Mari­anne Wehrli, LL.M Rechts­an­wältin

Sind Zuschläge vom Inkas­so­büro berech­tigt?

Von | 19. Dezember 2017 | Rat­geber Recht

FRAGE | Wäh­rend einer schwie­rigen Lebens­phase gerieten mir einige Rech­nungen «unters Eis» und blieben unbe­zahlt. Einer der Gläu­biger hat nun ein Inkassobüro ein­ge­schaltet, das mir eine Zah­lungs­auf­for­de­rung einer­seits und eine Zah­lungs­ver­ein­ba­rung ande­rer­seits zuge­schickt hat. Der ursprünglich geschul­dete Betrag hat sich wegen Gebühren für eine «Adress­ve­ri­fi­ka­tion» und einen «Ver­zugs­schaden» ver­dop­pelt. Ich möchte meine ursprüngliche Rech­nung beglei­chen. Muss ich die Zusatzgebühren auch übernehmen?

ANTWORTNein. Zunächst dürfen Sie gegenüber dem Inkassobüro in keinem Fall eine «Zah­lungs­ver­ein­ba­rung» oder ein anderes Doku­ment unter­zeichnen, auf dem ein For­de­rungs­be­trag genannt ist, den Sie nicht restlos akzep­tieren. Sonst würden Sie eine soge­nannte Schuld­an­er­ken­nung unter­schreiben und den fal­schen Rech­nungs­be­trag dadurch bestä­tigen. Pau­schale Mahn­spesen schulden Sie nur, wenn solche mit dem Gläu­biger bei Ver­trags­schluss ausdrücklich ver­ein­bart wurden. Ist dies nicht der Fall, darf der Gläu­biger für die Ver­spä­tung nur einen Ver­zugs­zins von 5 % for­dern.

Ein höherer Zins müsste ver­trag­lich ver­ein­bart worden sein. Der Ver­zugs­zins soll die üblichen Mahn­spesen zum Bei­spiel für Por­to­kosten abde­cken. Erleidet der Gläu­biger durch die Zah­lungs­ver­spä­tung einen grös­seren Schaden, darf er den Schuldner zwar dafür haftbar machen.

Dies wäre zum Bei­spiel der Fall, wenn der Gläu­biger wegen der aus­ge­blie­benen Zah­lung selbst einen Kredit mit höherem Zins auf­nehmen müsste. Der Gläu­biger muss einen sol­chen Schaden belegen und im Bestrei­tungs­fall vor Gericht nach­weisen. In Ihrem Fall gibt es keinen sol­chen Ver­zugs­schaden, denn das Honorar des Inkassobüros muss vom Gläu­biger bezahlt werden. Über­weisen Sie also den ursprünglich geschul­deten Rech­nungs­be­trag zuzüglich 5 % Ver­zugs­zins ab Fäl­lig­keit der Rech­nung bis zu Ihrer Zah­lung.

Rechts­fragen können gestellt werden an:

Mari­anne Wehrli, Rechts­an­wältin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch