Ratgeber Recht

Dr. Lorenz Strebel | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar

Tod des Mieters

Frage | Mein lediger Onkel ist kürzlich gestorben. Meine Schwester und ich sind seine einzigen Erbinnen. Neben seiner Wohnung mietete er auch noch eine kleine Werkstatt. Dort erledigte er trotz seiner 75 Jahren halbtags entgeltlich Reparaturarbeiten für Kunden. Die Werkstattmiete läuft noch bis 2025. Müssen wir so lange Miete zahlen?

Antwort | Grundsätzlich ja. Mietverträge enden nicht automatisch mit dem Tod des Mieters. Vielmehr treten die Erben in die laufenden Verträge ein: Sie können die Mieträume nutzen, müssen aber auch den Mietzins bezahlen. Der Tod des Mieters setzt aber einen vorzeitigen Kündigungsgrund zugunsten der Erben: Sie können die Mietverträge unter Beachtung der gesetzlichen Frist auf den nächsten gesetzlichen Termin kündigen. Dies gilt sowohl für die Wohnung wie auch für die als Einzelunternehmen gemietete Werkstatt (Geschäftsraummiete). Bei der Wohnung beträgt die Kündigungsfrist drei Monate, bei der Geschäftsraummiete sechs Monate. Grundsätzlich muss die Kündigung auf den nächstmöglichen Termin erklärt werden. Den Erben steht jedoch gemäss juristischer Lehre eine angemessene Überlegungsfrist zu. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn der Tod z. B. kurz vor Monatsende eintritt. Auf jeden Fall gilt es rasch zu handeln. Der Vermieter hat übrigens weder ein besonderes eigenes Kündigungsrecht noch hat er Anspruch auf eine Entschädigung, wenn Sie infolge Tod des Onkels vorzeitig kündigen.

Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,

5001 Aarau, E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch