«Das Wasser im Aargau ist Gold wert»

«Das Wasser im Aargau ist Gold wert» | Der Landanzeiger

Auf den ersten Blick scheinen 1000 Hektaren (2000 Fussballfelder) sehr viel, die in den nächsten 20 Jahren im Kanton Aargau als Feuchtgebiete geschützt, respektive wiederhergestellt werden sollen.
Auf der anderen Seite steht diese Zahl: 14’000 Hektaren (28’000 Fussballfelder). Das ist die Fläche, die im Kanton Aargau an Feuchtgebieten verloren gegangen ist.
Der Kanton hat jüngst festgestellt, dass die verbliebenen Restflächen an Feuchtgebieten nicht ausreichen, um die Biodiversität dieser Lebensräume erhalten zu können. Die Ökosystemleistungen funktionieren nicht mehr in genügender Qualität und Quantität. Der Handlungsbedarf ist gross und eine Trendwende dringlich.

Aus diesem Grund hat Pro Natura Aargau im «Wasserkanton» eine Initiative lanciert, die folgende Ergänzung im Paragraph 42 der Verfassung des Kantons Aargau fordert:
Umweltschutz – a) Allgemeines
6. Kanton und Gemeinden sorgen zum Schutz und zur Vernetzung des Lebensraums Wasser dafür, dass innert zwanzig Jahren nach Inkrafttreten dieser Verfassungsbestimmung die zur Sicherung und Stärkung der Biodiversität erforderlichen Feuchtgebietsflächen geschaffen werden.

Über die beeindruckende Länge von 3000 Kilometern Gewässer verfügt der Aargau und ist nach Ansicht von Matthias Betsche, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau geradezu prädestiniert, in dieser Sache eine tragende Rolle zu übernehmen. «Die Initiative kommt zur richtigen Zeit», sagt er, während er im Tannacherbach in Muhen nach Bachflohkrebsen Ausschau hält. In einem Sieb zappeln einige Tierchen, die sofort wieder freigelassen werden. «Die Krebse sind ein Zeichen für sauberes Wasser, diesem Bach geht es gut», freut sich Betsche.

Feuchtgebiete sind Kühlanlagen
Der Tannacherbach ist ein typischer Wiesenbach, der seinen Ursprung in der Chrumbweid und im Rütisgrabe, weit oben im Wald, findet. «Im Verlauf der Jahre wurde er zu Gunsten der Landwirtschaft, aber auch im Siedlungsgebiet kanalisiert und eingedolt. Nur an wenigen Stellen kommt er ans Tageslicht. Wo das Wasser sichtbar fliesst, bietet es zahlreichen Lebewesen Unterschlupf, Nahrung, Schutz und Kühlung, auch den Menschen», wie Betsche unterstreicht. «In dicht besiedelten Räumen wirken Gewässer wie eine Kühlanlage. Im Idealfall bestehen vom Hauptgewässer aus keine Hindernisse für wandernde Tiere. Wo das Wasser auf Wiesen und Feldern an der Oberfläche fliessen kann, entstehen auch Feuchtgebiete, die für Amphibien, Vögel und Insekten wichtig sind. Es entsteht ein Wasserspeicher, der den steigenden Bedarf nach Wasser deckt. Feuchtgebiete bieten auch einen natürlichen Schutz gegen Hochwasser, indem sie das Wasser wie ein Schwamm aufnehmen.»

Eigentlich würden mit der Initiative alle gewinnen, ist Betsche überzeugt, «denn das Wasser ist Gold wert». Doch es gibt auch Gegenwind. Der Bauernverband Aargau sagt, die Landwirte würden heute schon jährlich 400 Hektaren Biodiversitätsfläche schaffen und sieht den Handlungsbedarf eher im Siedlungsgebiet. In den Gemeinden muss jedoch verdichtet gebaut werden, weshalb es für Gewässer sehr eng wird. Matthias Betsche ist überzeugt, dass mit dem Zustandekommen und der Annahme der Initiative nicht neue Zwänge entstehen, sondern der Dialog gefördert wird. «Der Handlungsbedarf für die Umwelt und gegen die Klimaerwärmung ist unbestritten und wir schaffen ein Instrument, um für alle Beteiligten einen Kompromiss zu finden.» Statt viel Steuergeld in die Erneuerung von veralteten Entwässerungsanlagen zu investieren, um Feuchtgebiete trockenzulegen, unterstützen wir besser die Landwirte, die eine auf Feuchtgebiete angepasste Landwirtschaft betreiben. Mit der Wiederherstellung von Feuchtgebieten profitieren Mensch und Natur.»

Unterschriftensammlung läuft
Auch hier kann der Tannacherbach in Muhen als Beispiel herangezogen werden: Während weiter oben im Tal Potential bestünde, bereits bestehenden Feuchtgebiete durch Offenlegungen mehr Platz zu gewähren, habe sich da, wo der Bach frei fliesst, ein prächtiger Lebensraum entwickelt, der unbedingt bestehen bleiben muss. Da wo der Bach im Loch verschwindet, haben Planer die Pflicht, den Bachlauf in neue Projekte miteinzubeziehen und den Menschen im Siedlungsraum die Natur wieder etwas zurückzubringen. Die Unterschriftensammlung laufe gut, hält der Geschäftsführer der Pro Natura fest. Gut die Hälfte der 3000 nötigen Unterschriften wurden im ersten Monat bereits gesammelt.

Die Homepage kann auch Ukrainisch

Die Homepage kann auch Ukrainisch | Der Landanzeiger

Gegen 60 Personen trafen sich vergangene Woche im Kirchensaal zum zweiten Infoabend zum Thema «Flüchtlinge in Muhen». Sich untereinander vernetzen und Gruppen bilden stand im Zentrum. Auch die 34 ukrainischen Flüchtlinge waren eingeladen. Der für das Asylwesen zuständige Gemeinderat Raphael Levy führte durch den Abend, ihm zur Seite stand Yuri, der auf Ukrainisch übersetzte. Auch die Gemeinderäte Hanspeter Brunner und Gertrud Jost waren vor Ort, sowie Integrationsfachfrau Tamasha Bühler von der regionalen Integrationsfachstelle RIF in Aarau.

Am ersten Infoanlass vom 5. April zeigte sich, dass in Muhen drei Menschen wohnen, welche Ukrainisch sprechen. Sie leisten seitdem einen wertvollen Beitrag, um die Sprachhürden zu überwinden. Zudem meldete sich an jenem 5. April Cristina Hunger, die sich als IT-Spezialistin bereit erklärte, eine Homepage zu erstellen. Nun präsentierte sie das Ergebnis: www.fluechtlingshilfe-muhen.ch bietet Informationen für Flüchtlinge und Einheimische. Auf einer Pinnwand werden Dinge und Dienstleistungen von Kinderturnkleidern bis zum Velo angeboten und auch die Flüchtlinge können ihre dringend benötigten Dinge ganz einfach und in ihrer Sprache eintragen. Auf diese Weise können alle im Dorf auf unkomplizierte Art direkt und konkret helfen. Die Homepage bietet allgemeine Informationen, wichtige Adressen und auch Veranstaltungen, die in Zukunft speziell für die ukrainischen und anderen Flüchtlinge aus Muhen organisiert werden. Mit einem Klick auf die ukrainische Flagge wechselt die Sprache.

Regelmässiger Flüchtlings-Treff in der Hoperia
Auch zwei Whatsapp-Gruppen laufen bereits, wie Andreas Siegrist erklärte. Eine für Muhens Flüchtlinge auf Ukrainisch, eine für Helfer auf Deutsch. Andreas Siegrist vertritt die Hoperia, wo seit dieser Woche ein Flüchtlings-Treffpunkt ein- oder zweimal die Woche offen sein wird. Die Hoperia befindet sich im ehemaligen Gasthof Waldeck.

Kochen in der Kirche
Die Bildung von Gruppen stand im Zentrum. Freiwillige Helferinnen und Helfer trugen sich in Listen ein, um in Teams mitzuarbeiten, welche beispielsweise ein- oder zweimal die Woche in der Kirche mit den Flüchtlingen kochen, um Spielgruppen zu betreuen, Deutschunterricht zu erteilen, im Alltag bei der Betreuung zu helfen, oder im Hoperia-Treff mitzuhelfen. «Wir legen los», erklärt Raphael Levy, «die Gruppen haben heute auch ihr Startdatum festgelegt.»

Saisonstart bei Alfremo

Saisonstart bei Alfremo | Der Landanzeiger

Der Start in die Zweiradsaison wird bei Alfremo Bike am 19. und 20. März gefeiert. Das Müheler Fachgeschäft kann bei dieser Gelegenheit eine Neuheit präsentieren: Alfremo ist nun auch ein Motorrad-Händler. Von der italienischen Marke Fantic hat Alfremo die ganze Palette im Angebot, vom E-Bike bis zum 500er-Motorrad.

Das verjüngte Team von Alfremo Bike startet voll motiviert und mit einem zweitägigen «Season Opening»-Fest in die Saison. Im Zentrum steht die Präsentation ihrer neuen Marke Fantic. «Vom italienischen Hersteller, der auch hier viele Fans hat, können wir die gesamte Produktepalette anbieten», sagt Cyril Renner. Von Fantic gibt es bei Alfremo vom E-Bike bis zum 500er-Motorrad alles. Auch wenn Alfremo neu und offiziell auch Motorrad-Händler ist: Natürlich gibt es im traditionellen Zweirad-Fachgeschäft auch weiterhin Bikes mit und ohne Strom, Mofas und Roller. Alfremo setzt weiterhin auf die bewährten Marken Flyer, Wheeler, Bixs, Mustang, Puky und Creme.

Allerdings spürt auch Alfremo das weltweite Lieferketten-Problem. Nicht alles, was bestellt wurde, schafft es derzeit bis nach Muhen. «Es klemmt derzeit in China und wir erhalten nur wenig Nachschub an Fahrrädern und Kinderfahrrädern» erklären die beiden Alfremo-Chefs, Inhaberin Diana Müller und Geschäftsführer Cyril Renner. Sie betonen jedoch: «Die gute Nachricht ist: wir haben trotzdem noch jede Menge Velos!»

Projekt: Suhre soll auf einer Länge von 500 Metern renaturiert werden

Projekt: Suhre soll auf einer Länge von 500 Metern renaturiert werden | Der Landanzeiger

Im Norden von Muhen sollen Restbestandteile des ehemaligen Kleinwasserkraftwerks entfernt und die Längsvernetzung der Suhre wiederhergestellt werden. Hinter der recht simplen Beschreibung in der heute im Landanzeiger publizierten Auflage des Kantons Aargau steckt ein komplexes Projekt, welches der Suhre wieder mehr Platz geben soll.

Vom Wasserkraftwerk Muhen, für das 1905 eine erste Konzession erteilt wurde, ist heute nicht mehr viel zu sehen. Eine durch Betonbauten kanalisierte Suhre zwingen das Gewässer in ein enges Korsett. Der Wildwuchs darum herum zeugt von der Ewigkeit, in der das Bauwerk zurückgelassen wurde. Nun will der Kanton Aargau die Restbestandteile entfernen und den Flusslauf revitalisieren. Dadurch wird die so genannte «Längsvernetzung» wiederhergestellt. «Fliessgewässer sind vergleichbar mit Wildkorridoren», sagt Projektleiterin Sabin Nater von der Abteilung Landschaft und Gewässer beim Kanton. «Sind sie verbaut, werden der Lebensraum und die Fortpflanzung von Fischen und anderen Wassertieren stark eingeschränkt».

Mit dem Rückbau ist es aber noch nicht getan. Die Projektauflage zum «Wasserrecht Nr. 52» sieht eine umfangreiche Revitalisierung des Gewässerraums auf einer Länge von rund 500 Metern zwischen der Hüslimatt und der Chäälematt/Obereich bis zur Fabrikstrasse vor, wie die Ingenieurin weiter erklärt: «In einem 30 bis 40 Meter breiten Korridor soll sich die Suhre, ähnlich ihrer ursprünglichen Weise, durch den neu gestalteten Raum schlängeln. Der Kraftwerkkanal unter der Autobahn bleibt bestehen und wird zum Kleintierdurchlass umgestaltet.» Eine neue Fussweg-Brücke, ein Trampelpfad innerhalb des Gewässerraums und ein weiterer Zugang an die Suhre sollen den Lebensraum auch für die Menschen zugänglich machen.

Projekt: Suhre soll auf einer Länge von 500 Metern renaturiert werden | Der Landanzeiger
1905 wurde erstmals eine Betriebsbewilligung für das Wasserkraftwerk in Muhen ausgestellt. Zum Ende des letzten Jahrhunderts wurde es stillgelegt. 2023 sollen die Restbauten verschwinden.

Gemeinde Muhen profitiert
Die Kosten für das eigentliche Bauprojekt belaufen sich auf 1,5 Millionen Franken. Dazu kommen Projektierungskosten und Ausgaben für den nötigen Landerwerb. Zahlungspflichtig sind grundsätzlich Bund und Kanton, wobei ein namhafter Betrag von einem Fonds gesprochen wurde, der von Aargauer Wasserwerkbetreibern für Revitalisierungen geschaffen wurde. Nur marginal an die Kasse gebeten wird die Gemeinde Muhen. Grundsätzlich müssen sich Gemeinden an den Kosten beteiligen, wenn sie von der Revitalisierung profitieren. In diesem Fall hebt der Kanton jedoch eine Verbauung auf, um deren Rückbau er sich schon sehr lange hätte kümmern müssen.

Konzessioniert wurde die Anlage in Muhen 1905 für die E. Knoblauch, Kartonfabrik Oberentfelden, ehe die Bewilligung 1919 der Karton und Papier AG, Muhen übertragen wurde. 1985 wechselten der Konzessionsbesitzer abermals, nämlich zur IC Immobilien und Verwaltungs AG, Oberentfelden. Die Anlage blieb noch bis zur Jahrtausendwende in Betrieb. Danach ist in den Dokumenten eine I. & R. Kasper AG, Verwaltung & Design, Boniswi als Konzessionsinhaberin eingetragen.

Projekt: Suhre soll auf einer Länge von 500 Metern renaturiert werden | Der Landanzeiger
Das Kraftwerk befindet sich ein paar Meter neben der Autobahn A1.

Eniwa-Pläne wurden versenkt
Steigende Anforderungen an die Naturverträglichkeit und das Kosten-Nutzenverhältnis machen die Stromproduktion an Fliessgewässern zunehmend unattraktiv. Tatsächlich lohnen sich Anlagen nur dank grosszügiger Subventionen. Die Pläne der Eniwa AG (damals noch IBAarau), die 2017 in Buchs und Suhr fünf Wasserkraftwerke bauen wollte, wurden aus Kostengründen versenkt.

Damit bleiben die beiden Anlagen in Hirschthal und Schöftland die einzigen Stromlieferanten in der Suhre. Auch das Wasserwirbelkraftwerk Schöftland existiert nicht mehr. Einst als Pionierbauwerk mit viel Tamtam eingeweiht, wurde die private Anlage wegen einem Konkurs und mangelnder Effizienz wieder zurückgebaut. Auch ökologisch stehen die Kraftwerke immer wieder in der Kritik. 2017 nannte die Wasser Fisch Natur AG in einer vom Kanton in Auftrag gegebenen Studie die Fischdurchgängigkeit des Kraftwerks in Hirschthal «gesamthaft ungenügend». Der Tadel wurde von der Eigentümerin Pfiffner Messwandler vor gut einem Jahr behoben. Das inzwischen zurückgebaute Wasserwirbelkraftwerk in Schöftland erhielt im gleichen Bericht übrigens eine vernichtende Beurteilung, wogegen die Wasserschnecke in Schöftland (gehört der Gemeinde) da noch nicht in Betrieb war.

Gespräche haben stattgefunden
Zurück nach Muhen. Die öffentliche Auflage dauert vom 31. Januar bis und mit 2. März 2022. Das Projekt liegt beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt und bei der Gemeindeverwaltung Muhen auf. Vom Eingriff direkt betroffen sind eine Handvoll Grundeigentümer, mit denen der Kanton bereits umfassende Gespräche geführt hat. Renaturierungen sind bei Landbesitzern nicht immer beliebt, das weiss auch Umwelt-Ingenieurin Sabin Nater: «Der Verlauf der Suhre war früher in diesem Gebiet leicht mäandrierend und hat wesentlich mehr Raum eingenommen als heute. Ziel des Projektes ist es, mit einem genügenden Gewässerraum der Suhre wieder die Möglichkeit zu geben, sich als struktur- und artenreicher Lebensraum auf diesem Abschnitt entfalten zu können.»

Ganz zurück in den Ursprungszustand lassen sich Flussläufe in den meisten Fällen nicht mehr versetzen und das sei auch nicht verhältnismässig, ergänzt Nater. «Mit dem Suhreprojekt wurde ein guter Mittelweg gefunden», ist sie jedoch überzeugt. Läuft alles nach Plan und gibt es keine Einwendungen, können die Bauarbeiten voraussichtlich im Sommer 2023 starten.

Susanne Dedecke kandidiert

Susanne Dedecke GLP Bezirk Aarau | Der Landanzeiger

Am 28. November stimmen die Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks Aarau über einen nachzubesetzenden Sitz im Bezirksschulrat ab. Susanne Dedecke (47) aus Muhen kandidiert für diesen Sitz. Die Mutter eines 10-jährigen Primarschülers bringt die besten Voraussetzungen mit, denn die Schlichtung bei Beschwerden ist eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Das neutrale Verarbeiten von Informationen und Fakten, das Anhören und Zuhören erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Dies gelinge, so Dedecke, nur »mit konstruktiven und innovativen Ideen».

Ihre langjährige und vielseitige Arbeitserfahrung als berufstätige Mutter eines Schulkindes in der pharmazeutischen Industrie, im Klinik- und Hochschul-Betrieb verschafft Dedecke die vielseitige Kompetenz, die es für die lösungsorientierte Schlichtung beispielsweise von Laufbahnentscheidungen benötigt. »Mit unserem durchlässigen Weiterbildungssystem und der engen Verknüpfung von Praxis und Theorie bieten wir den jungen Menschen besonders spannende und zukunftsfähige Möglichkeiten», so Dedecke. Sie sieht der Wahl optimistisch entgegen. Sie würde sich freuen, ihren Elan der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen und im Bezirksschulrat Verantwortung zu übernehmen.

Mit der Abschaffung der Schulpflege im Aargau, die am 1. Januar 2022 in Kraft tritt, erhält der Bezirksschulrat eine neue Bedeutung. Denn die Gemeinderäte übernehmen die Aufgaben der Schulpflege ab dem 1. Januar. Der Schulrat des Bezirks überwacht die Kindergärten und Volksschulen, begutachtet die Einrichtung neuer Schulen und fördert die Zusammenarbeit der Gemeinden. Zudem behebt er Konflikte zwischen Schulbehörden und Lehrpersonen. Er agiert als Beschwerdeinstanz gegen Gemeindeentscheide bei der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und Schulen.

Zuerst aber steht für Dedeckes Sohn am Nationalen Zukunftstag eine spannende Herausforderung an: er gibt – gecoacht von der Pädagogischen Hochschule – im Rahmen eines Projektes zum Thema «Seitenwechsel» eine Unterrichtsstunde an der Primarschule. Auch er freut sich sehr auf diese Herausforderung!

Mehr zu Susanne Dedecke und ihrem politischen Programm erhalten Sie auf ihrer Webseite: Webseite Susanne Dedecke aufrufen.

Metzger-Schweizermeisterschaft: 18 Produkte, 18 Medaillen für die Metzgerei Berchtold

Metzger-Schweizermeisterschaft | Der Landanzeiger

Ob das eine andere Metzgerei noch toppen kann? Zum zweiten Mal hintereinander hat die Metzgerei Berchtold in Muhen an der «Schweizermeisterschaft» der Metzgereien gross abgeräumt. Sie hat mit allen 18 Produkten, die sie eingereicht hat, eine Medaille geholt. Nicht weniger als 15 Mal gab es sogar Gold.

Alle zwei Jahre bewertet der Schweizer Fleisch-Fachverband in einem grossen, nationalen Qualitätswettbewerb die Leistungen der Schweizer Metzgereibetriebe. Schon vor zwei Jahren hatte die Metzgerei Berchtold in Muhen mit allen Produkten eine Medaille gewonnen. Deshalb fragte man sich natürlich, ob der Betrieb diesen herausragenden Erfolg würde wiederholen können. Sie konnte. Und wie: Dieses Mal gab es bei 18 eingereichten Produkten gar 15 Mal Gold. Und wiederum für alle Fleischwaren eine Medaille. Dabei war die Konkurrenz noch grösser als vor zwei Jahren: dieses Mal wurden von 140 Metzgereien gar 834 Produkte eingereicht.

15 Gold, 2 Silber, 1 Bronze
15-mal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze – diese Dichte und Menge an qualitativ hochstehenden Fleischwaren brachten dieses Jahr fast nur noch Grossbetriebe hin. Offenbar spielt es gar keine Rolle, welche Produkte die Berchtold Fleisch AG einreicht, sie ist auf Spitzenplätze abonniert. Sei es die Salami aus reinem Rindsfleisch, die Rollschinkli, der Müheler Rohschinken oder der luftgetrocknete Speck, seien es Eigenkreationen wie die Whisky-Rauchwurst, die Rüeblibratwurst oder der Haussalami – die Goldmedaille ist dem Familienbetrieb Berchtold praktisch sicher.

Natürlich steht auch hier hinter diesem Erfolg ein motiviertes, qualitätsbewusstes Team. 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich heute für die Güte der Produkte ein. «Ohne das Engagement unserer Mitarbeitenden wäre eine solche Leistung gar nicht möglich», weiss Daniel Berchtold. Den ersten (und vielleicht wichtigsten) Baustein für die vielen Goldmedaillen aber legen die Dutzenden von Bauern aus der Region, die das hochstehende Fleisch für all die Würste, Schinken, Mostbröckli oder Plätzli liefern. «Die Qualität ihrer Arbeit spiegelt sich in unserem Erfolg», sagt Daniel Berchtold.

Die Arbeit der Jury des Fleisch-Fachverbandes ist übrigens anonym und sehr aufwendig. Zwei voneinander unabhängige Teams testen die Fleischwaren auf Herz und Nieren. Heisst: auf Aussehen, Verarbeitung, Geschmack und Geruch. Wenn Fleischliebhaber aus der Region die Metzgerei Berchtold mal auf die Probe stellen wollen: Die Festtage kommen bald und die Familie Berchtold freut sich auf Bestellungen!

Berchtold Fleisch AG

Hauptstrasse 36
5037 Muhen
Telefon 062 723 24 30
www.metzgerei-berchtold.ch

Metzger-Schweizermeisterschaft | Der Landanzeiger

Wechsel vom Vater zum Sohn

Wechsel vom Vater zum Sohn | Der Landanzeiger

Die Papeterie und Foto Dietiker AG an der Hauptstrasse in Muhen hat einen neuen Geschäftsführer: Christian Dietiker übernimmt das beliebte Geschäft von seinem Vater Hanspeter. «Ein Glücksfall», freut sich dieser. Was so einfach klingt, war alles andere als selbstverständlich, denn der heute 36-jährige Sohn arbeitet erst seit wenigen Jahren im Betrieb seines Vaters.

Hanspeter Dietiker ist glücklich, dass er sein Lebenswerk dem Sohn weitergeben kann. «Damit habe ich nicht gerechnet», erklärt er. Denn sein Sohn Christian hatte viele Jahre lang ganz andere berufliche Pläne, begann als Sportartikelverkäufer, arbeitete für verschiedene grössere Händler und machte Karriere. Erfüllend und glücklich war Christian Dietiker mit seiner beruflichen Laufbahn allerdings nicht. Eine Neuorientierung und Ratschläge aus seinem Freundeskreis brachten ihn schliesslich in den elterlichen Betrieb. «Vor rund sieben Jahren stieg er bei mir ein, begann eine Ausbildung als Papeterist und lernte alles über die Fotografie», erzählt Hanspeter Dietiker, der nebst seiner Rolle als Vater plötzlich auch «Chef» seines Sohnes wurde. «Wir haben es gut miteinander – hatten wir immer schon!», erklärt der Vater.

Fotografie mit Herzblut
Schon als Kind nahm er seinen Sohn mit auf Hochzeiten zum Fotografieren. Denn Foto Dietiker ist seit jeher und bis heute bekannt für wunderschöne Hochzeitsreportagen. Hanspeter Dietiker schätzt, dass er in seiner Laufbahn rund 300 Hochzeitsfotobücher produziert hat.

Ohne Zweifel, in der Fotografie steckt sein Herzblut. Seit er 18-jährig ist, fotografiert der gebürtige Müheler leidenschaftlich. Ähnlich wie später bei seinem Sohn, nahm auch seine berufliche Biografie einen Umweg. Sie begann mit einer Lehre als Lebensmittelverkäufer. «Nachdem gleich zwei meiner Vorgesetzten durch gesundheitliche Schicksalsschläge ausfielen, fand ich, dieser Job ist längerfristig nicht gesund», erzählt Hanspeter Dietiker. Er stieg aus, machte sich selbständig und richtete in Untermuhen ein kleines aber feines Fotostudio ein. Im Jahr 1984 bot sich ihm die Chance, das Geschäft an der Hauptstrasse 55 zu übernehmen, wo vormals der Denner beheimatet war – und noch früher die Bäckerei Aeberhard. «Das Jahr 1984 war auch sonst speziell, weil ich da nicht nur mein Geschäft eröffnet haben, wir haben auch geheiratet – und unser Sohn Christian war da auch schon unterwegs», erklärt Hanspeter Dietiker. Seine Frau Lisa führte ein paar hundert Meter weiter jahrelang den Coiffeursalon Lisa.

Zweites Standbein Papeterie
Mit der Eröffnung im Jahr 1984 wurde Dietikers Fotogeschäft durch eine Papeterie ergänzt. Nach einem Umbau 1995 konnte das Schreibwaren-Sortiment vergrössert werden. «Dass wir ein zweites Standbein haben, hat sich in all den Jahren bewährt», erklärt Hanspeter Dietiker. Mal boomte die eine Branche, mal kriselte die andere. «Wir hatten gute Jahre mit der Fotografie», erzählt Dietiker. Kunden aus nah und fern liessen bei ihm ihre Filme entwickeln. Das Geschäft lief gut, bis die digitalen Fotoapparate vor rund 20 Jahren auf den Markt kamen. Heute ist Dietikers Fotostudio nach wie vor sehr gefragt, zum Beispiel für Einzel-, Paar, oder Familien-Portraitbilder, Industriefotografie und Bildrahmungen. Geblieben ist die Hochzeitsfotografie.

Wechsel vom Vater zum Sohn | Der Landanzeiger
Hanspeter Dietiker im Jahr 1995, als sein Geschäft im grösseren Stil umgebaut und erweitert wurde.

In Zukunft wird Christian Dietiker die Brautpaare ins schönste Licht rücken. Als neuer Geschäftsführer der Papeterie und Foto Dietiker AG wird er das bewährte neunköpfige Team führen. Hanspeter Dietiker wird sich immer mehr aus dem Geschäftsleben zurückziehen. Jedenfalls hat er dies vor.

Papeterie und Foto Dietiker AG

Hauptstrasse 55
5037 Muhen
Telefon 062 723 15 85
pap.foto.dietiker@bluewin.ch
www.papeterie-dietiker.ch

«Muhen soll eine echte Auswahl haben»

«Muhen soll eine echte Auswahl haben» | Der Landanzeiger

In Muhen treten alle fünf bisherigen Gemeinderäte zu den Gemeinderatswahlen wieder an. Nun wird es am 26. September dennoch einen Wahlkampf geben: Die FDP schickt gleich zwei Kandidaten ins Rennen. Im Interview nennen Nils Hunziker und Simon Pfister ihre Gründe, Absichten und Ziele Ihrer Kandidatur.

Landanzeiger: Was hat die FDP Muhen veranlasst, gegen den bisherigen Gemeinderat anzutreten und dann auch noch mit zwei Kandidaten?
Simon Pfister: Ich glaube, es ist eher als ein Angebot zu verstehen, mit welchem man den Wählerinnen und Wählern eine weitere Option anbieten möchte. Immerhin verfügt die FDP in Muhen über einen Wähleranteil von rund 17%. Wir als FDP möchten im Gemeinderat angemessen vertreten sein und Einfluss auf die Kommunalpolitik nehmen. Dabei sind wir überzeugt, dass wir als starkes Team den Gemeinderat gewinnbringend unterstützen können.
Nils Hunziker: Unsere Basis ist überzeugt, dass wir aufgrund unseres Wähleranteils im Gemeinderat angemessen vertreten sein sollten. Wir haben von der Mitgliederversammlung den klaren Auftrag erhalten, mit mindestens zwei Kandidatinnen oder Kandidaten anzutreten. Wir sind motiviert Veränderungen zu schaffen für die Mühelerinnen und Müheler. Gemeinsam weiterkommen, lösungsorientiert zu handeln, nicht nur Symptome zu bekämpfen, bodenständig, liberal und klar.

Landanzeiger: Im fünfköpfigen Gemeinderat besetzt die SVP aktuell drei Sitze. Zielen Sie mit Ihrer Doppelkandidatur auf die SVP, oder haben Sie genau das Gegenteil vor und streben zusammen mit der SVP eine rechtsbürgerliche Mehrheit an, indem Sie den parteilosen Raphael Levy und Hanspeter Brunner von den Grünen angreifen?
Nils Hunziker: Wir greifen niemanden an. Die Mühelerinnen und Müheler sollen eine echte Auswahl erhalten, wen Sie die nächsten vier Jahre lang im Gemeinderat sehen möchten, uns würde es freuen, zusammen gewählt zu werden. Wir sind ein starkes Team.
Simon Pfister: Das sehe ich auch so. Hier geht es nicht um einen Angriff oder um eine Urteilung von Leistungen der bestehenden Gemeinderäte. Zusammen mit den Mitgliedern der Partei erachten wir es aber als legitim, die FDP ins Rennen zu schicken, um so den Wählerinnen und Wählern eine Alternative anbieten zu können. Schlussendlich ist es die Bevölkerung von Muhen, welche am Wahltag den Polit-Rahmen vorgibt. Wir wollen diese Chance nutzen und zu Gunsten von Mühelerinnen und Mühelern die Zukunft der Gemeinde aktiv mitgestalten.

Landanzeiger: Was wäre, wenn die aus Ihrer Sicht «falschen» Bisherigen abgewählt würden?
Simon Pfister: Wir sind der Überzeugung, dass der Freisinn und Liberalismus in den Gemeinderat gehört und streben dabei ein «Miteinander» an, egal welche weiteren Parteien im Gemeinderat vertreten sind.
Nils Hunziker: Das spielt auch für mich keine Rolle. Ich bin überzeugt, dass die FDP in den Gemeinderat Muhen gehört mit zwei Sitzen.

Landanzeiger: Was möchten Sie persönlich im Gemeinderat bewegen, was ist Ihr wichtigstes Anliegen?
Nils Hunziker: Im Gemeinderat geht es meiner Auffassung nach um die Arbeit für das Wohl der Mühelerinnen und Müheler. Einige Anliegen liegen mir dabei natürlich näher als andere. Beispielsweise mittelfristig einen tieferen Steuerfuss. Auch eine respektvolle und auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist mir ein Anliegen. Weiter würde ich mich im Gemeinderat dafür einsetzen, dass die Bauverwaltung und das Gewerbe die notwendige, fehlende Unterstützung erhalten. Als möglicher Gemeinderat möchte ich den Mühelerinnen und Müheler nahestehen und aus erster Hand hören und spüren, «wo’s chlemmt». Wir sind «Ein Dorf». Wir werden den Mühelerinnen und Müheler Möglichkeiten bieten, uns besser kennen zu lernen.
Simon Pfister: Mein Hauptanliegen ist es, den Gemeinsinn und die Freisinnig-Liberalen Werte zu vertreten. Fairness und Respekt wahren, die Anliegen der Bevölkerung zeitnahe aufnehmen und geeignete Lösungen finden. Mit meinem persönlichen Engagement will ich der Gemeinde etwas zurückgeben und dazu beitragen, dass Muhen auch in den nächsten Jahren auf einer gesunden Basis steht.


Steckbrief Nils Hunziker
Name: Nils Hunziker
Jahrgang: 1978
Beruf: Zweigstellenleiter Bohr- und Betontrenntechnik, Rückbau
Familie: Verheiratet mit Sandra Hunziker Lämmli, Kinder: Kim Lea, Kelly Lisa, Kaja Leona

In Muhen wohnhaft seit: 2004
Freizeit/Vereine: Tennisclub Muhen, Meine Familie, Einachser Ausfahrten/ Treffen
Motto: Mit Leidenschaft und Herzblut ist nichts unmöglich, sei einfach, sei direkt, sei bescheiden

Steckbrief Simon Pfister
Name: Simon Pfister
Jahrgang: 1978
Beruf: Produktemanager
Familie: Verheiratet mit Cornelia Pfister, Kinder: Vivien und Tia

In Muhen wohnhaft seit: 2011
Freizeit/Vereine: Familie, Freunde, Jodlerchörli Suhrental, Turnverein Muhen, Kino, Gesellschaft, Natur, Kochen, Offiziersgesellschaft


Muhen atmet auf: «Hochwasserschutz hat einmal mehr funktioniert»

Muhen atmet auf | Der Landanzeiger

Trotz vielfach bewährtem Hochwasserschutz musste in Muhen vergangene Woche die Feuerwehr vereinzelt Keller auspumpen. Drohnenbilder zeigen eindrückliche Bilder. Bange Anwohner fragen: Muss man beim Hochwasserschutz nachbessern? «Nein, der Hochwasserschutz hat einmal mehr planmässig funktioniert», sagen der Feuerwehrkommandant und der Gemeindeammann.

Die Bilder von letzter Woche sind eindrücklich: westlich des Hochwasserdamms, auf dem die WSB zwischen Hirschthal und Obermuhen fährt, fliesst ein breiter brauner Strom. Das ist so geplant. Das ist der Hochwasserschutz von Muhen. Eingeweiht im Dezember 2004 hat er sich seitdem oft bewährt. In Muhen ist man froh und auch stolz auf diesen Schutz. Eine «Entlastungsrinne » leitet einen Teil des Suhre-Hochwassers ab einem gewissen Pegel noch auf Hirschthaler Boden über Kulturland ab und nach dem Gefahrenbereich weiter unten beim Schulhaus wieder in die Suhre ein.

Auch auf der Ostseite des Damms, also entlang des eigentlichen Suhrelaufs, hat die Suhre ihr Bett verlassen und südlich der Kesslerstrasse/Bändeli eine ganze Fläche überschwemmt (Bild Mitte). Ander Kesslerstrasse 1, wo die Suhre unter der ehemaligen Fabrik durchfliesst, staute sich viel Schwemmholz, blockierte den Lauf der Suhre zusätzlich und verschärfte die Situation. Im Erdgeschoss ist das Fotostudio von Hannes Kirchhof. Er liess eine Drohne steigen und verbreitete eindrückliche Bilder auf sozialen Medien. Zwar hat er schon manches Hochwasser erlebt, diesmal aber kam sehr viel Wasser. Schätzungsweise soviel wie 2005, ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Hochwasserschutzes.

Bangen bei den Anwohnern
Hannes Kirchhof und seine Nachbarn erlebten bange Stunden. Die Feuerwehr musste an der Kesslerstrasse/Bändeli einige Keller auspumpen. Unter diesem Eindruck stellte sich bei den Anwohnern die Frage: Muss man in Muhen in Sachen Hochwasserschutz nun über die Bücher? Muss man sogar nachbessern? «Aus Sicht der Feuerwehr hat der Hochwasserschutz auch diesmal funktioniert. Das Wasser der ausgepumpten Keller an der Kesslerstrasse war eindeutig kein Suhrewasser, sondern Grundwasser, von dem wir nicht genau wissen, aus welchem Grundes in die Keller floss», erklärt Dominik Graber, Kommandant der Feuerwehr Entfelden-Muhen.

Auch für Muhens Gemeindeammann Andreas Urech hat der Hochwasserschutz diesmal wieder einwandfrei funktioniert. Die Drohnenbilder von Hannes Kirchhof stimmen nach seinen Aussagen sogar ziemlich exakt mit den im Projekt skizzierten überschwemmbaren Zonen überein. «Wir müssen nicht nachbessern», so das zufriedene Fazit von Andreas Urech.

«Das Leiden hat sich gelohnt»

Das Leiden hat sich gelohnt | Der Landanzeiger

Sie rennen mit dem Neopren-Anzug und der Badekappe durch den Engadiner Lärchenwald und schwimmen mit Turnschuhen an den Füssen durch die sehr kalten Oberengadiner Seen. Die Rede ist von den Teilnehmern des «ÖTILLÖ Swimrun Engadin». Mit dabei auch Lars und Peter Oeschger aus Muhen, die in der Kategorie Sprint Team Herren gewannen.

«Das Rennen ist so kurios, dass es schon wieder gut ist», sagt Peter Oeschger (50) aus Muhen, der erstmals zusammen mit seinem Sohn Lars (13) in der Kategorie Sprint am Start stand. Das Duo, undalleanderen150 Gestarteten, musste 2,2 km schwimmen – aufgeteilt in vier Teilstücke – und 12,9 km rennen – aufgeteilt in fünf Teilstücke. Total 15,1 km und 384Höhenmeter und das auf 1800 Metern über Meer. Die Wassertemperatur im Silvaplaner- und Champfèrer-Seebetrug frische 14 Grad. «Das Einschwimmen bei dieser Kälte war brutal hart», gibt Lars Oeschger zu, der zum ersten Mal an einem Wettkampf in einem See teilnahm. Und auch zum ersten Mal mit Schuhen an den Füssen soweit schwamm.

Am Stammtisch entstanden

Für einmal sind es nicht die Engländer, die eine spezielle Sportart (Bob, Skeleton, Polo und weitere) ins Engadin bringen, sondern die Schweden. Die Rede ist vom «ÖTILLÖ Swimrun» (ÖTILLÖ bedeutet von Insel zu Insel) dem wohl härtesten Ausdauerrennen der Neuzeit. Entstanden 2002 aus einer Stammtischwette, gibt es dieses in Zweierteams oder alleine zu absolvierende Rennen heute in verschiedenen Ländern und als offizielle Weltmeisterschaft in Schweden. Die Originalstrecke geht über 75 km, 10 km davon im Wasser, der Rest wird gelaufen. Die Regeln sind einfach: Sämtliche Ausrüstung muss eigenständig von Start bis ins Ziel gebracht werden. Dies bedeutet, das Schwimmen in Laufschuhen sowie das Laufen in Neoprenanzügen, wobei kleine Schwimmhilfen erlaubt sind. Dazu kommt, dass der Abstand des Zweierteams nie mehr als 10 Meter voneinander betragen darf.

Mit Schwimmanzug auf dem Wanderweg
Peter und Lars Oeschger legten einen fulminanten Start hin und stiegen bereits nach der ersten Schwimmstrecke als erstes Sprint-Team aus dem Wasser. «Auf den Laufstrecken muss man sich wieder aufwärmen, sonst kommt man im kalten Wasser nicht mehr vorwärts »,weiss Peter Oeschger. «Wir wurden mit unseren Schwimmanzügen und Badekappen von den Wanderern und Touristen teilweise sehr komisch angeschaut», sagt Lars Oeschger. Die Rennstrecke führte nicht nur flach den Seen entlang, sondern auch über Skipisten und durch steile Waldabschnitte. Für Vater Oeschger war es bereits die dritte Teilnahme. Jedes Mal verlief die Strecke etwas anders. «Dies mal war es am härtesten», blickt er zurück. Trotzdem liefen er und sein Sohn Lars nach 1.56 Std. als überlegende Sieger der Kategorie Sprint Team Herren ins Ziel. Dort durften sie die Gratulationen von Michael Lemmel, einem der Gründer des «ÖTILLÖ», in Empfang nehmen. Nebst einer Medaille aus Holz, gab es auch ein Siegercouvert. Darin ein Gutschein für einen Gratisstart imnächsten Jahr. «Den lösen wir ein», blickt Lars Oeschger bereits voraus, «denn das Leiden hat sich gelohnt, es war ein ganz cooler Wettkampf.»Sagts und verabschiedet sich unter die warme Dusche.

Der lange «ÖTILLÖ Swimrun Engadin» führte am Tag darauf von Maloja über rund 45 km ins Ziel nach Silvaplana. Unterwegs schwammen die knapp 100 Athletinnen und Athleten durch vier Oberengadiner Bergseen (5,8 km) und legten 39 km rennend zurück. Dabei überwanden sie 1499 Höhenmeter. Nach insgesamt 45 km und einer Gesamtzeit von 5.25 Stunden erreichet das erste Team das Ziel in Silvaplana. Peter und Lars Oeschger zeigten sich beeindruckt von dieser Leistung. Ob das Hauptrennen des «ÖTILLÖ» dereinst auf ihrem Wettkampfprogramm steht, liessen beide noch offen.

Das Leiden hat sich gelohnt | Der Landanzeiger
Das 14 Grad kalte Wasser im Silvaplanersee konnte Peter und Lars Oeschger aus Muhen nichts antun.

Traumstart für die Waldeck-Bar

Traumstart für die Waldeck-Bar | Der Landanzeiger

Fünf lokale Bierbrauer eröffneten pünktlich zum grossen EM-Viertelfinalspiel der Schweizer Fussball-Nati gegen Spanien am vergangenen Freitag im ehemaligen Gasthof die Waldeck-Bar. Bis zum definitiven Abbruch der Traditionsbeiz in etwa zwei Jahren soll die Bar mit 12 Bier-Zapfhähnen und 50 weiteren Biersorten in Betrieb sein. So wird die ehemalige Dorfbeiz zum Mekka für Craft-Bier-Liebhaber.

Manchmal sind Bierideen die besten Ideen. Bevor in etwa zwei Jahren die Bagger auffahren und der bewegten Geschichte der Müheler Traditionsbeiz ein Ende setzen werden, kehrt in die «Waldeck» noch einmal neues Leben ein. Fünf lokale Bierbrauer setzten die Idee in die Tat um, hier für die Zeit bis zum Abbruch eine temporäre Bier-Bar zu betreiben. «Zwischennutzung» nennt sich so etwas im offiziellen Amtsdeutsch. «Pop-Up-Bar» wäre ein etwas zeitgemässerer Ausdruck. Wie auch immer.

Die Waldeck, die nach seinen Jahrzehnten als beliebte Dorfbeiz während der Zeit des Schulhaus-Neubaus bis vor einem Jahr als Schulraum diente, wird nun am Ende seiner Geschichte zum Biergarten, respektive zur Bierbar. Dort wo einst zum «Lotto im Säli» gerufen wurde, nämlich im altehrwürdigen grossen Saal, befindet sich nun die Bar im Bistro-Stil. Die Zapfanlage mit 12 Stationen bietet diverse Biere der «Noboob»- und «Heero»-Brauereien an. Im Angebot sind rund 50 weitere Craft-Biere in Dosen und Flaschen, die von den Betreibern sorgfältig ausgesucht wurden.

Ein simples Lagerbier findet man eher nicht im Angebot. Hopfenbetonte, geschmacklich herausfordernde spezielle Craft-Biere bilden das Angebot in der Waldeck-Bar.

Das Team «Hoperia»
Wer sind die fünf lokalen Bierbrauer? Allen voran Daniel Heer aus Oberentfelden. Seine Brauerei «Heero» ist schon länger in Betrieb. Er gilt für die vier Jungbrauer Andreas Siegrist, Pascal Hunziker, Florian Brunner und Marco Jost von «Noboob» (No bitches of ordinary beer) aus Muhen als «Biergott». Zusammen sind sie «Hoperia» und betreiben einen Onlinevertrieb und nun auch die Waldeck-Bar.

Der Start am Freitag war fulminant. Weil just zur Eröffnung auch die Fussball-Nati ihr Viertelfinale bestritt, war der Biergarten sehr gut besucht. Vor der Eröffnung musste das Team einige Sonder- und Nachtschichten einlegen, damit alles rechtzeitig fertig wurde. Die Waldeck-Bar ist zukünftig am Mittwoch und Donnerstag ab 17.00 Uhr offen, am Freitag ab 16.00 Uhr und am Samstag ab 14.00 Uhr.

Grosse Empathie für Nierenpatienten

Grosse Empathie für Nierenpatienten | Der Landanzeiger

In Muhen (im Gemeindehaus) leitet Christian Fahe, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, seit 2017 eine Hausarztpraxis. Aufgrund persönlicher Erfahrungen hat der Facharzt 2020 seine Praxis im Aargau umgebaut – und bietet jetzt vier Plätze für Hämodialysebehandlungen an.

Der aus Kamerun stammende Arzt behandelt seine Patienten mit viel Herzblut. «Ärzte sind dazu da, um die Probleme der Menschen zu lösen und ihnen zu helfen.» Diese Philosophie spürt man bei Christan Fahe sofort. Dass er seit einem Jahr vier Dialyseplätze anbietet und seine Praxis dementsprechend umbauen liess, ist eine Herzensangelegenheit. Nachdem sein Vater schwer erkrankte, unternahm Fahe alles, um ihm zu helfen. Nach seinem Facharzt für Allgemeine innere Medizin liess er sich während drei Jahre zum Nephrologen ausbilden. Ein weiterer familiärer Schicksalsschlag war der ausschlaggebende Grund für den Umbau. Meinem Vater ging es immer schlechter. Ich wollte ihm die Geräte für die Heimdialyse nach Kamerun bringen. Leider verstarb er. Die Hilfe kam zu spät.

Im Aargau ein einzigartiges Angebot
Die Trauer um den Verlust seines Vaters regte den Facharzt zum Nachdenken an. «Ich fragte mich, was ich tun kann, um solche Schicksalsschläge zu verhindern.» Die Idee, Dialyseplätze zu erschaffen, kam wie von selbst. Im Aargau ist dieses Angebot einmalig. Die Patienten müssen normalerweise in ein Spital, wo sie mehrere Stunden an dem Dialysegerät verbringen müssen – und das dreimal in der Woche. Das ist sehr viel Zeit. Für mich ist es wichtig, dass sich die Patienten wohlfühlen und etwas Privatsphäre geniessen können. «Zwei Zimmer mit je zwei Plätzen und Behandlungszeiten bis 19 Uhr ermöglichen es, bis zu 16 Patienten zu behandeln.

