Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Scheidung – wie und wann?

Frage | Meine Ehe stand schon vor Corona unter einem schlechten Stern. Aber die letzten Wochen, zusammen eingesperrt in unserer Wohnung, haben ihr den Rest gegeben. Ich möchte mich unbedingt trennen und scheiden lassen. Meine Ehefrau sieht das zwar gleich, ist aber nicht willens einen Finger zu krümmen. Sie hat mir gesagt, erst auf Anordnung vom Gericht zu reagieren. Wie und wann kann ich die Scheidung einleiten?

Antwort | Als ersten Schritt müssen Sie sich mit Ihrer Frau darüber einigen, wer den bisherigen Mietvertrag übernimmt und wer eine neue Wohnung sucht. Wenn Ihre Frau weiterhin keine aussergerichtlichen Vergleichsgespräche führen will, bleiben Ihnen zwei Alternativen um die Scheidung einzuleiten: Unter der Voraussetzung, dass Ihre Frau wenigstens eine Teilvereinbarung unterzeichnet, in der sie bestätigt, die Scheidung ebenfalls zu wollen und den Entscheid über die Nebenfolgen dem Gericht zu überlassen, können Sie das Scheidungsbegehren umgehend bei Gericht einreichen. Ist Ihre Frau auch dazu nicht bereit, können Sie erst nach Ablauf der zweijährigen Trennungsfrist aktiv werden und das Scheidungsbegehren beim Gericht stellen. Diese Trennungszeit beginnt sicher mit dem räumlichen Auszug, der Ihnen jedoch noch bevorsteht. Ein Trennungszeitpunkt noch während des Zusammenlebens ist eher schwierig nachzuweisen. Gelänge der Beweis nicht, entstünden Ihnen Kosten und eine Verzögerung der Scheidung. Deshalb schaffen Sie besser Fakten. Das Gerichtsverfahren läuft anschliessend in beiden Fällen ähnlich ab. Nachdem Sie den Gerichtskostenvorschuss einbezahlt haben, werden Sie zur Einigungsverhandlung einladen. In dieser Verhandlung wird geklärt, ob ein Scheidungsgrund gegeben ist (beidseitige Zustimmung oder Ablauf der 2-jährigen Trennungszeit) und das Gericht wird versuchen mit den Parteien eine Vereinbarung über die Nebenfolgen zu erarbeiten. Wenn dies gelingt, ergeht das Urteil und das Scheidungsverfahren ist abgeschlossen. Kommt es zu keiner Einigung muss das strittige Verfahren durchgeführt werden mit jeweils zwei schriftlichen Stellungnahmen der Parteien an das Gericht und einer weiteren Verhandlung. Dies führt oft zu einer Verlängerung des Verfahrens um ein gutes Jahr. 

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch