Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
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Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Was geschieht mit dem WEF-Vorbezug bei Scheidung?

Frage | Mein Mann und ich führen Scheidungsverhandlungen. Wir sind uns einig, dass ich das Haus übernehmen darf und ihm eine Entschädigungszahlung dafür leisten muss. Wir haben das Haus hauptsächlich mit einer Hypothek und einem Vorbezug aus der Pensionskasse meines Mannes finanziert. Die wenigen Eigenmittel stammen von mir. Bleibt der Vorbezug aus der Pensionskasse im Haus oder muss ich es bei einem späteren Verkauf meinem Mann zurückbezahlen?

Antwort | Weder noch. Das rechtliche Schicksal des Wohneigentums richtet sich nach dem Güterrecht und die Eheleute legen gemeinsam fest, ob und falls ja welcher Ehegatte das Haus in sein Alleineigentum übernimmt und zu welchem Preis, oder ob es an einen Dritten verkauft werden soll und wie ein Verkaufsgewinn verteilt wird. Die für den Kauf des Wohneigentums verwendeten, vorbezogenen Pensionskassengelder werden demgegenüber nach den gesetzlichen Bestimmungen zum Vorsorgeausgleich geteilt. Die Eheleute haben diesbezüglich nur sehr wenig Gestaltungsspielraum, denn das vorbezogene Pensionskassengeld wird bei der Berechnung des Vorsorgeausgleichs zum aktuellen Guthaben in der 2. Säule hinzugezählt und so ebenfalls halbiert.

Sie müssen den Vorbezug für Wohneigentum für die Festlegung Ihrer Entschädigungszahlung wie eine zusätzliche Hypothek behandeln und bei der Berechnung ausklammern. Sonst bezahlen Sie unter Umständen doppelt. Sofern Sie für die Finanzierung weiterhin auf einen Vorbezug der Pensionskassengelder angewiesen bleiben, sollten Sie bedenken, dass das vorbezogene Geld nicht verzinst wird und für die Berechnung einer Rente nicht zur Verfügung steht. Der Vorbezug sollte deshalb schnellstmöglich an Ihre Pensionskasse zurückbezahlt werden können.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch