Mar­i­anne Wehrli, LL.M Recht­san­wältin

Sind Mahnspesen berechtigt?

Von | 7. Dezem­ber 2018 | Rat­ge­ber Recht

FRAGE | Ich habe eine Rech­nung bewusst zu spät bezahlt, weil auch die Liefer­ung der gekauften Ware mit extremer Ver­spä­tung bei mir ein­traf. Der Kauf­preis beträgt 69 Franken. Nun hat der Verkäufer ohne vorherige Mah­nung gle­ich ein Inkas­sobüro eingeschal­tet, das zusät­zlich 30 Franken Mahn­spe­sen und 50 Franken Ver­spä­tungss­chaden von mir fordert. Sind diese Zuschläge berechtigt?

ANTWORT | Nein, ver­mut­lich nicht. Grund­sät­zlich ist zu sagen, dass eine Mah­nung nicht nötig ist, wenn die Zahlungs­frist schon im Ver­trag genau fest­gelegt wurde.

Wenn die zur Zahlung verpflichtete Ver­tragspartei von Anfang an weiss, bis wann sie zahlen muss, ist das Ver­schick­en ein­er Mah­nung reine Kulanz. Die zur Zahlung verpflichtete Partei gerät bei Aus­bleiben ihrer Zahlung automa­tisch in Verzug und schuldet ins­beson­dere Verzugszins, der in der Regel fünf Prozent beträgt.

Dem Gläu­biger ste­ht es frei, ein Inkas­sobüro für die Ein­forderung der Zahlung einzuschal­ten. Er muss die dadurch entste­hen­den Kosten jedoch selb­st übernehmen. Nur allfäl­lige Betrei­bungs- oder Gerichts­ge­bühren gehen zu Ihren Las­ten, wenn die Forderung berechtigt ist.

Ob Sie zu spät bezahlt haben und Mahn­spe­sen schulden hängt somit von ihrer ver­traglichen Vere­in­barung mit dem Verkäufer ab. Ist nichts geregelt, ist die Mah­nung kosten­los und Sie befan­den sich bei Erhalt der Mah­nung noch gar nicht im Verzug.

Sie schulden deshalb auch keinen Verzugszins oder weit­erge­hen­den Schaden. Informieren Sie das Inkas­sobüro entsprechend schriftlich und über­weisen Sie den vere­in­barten Kauf­preis ohne Spe­sen und Schaden­er­satz.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mar­i­anne Wehrli, Recht­san­wältin, Lau­ren­zen­vorstadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch