Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Unverhofft in Quarantäne

Frage | Ich bin am vergangenen Wochenende von einer Ferienreise in Luxemburg zurückgekehrt. Bei meiner Ankunft erfuhr ich, dass ich 10 Tage in Quarantäne gehen muss. Als ich meinen Chef informierte, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht arbeiten kann, sagte er nur, das gelte als unbezahlter Urlaub. Aber ich kann doch auch nichts dafür, bei meiner Ausreise galt mein Reiseziel noch als sicher! Habe ich wirklich keinen Lohnanspruch?

Antwort | Nein, Sie haben keinen Anspruch auf Lohnzahlung während der Quarantäne, denn Ihr Arbeitsausfall gilt als selbstverschuldet. Die Absprachen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezüglich Ferienplanung sind in diesem Jahr besonders schwierig. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers beinhaltet insbesondere den Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer. Trotzdem geht sein Weisungsrecht nicht soweit, als dass er seinen Mitarbeitenden Art oder Ort ihrer Ferien vorschreiben dürfte. Arbeitnehmende müssen sich vom Vorgesetzten nicht in ihre Freizeitgestaltung dreinreden lassen. Andererseits sind sie aufgrund ihrer Treuepflicht verpflichtet, nach Möglichkeit gesund zu bleiben und ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Wer sich in der heutigen Zeit, in der wir unser Verhalten fortlaufend neuen Regeln und Empfehlungen anpassen müssen, für eine private Ferienreise im Ausland entscheidet, riskiert die Verletzung seiner Treuepflicht als Arbeitnehmer ausgesprochen leichtfertig. Es ist deshalb unbestritten, dass der Arbeitnehmer die Risiken im Zusammenhang mit seiner privaten Reise, wie die verspätete Rückkehr an den Arbeitsplatz infolge Quarantäne oder abgesagter Flüge, selbst berappen muss. Denkbar ist auch, dass unter Umständen auch kein Lohnfortzahlungsanspruch besteht, wenn der Arbeitnehmer nach einer risikoreichen Reise an Corona erkrankt. 

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch