Ratgeber Recht

Dr. Lorenz Strebel | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Dr. Lorenz Strebel, Rechtsanwalt und Notar

Was bedeutet «tolerierte Baute»?

FRAGE | Ich habe ein kleines Grundstück mit einem Häuschen geerbt, das mitten im Wald liegt. Mein Onkel lebte dort seit Anfang der 1960er Jahre. Ich nutze es als Wochenendhaus und habe den ehemaligen Hühnerstall zu einem Hobbyraum umgebaut (Isolation, grössere Fenster, Lavabo). Ich wurde angezeigt und musste ein nachträgliches Baugesuch stellen, das abgelehnt wurde. Begründung: Die Hobbyraum-Nutzung sei nicht standortkonform. Schon der Onkel habe das Hühnerhaus umbauen wollen, was rechtskräftig abgewiesen worden sei. Das Hühnerhaus sei damals als «toleriert» bezeichnet worden. Ich müsse all meine Einbauten rückgängig machen. Was bedeutet das alles?

ANTWORT | Im Wald sind grundsätzlich nur forstwirtschaftliche Bauten zulässig. Eine Umnutzung zu einem Hobbyraum ist nicht gestattet. Darum muss der frühere Zustand wieder hergestellt werden. Toleriert wurde der nie bewilligte Stall, weil die Hühnerhaltung seit Jahrzehnten bestand. Toleriert bedeutet, dass die – nicht bewilligbare – bisherige Nutzung möglich bleibt. Die Behörde drückt quasi ein Auge zu. Erlaubt sind Unterhaltsarbeiten an der Baute (Streichen, Auswechseln einzelner untergeordneter Teile etc.). Verboten sind Erneuerungsarbeiten, die den Weiterbestand der Baute sichern (Auswechseln tragender Balken etc.). Lediglich tolerierte Bauten sind daher über kurz oder lang dem Untergang geweiht. Weil Sie keine Hühner halten und keine forstwirtschaftliche Nutzung absehbar ist, können Sie den ehemaligen Hühnerstall auch gleich ganz entfernen. Vergessen Sie aber nicht, vorgängig ein Abbruchgesuch zu stellen.