Ratgeber Recht

Dr. Lorenz Strebel | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar

Sturmschaden – muss die Gebäudeversicherung zahlen?

Frage | Mein Holzschopf hat einen Sturmschaden; er kippte schräg zur Seite. Die Gebäudeversicherung liess ein Gutachten erstellen. Gemäss Experte verfüge die Baute nicht über genügend stabilisierende Elemente. Es fehlten Streben, Kopfbänder etc. Zudem sei ein Eckpfosten am Boden verrottet gewesen (er stand nicht auf einem Stein oder Betonsockel). Die Versicherung behauptet nun, die für ein versichertes Ereignis nötigen Windgeschwindigkeiten seien an jenem Tag nicht erreicht worden. Der Wind sei vielleicht auslösendes Element, aber nicht eigentliche Ursache des Schadens gewesen. Daher werde nichts bezahlt. Soll ich vor Gericht ziehen?

Antwort | Nein. Von einem Sturm, dessen Schäden gedeckt sind, wird im Aargau im Rahmen der obligatorischen Gebäudeversicherung dann ausgegangen, wenn eine Mehrzahl ordnungsgemäss erstellter Bauten oder gesunder Bäume in der Nähe erhebliche Schäden aufweisen. Daneben kann die Versicherung Schäden vergüten, wenn gewisse Mindestwindgeschwindigkeiten bzw. Böenspitzen gemessen wurden oder wenn das Schadensbild auf ein Sturmereignis schliessen lässt. Hier ist nichts davon erfüllt. Zudem sind Schäden nicht gedeckt, die im Wesentlichen durch fehlerhafte Konstruktion oder mangelhaften Unterhalt verursacht worden sind. Angesichts des fotografisch dokumentierten, miserablen Vorzustands des Holzschopfs erachte ich ein Gerichtsverfahren als chancenlos. Stecken sie Ihr Geld besser in einen den Regeln der Baukunst entsprechenden Wiederaufbau als in einen Prozess.

Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,

5001 Aarau, E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch