«Schweiz first» statt gelbe Gefahr!

Von | 6. Juni 2019 | Gedan­ken

Ame­ri­ka und Chi­na glän­zen momen­tan mit einem Han­dels­krieg und schon gibt es auch in unse­rem Land Stim­men, die sich ein­mi­schen. Ich erin­ne­re wie­der ein­mal an unse­re doch so hoch­ge­prie­se­ne Neu­tra­li­tät, die sich bewährt hat. Ich erin­ne­re aus­ser­dem dar­an, dass unse­re letz­ten Kon­tak­te zu den Ame­ri­ka­nern und auch zu Chi­na durch­aus posi­tiv waren. Soll­ten wir nicht geschei­ter still sein und uns zurück­leh­nen? Die Chi­ne­sen sind bekannt­lich für die Schweiz nicht unwich­tig. Haben wir denn schon ver­ges­sen, wie unse­re Ban­ken in Ame­ri­ka vor noch nicht all­zu lan­ger Zeit unter die Räder kamen – nur weil eini­ge rei­che Ame­ri­ka­ner ihr Geld auf Schwei­zer Ban­ken anleg­ten und kei­ne oder zu wenig Steu­ern bezahl­ten. Dabei soll­te doch gera­de der ame­ri­k­an­si­che Prä­si­dent ein offe­nes Ohr für Steu­er­ge­schen­ke haben, da er durch sol­che erst gross ins Geschäft kam.

In den ver­gan­ge­nen Wochen besuch­ten nicht 12’000 Ame­ri­ka­ner, son­dern 12’000 Chi­ne­sen die Schweiz. Man höre und stau­ne: Sie durf­ten sich Rhein­fall, Tit­lis und Co. als Beloh­nung dafür anschau­en, dass sie für die US-Fir­ma Jeu­nesse Glo­bal beson­ders viel ver­kauft haben. Allein in Luzern sorg­ten sie an sechs Tagen für eine Wert­schöp­fung von 4 Mil­lio­nen Fran­ken. Die Schweiz hat also letzt­lich pro­fi­tiert von einer Zusam­men­ar­beit einer Unter­neh­mung im Schat­ten des Han­dels­krie­ges zwei­er Welt­na­tio­nen. Da soll noch einer behaup­ten, die Neu­tra­li­tät sei nichts wert! Chi­nas Wirt­schaft hat längst auch unser Land erobert – ob wir das wol­len oder nicht! Chi­n­a­pro­duk­te sind nicht immer gleich­zu­set­zen mit Bil­lig­pro­duk­ten. Ich habe da mei­ne eige­nen Erfah­run­gen gemacht. 

Mein Han­dy ertrank letz­tes Jahr im Mur­ten­see. Als jah­re­lan­ger Apple-Nut­zer inter­es­sier­te ich mich natür­lich in erster Linie wie­der für ein neu­es iPho­ne. Ich liess mich bera­ten und ent­schied mich letzt­lich für ein Hua­wei-Han­dy. Nicht weil ich Chi­na­fan bin, son­dern ganz ein­fach des­halb, weil die Hua­wei-Han­dys ein sagen­haf­tes Kame­ra­sy­stem der bekann­ten Euro­pam­ar­ke Lei­ca ein­ge­baut haben. Schon mein Vater war ein gros­ser Lei­ca-Fan. Das war frü­her das Mass aller Din­ge – wenn auch sehr teu­er. Mit mei­nem Chi­na-Han­dy mache ich heu­te Nacht­auf­nah­men ohne Sta­tiv, die man mit einer teu­ren Spie­gel­re­flex­ka­me­ra nicht bes­ser machen kann. Dem iPho­ne bleibt da nur das Nach­se­hen. Des­halb ist es nicht ver­wun­der­lich, wenn nun das sehr erfolg­rei­che Rie­sen­un­ter­neh­men Hua­wei von Ame­ri­ka ins schie­fe Licht gerückt wird.

Lei­der sind heu­te wie­der welt­weit Ten­den­zen zum Pro­tek­tio­nis­mus fest­stell­bar. Das ist Gift für eine glo­ba­le Welt. Das qua­li­ta­tiv beste Pro­dukt soll letzt­lich das Ren­nen machen. Das Her­kunfts­land ist doch sekun­där. Geht es den Chi­ne­sen gut, wer­den sie noch ver­mehrt in Scha­ren in die Schweiz kom­men und Geld lie­gen las­sen. Betrach­tet man die Rei­se­sta­ti­stik der Schweiz, dann fällt auf, dass die Asia­ten weit­aus emsi­ger anrei­sen als die Ame­ri­ka­ner. Da wir aber neu­tral sind, sind wir für alle Gäste offen – getreu dem Mot­to «Schweiz first»!