Ratgeber Recht

Marianne Wehrli | Ratgeber Recht | Der Landanzeiger
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Marianne Wehrli, LLM Rechtsanwältin

Zweideutiges gehört nicht ins Arbeitszeugnis

Frage | Ich habe meine Anstellung in einem kleinen Unternehmen auf Ende letzten Monats gekündigt. Laut meinem Arbeitszeugnis soll ich «in Konfliktsituationen Wert auf faire Diskussionen legen». Ich empfinde diese Aussage als sehr verletzend. Sie vermittelt auch ein falsches Bild von mir. Kann ich mich wehren?

Antwort | Ja, das können Sie. Das Arbeitszeugnis soll das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers unterstützen und deshalb wohlwollend formuliert werden. Gleichzeitig muss es künftigen Arbeitgebern ein möglichst zutreffendes Bild von Tätigkeit, Leistung und Verhalten des Arbeitnehmenden vermitteln. Das Zeugnis darf deshalb nicht nur wohlwollend, sondern auch vollständig, klar formuliert und wahrheitsgetreu sein. Dabei stufen die Gerichte den Anspruch auf Wahrheit höher ein als den Anspruch auf Wohlwollen. Der Arbeitgeber hat bei der Wortwahl zwar ein gewisses Ermessen. Es ist ihm jedoch untersagt, versteckte Botschaften für Eingeweihte oder Zweideutiges zu verwenden.

Dass Sie der zitierte Satz stört, ist verständlich. Er ist offen formuliert und bietet Raum für Spekulationen. Er impliziert, dass Sie immer wieder in Konfliktsituationen am Arbeitsplatz involviert waren und dabei auf Ihrer Ansicht beharrten. Der beanstandete Satz gehört deshalb nicht in Ihr Arbeitszeugnis. Sie können Ihren früheren Arbeitgeber auffordern, ihn zu streichen. Sollte er diesem Anliegen nicht entsprechen, sollten Sie sich an das Arbeitsgericht wenden.

Rechtsfragen können gestellt werden an: Marianne Wehrli, Rechtsanwältin, Laurenzenvorstadt 79, Postfach 4227, 5001 Aarau,
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch