Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Unterhaltsanspruch auch nach dem 18. Geburtstag?

Frage | Meine Tochter wurde vor ein paar Wochen 18 Jahre alt und ist in Erstausbildung. Seit sie volljährig ist, will sie der Vater nicht mehr finanziell unterstützen, weil er laut Scheidungsurteil nur bis zu ihrem 18. Geburtstag bezahlen müsse. Mein eigenes Einkommen reicht nicht, um meine Tochter zu unterstützen. Gibt es ein Gesetz, wonach der Vater weiteren Unterhalt bezahlen muss, solange meine Tochter in Ausbildung ist?

Antwort | Ja, das gibt es. Laut Artikel 277 des Zivilgesetzbuches dauert die Unterhaltspflicht der Eltern über die Volljährigkeit des Kindes hinaus, wenn es in diesem Zeitpunkt noch keine angemessene Erstausbildung abgeschlossen hat. Dies ist bei den meisten jungen Erwachsenen der Fall. Ihr Unterhaltsanspruch dauert, solange sie tatsächlich in Ausbildung sind, längstens aber bis die gewählte Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden könnte. Da Ihre Tochter nun erwachsen und handlungsfähig ist, liegt das Aushandeln und notfalls auch Einfordern des Unterhaltsbeitrages in ihrer Verantwortung. Helfen Sie Ihrer Tochter beim Erstellen eines Monatsbudgets mit allen Ausgaben. Ihre Tochter muss sich die Ausbildungszulage und den eigenen Lehrlingslohn darauf anrechnen lassen. Bleibt ein Fehlbetrag, müssen beide Elternteile gemeinsam dafür aufkommen, soweit es ihnen finanziell und aus persönlichen Gründen zumutbar ist. Unterhaltszahlungen an erwachsene Kinder, die grundlos jeglichen Kontakt zum unterhaltszahlenden Elternteil verweigern, können unter Umständen unzumutbar sein. Sobald Sie mit Ihrer Tochter geklärt haben, welche Unkosten Ihre Tochter selbst übernimmt und welche Sie als Mutter abdecken, kann Ihre Tochter mit ihrem Vater dessen weitere Beteiligung aushandeln. Sollte er zu keinen weiteren Zahlungen bereit sein, müsste Ihre Tochter Klage beim Friedensrichter einreichen.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch