Referendum «Modularer Schulraum" Kölliken

Offener Brief an den Landanzeiger des Referendumskommitees «Modularer Schulraum».

Kolliken, 1. Februar 2021

Referendum gegen das geplante Provisorium „Modularer Schulraum“; Klarstellungen zum Schreiben des Gemeinderates vom 21. Januar 2021

Sehr geehrte Damen und Herren

Mit Schreiben vom 21. Januar 2021 wurden Sie über das weitere Vorgehen bezüglich der Referendumsabstimmung zum geplanten Provisorium „Modularer Schulraum“ informiert.

Diese Stellungnahme wurde den Printmedien bereits zur Veröffentlichung zugestellt. Unter anderem hat die Aargauer Zeitung am Samstag, 23. Januar 2021 den Bericht veröffentlicht und zwar mit der Titelschlagzeile „Blitz-Kapitulation wegen 590 Unterschriften – Gemeinderat Kölliken zieht 3,7 Mio. Franken teures Schulprovisorium zurück, bevor Urnengang stattfand“.

Wir halten ganz klar fest, dass wir nicht gegen zusätzlichen Schulraum sind. Wir sind jedoch der Auffassung, dass die 3.7 Mio. Franken sinnvoller in eine nachhaltige und definitive Lösung investiert werden.

Die Vorhaltung eines so teuren Provisoriums für künftige Projekte macht auch wenig Sinn, solange die vom Gemeinderat geplanten Projekte wie zum Beispiel Renovation Bezirksschulhaus und Gemeindehaus, Innensanierung Villa Clara etc. den Stimmbürgerinnen und Stimmbürger noch  nicht vorgelegt wurden und die Genehmigungen hierfür auch nicht vorliegen. 

Im Rahmen der Schulraumplanung wurde seit mehr als zehn Jahren über die künftige Entwicklung der Schülerzahlen und den Bedarf an Schulraum diskutiert.

Von den zuständigen Stellen (Gemeinderat, Schulpflege, Schulleitung und Planer Kohli) wurden Konzepte und Strategien entwickelt, welche schliesslich in den Bau des heutigen Schulhauses Farbweg einflossen. Dabei wurde berücksichtigt, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch zusätzlich eine Aufstockung und / oder ein Anbau möglich ist.

Seit Jahren wurde von Seiten der Behörden diese Strategie immer wieder bestätigt. Warum jetzt eine so kurzfristige Abkehr vom bisherigen Weg?

Gemäss Abklärungen mit Baufachleuten können beim bestehenden Farbwegschulhaus, anstelle des provisorischen „Modularer Schulraum“ die erforderlichen Schulräume mittels Aufstockung problemlos realisiert werden. Teile der technischen Installationen wie Werkleitungen Strom – Wasser – Wärmeerzeugung wurden bereits mit dem Bau des Schulhauses vorbereitet und müssen nicht nochmal neu erstellt werden.

Verschiedene Punkte im Schreiben des Gemeinderates sowie in den Presseberichten sind aus unserer Sicht nicht korrekt bzw. nicht vollständig dargelegt.

Sucht der Gemeinderat nun einen Schuldigen für die Verzögerungen, die er sich selbst zuzuschreiben hat? Deshalb erlauben wir uns, Ihnen unsere Haltung dazu mitzuteilen.

Am 17. Mai 2019 hat die Gemeindeversammlung dem vom Gemeinderat beantragten Projektierungskredit im Betrag vom 392‘000 Franken zugestimmt. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der zusätzliche Schulraum rasch geschaffen werden muss.

Warum ist dann nach der Ausschreibung der Planungsarbeiten nicht die Auftragserteilung sofort erfolgt? Warum wurde trotz der Dringlichkeit rund acht Monate zugewartet? Es bestand doch dringender Handlungsbedarf für zusätzliche Schulräume.

Hätte der Gemeinderat von Beginn weg, also nach der Zustimmung zum Planungskredit im Mai 2019, das Projekt sofort an die Hand genommen und eine verbindliche Terminplanung gemacht, wäre nicht so viel kostbare Zeit verloren gegangen.

Deshalb ist der Gemeinderat unter enormen Zeitdruck geraten. Die Folge daraus war die Vorlage für ein Provisorium „Modularer Schulraum“ an der Gemeindeversammlung vom November 2020.

Der Gemeinderat versucht nun die Verzögerungen dem Referendum zuzuschieben. Dies wird von uns jedoch bestritten. Die Verzögerungen sind aufgrund mangelhafter Planung und Umsetzung entstanden.

Das Provisorium „Modularer Schulraum“ hätte auch ohne das Referendum nicht zeitgerecht auf Schulbeginn 2021/22 realisiert werden können. Auch für dieses Projekt hätten Prozesse wie Vorbereitungen, Baubewilligungsverfahren, Submissionen, Lieferungen und Ausführungen etc. mindestens neun bis zehn Monat in Anspruch genommen.

Hätte der Gemeinderat die Arbeiten sofort nach dem Gemeindeversammlungsbeschluss vom 17. Mai 2019 vorangetrieben und sich für die Aufstockung beim Farbwegschulhaus entschieden, stünden die notwendigen Schulräume für das Schuljahr 21/22 bereits zur Verfügung.

Gemäss Aussage des Gemeinderates wurde er von der Schulpflege erst im Juni 2020 über die künftige Entwicklung der Schülerzahlen informiert. Das stimmt so nicht. Bereits in der Vorlage zur Gemeindeversammlung vom 17. Mai 2019 war dem Gemeinderat die Entwicklung bekannt.

Hätte er sofort reagiert, hätte die Zeit gereicht die benötigten Schulräume für das Schuljahr 21/22 zu realisieren.

Wir erwarten deshalb, dass der Gemeinderat nach der Urnenabstimmung vom 7. März 2021 die Arbeiten sofort und zügig an die Hand nimmt, damit der Bedarf an Schulräumen bis zum Schuljahr 22/23 zur Verfügung steht.

Wir verlangen zudem, dass der Gemeinderat die Aufstockung beim Farbwegschulhaus vorsieht. Gemäss unseren Abklärungen sind eventuell sogar zwei zusätzliche Stockwerke in Holz-Leichtbauweise möglich. Dies muss durch ein Ingenieurbüro noch abschliessend geprüft werden. Ein Auftrag ist unverzüglich zu erteilen.

Mit diesem Vorgehen könnte der Bedarf an Schulräumen vollständig abgedeckt werden. Künftig wäre bei weiterem Bedarf auch noch ein Anbau ans Farbwegschulhaus möglich.

Eine Aufstockung mit Leichtbau-Holzelementen verkürzt die Bauzeit wesentlich. Produktion und Hauptarbeiten der Elemente erfolgen grösstenteils im Werk, werden anschliessend vorgefertigt auf die Baustelle transportiert und aufgestellt.

Diese Arbeiten können im Wesentlichen während der schulfreien Zeit (Schulferien) erfolgen. Somit sind kurze Bauphasen und geringfügige Störungen für den Schulbetrieb vor Ort möglich.

Wir erwarten vom Gemeinderat, dass er bis zur kommenden Gemeindeversammlung vom 11. Juni 2021 einen Verpflichtungskredit für die Aufstockung des Farbwegschulhauses beantragt.

Die Planungsarbeiten können unmittelbar nach der Urnenabstimmung vom 7. März 2021 an einen Planer vergeben werden, da die Ausschreibung bereits erfolgt ist und somit eine Auftragsvergabe sofort möglich ist.

Im Weiteren können auch das Baugesuchverfahren und die Submissionen zeitnah an die Hand genommen werden. Wenn man will, ist fast alle möglich!  

Die zusätzlich benötigten Räume für den Kindergarten und den Schulsozialdienst können problemlos in die „leerstehende“ und sanierte Villa Clara integriert werden. Aktuell ist keine neue Nutzung bekannt. Der bisherige Haupt-Nutzer (Regionaler Sozialdienst) hat bereits einen neuen Standort in Unterentfelden bezogen.

Warum sollten nicht diese eigenen Infrastrukturen genutzt werden, nachdem so viel Geld in die Aussensanierung investiert wurde?

Wir sind überzeugt, dass mit einer konsequenten Umsetzung die benötigten Schulräume innerhalb eines Jahres zur Verfügung stehen werden.

Freundliche Grüsse

Für das Referendumskomitee „Modularer Schulraum“

Fredy Gut, Guido Beljean, Armin Bührer