalb als eher gering beurteilt werden. Allenfalls kann mit Unterstützung des Friedensrichters eine Kompromisslösung erarbeitet werden.

Rechtsfragen können gestellt werden an:
Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch