Ratgeber Recht

Dr. Lorenz Strebel | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar

Vertretung bei der Errichtung eines Vorsorgeauftrags?

Frage | Kürzlich habe ich das Inserat einer Bank gesehen. Sie wirbt damit, man könne seinen Vorsorgeauftrag online zusammenstellen und als PDF-Dokument ausdrucken. Dann habe man die Wahl: Entweder schreibt man das Dokument ab oder man beauftragt die Bank mit der öffentlichen Beurkundung. Ich dachte immer, für eine Beurkundung müsse man zum Notar. Was gilt?

Antwort | Gemäss Inserat sei es «möglich, der [Bank] direkt einen Auftrag zur Erstellung einer öffentlichen Urkunde zu erteilen». Dies ist irreführend: Um gültig zu sein, muss der Vorsorgeauftrag entweder von Anfang bis Schluss unter Einbezug von Datum und Unterschrift von Ihnen von Hand geschrieben sein. Oder er wird als öffentliche Urkunde errichtet. Dies erfolgt durch eine Urkundsperson, nicht die Bank. Der Notar prüft Ihre Identität und Urteilsfähigkeit. Daher können Sie für die Beurkundung auch keine Drittperson (Bank) als Vertreter bezeichnen.

Das weiss auch die Bank: Füllen Sie den Konfigurator online aus und wählen am Schluss «Auftrag öffentlich beurkunden lassen», dann öffnet sich ein «Beratungsauftrag». Daraus geht hervor, dass die beauftragte Bank für die Beurkundung einen (externen) Notar hinzuzieht und Sie persönlich anwesend sein müssen. Sie sollten sich auch überlegen, ob Sie die Bank beauftragen wollen, wenn gemäss Formular der «zuständige Nachlassplaner» (der Vorsorgeauftrag betrifft notabene Erwachsenenschutzrecht, nicht Erbrecht) entscheidet, ob neben Ihren Konfigurator-Angaben eine vorgängige Beratung nötig ist oder nicht. Eine unabhängige, individuelle Beratung bietet direkt auch jeder Notar an.

Rechtsfragen können gestellt werden an:
Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar, Bahnhofstrasse 86,

5001 Aarau, E-Mail: kontakt@strebel-recht.ch