Alles aus einer Hand in familiärer Atmosphäre
«Das sind dauerhafte Verbindungen, die entstehen. Als Hausarzt gibt es ausserdem die Möglichkeit, die Ergebnisse und gesundheitlichen Aspekte direkt zu besprechen.» Die familiäre Atmosphäre sei besonders wichtig. Ablenkung und Unterhaltungsmöglichkeiten gehören dazu. Die schwerkranken Patienten sollen abschalten können und deshalb bietet Christian Fahe vom Kopfhörer bis zum Tablet alles an, damit seine Patienten an etwas anderes denken können. Kostenloses WLAN und Angebote wie Netflix sind selbstverständlich. Auf Wunsch gibt es einen kleinen Imbiss. Die Praxis bietet auch vier kostenlose Parkplätze für die Dialysepatienten an.

Da der Arzt mit der grossen Empathie für Menschen und deren Probleme ausserdem eine Ausbildung als Notarzt absolvierte, kann er im Notfall sofort einschreiten. «Das kommt sehr selten vor. Aber für mich ist es wichtig. Ich bin immer da.»

Die Verbindung zu seinem Vater besteht nach wie vor. In Gedanken und im Gedenken an ihn ist es für Christian Fahe eine Mission und eine reine Herzensangelegenheit, seine Patienten auf dem Weg der langwierigen Dialysebehandlungen zu begleiten. Immer am Montag, Mittwoch und Freitag werden die Behandlungen durchgeführt.


Hämodialysebehandlung

Die Behandlung der Patienten ist sehr zeitaufwändig. Die Dialysegeräte übernehmen die Funktion der Nieren. Die Geräte reinigen das Blut so lange, bis alle Harn- und Giftstoffe ausgeschieden sind. Das dauert vier bis fünf Stunden pro Behandlung und muss dreimal in der Woche durchgeführt werden.


Grosse Empathie für Nierenpatienten | Der Landanzeiger
Christian Fahe ist Arzt mit Leidenschaft und Empathie.

Praxis Fahe


Schulstrasse 1 (Gemeindehaus)
5037 Muhen
Telefon 062 723 66 56
Mail christian.fahe@hin.ch
www.praxisfahe.ch

Ein Brite braut das erste Rüeblibier

Ein Brite braut das erste Rüeblibier | Der Landanzeiger

Jason O’Doherty hat im Zuge seiner Ausbildung zum Betriebswirtschaftler ein eigenes Bier erfunden, das es überraschenderweise bisher nicht gegeben hat: ein Aargauer Rüebli-Bier. Dass das Craft-Bier von einem waschechten Briten im Suhrental erschaffen wurde, ist dabei kein Zufall.

«Bier ist ein Genussmittel», ist Jason O’Doherty überzeugt. «Natürlich gibt es auch Biere, mit denen man einfach den Durst löscht, aber mein handgemachtes Rüebli-Bier ist nicht so eines.» Produziert hat er es in der Entfelder Kleinbrauerei «Hoperia» von Daniel Heer mit Rüebli aus Hirschthal. Derzeit steckt das Gebräu noch in Flaschen ohne Etikette, 150 Liter davon wurden produziert. Viele Flaschen hat «J» oder «Jay», wie ihn seine Freunde nennen, schon verschenkt oder probieren lassen. «Ich mache damit keinen Gewinn, vielleicht decke ich mit der zweiten Serie die Kosten.» Er mache das einerseits, weil er im Rahmen seiner Ausbildung zum Betriebswirtschafter eine Diplomarbeit zu schreiben hatte und andererseits, weil sich das Thema Bier geradezu aufgedrängt hat.

Die Nase voll vom Lagerbier
Aufgewachsen ist Jason O’Doherty nämlich im Südosten Englands. Das berühmte ‹The Kursaal› in Southendon- Sea, Essex − früher ein Vergnügungspark, später ein Casino − jeweils mit vielen Pubs − war lange eine Art Heimat für den heute 47-Jährigen. Hier arbeitete er viele Jahre und eine Zeitlang hing sogar ein Schild mit seinem Namen am Eingang, weil er das Patent inne hatte. Als ihn die Liebe vor 20 Jahren in die Schweiz zog, gehörte er der ersten Crew des «Ye Olde Penny Farthing » in Aarau an, gründete eine Familie und wurde in Muhen sesshaft. Vor zwei Jahren schloss er sich der IG Bierheilige an, die sich im Suhrental mit allerlei Ideen einen Namen machen will. «Dazu gehört die 1. Suhrentaler Bierwanderung, die nun leider schon das zweite Mal verschoben werden musste», erklärt O’Doherty etwas traurig. Arbeits- und Wohnort haben sich bis heute geändert, geblieben ist die Liebe zum Bier. «Ich hatte die Nase vom normalen Lagerbier aber voll. Umso besser gefallen mir die vielen tollen Biere, die in den zahlreichen Kleinbrauereien gemacht werden. So etwas wollte ich auch schaffen. Als ich nachgeschaut habe, war ich ziemlich überrascht, dass es im Aargau noch kein Rüebli- Bier gibt», erinnert sich der Brite. So tüftelte der zweifache Familienvater an der Rezeptur und fügte dem Sud sowohl beim Kochen der Würze, wie auch bei der späteren Gärung Rüebli aus einem Hirschthaler Gemüsebetrieb zu.

Positive Degustations-Noten
Das fertige Produkt gefällt auch dem Bier-Sommelier Jürg Maurer. «Ich habe es mir zwar etwas leuchtender orange vorgestellt, das Auge trinkt schliesslich mit», schickt der Müheler voraus. Der Schaum komme cremefarben daher und bringe eine mittellange Beständigkeit mit. Der Rüebligeschmack im Bier sei aber nicht dominant. «In der Nase noch etwas brotig oder keksig, geht die leichte Säure auf der Zunge in eine mittlere Süsse im Gaumen über und gleite im Nachtrunk wieder in eine angenehme leichte Säure», beschreibt der ausgebildete Sommelier seine Erkenntnisse. Der Geschmack komme aber zum Glück nicht einem Biss in ein Rüebli gleich, «eine gewisse, vom Gemüse herrührende bekannte Süsse kommt jedoch sehr gut durch.»

Jedes Bier hat seine Geschichte
Gute Noten also für «J’s Aargauer Rüebli Bier», das der Experte lobend als «gsöffig» bezeichnet und eine gute «Drinkability» attestiert; ein Getränk, das man nicht bloss «aus Gwunder» konsumiere. «In England kommt man sehr früh in Berührung mit Bier, es war mir schon wichtig, ein gutes Bier zu brauen», erinnert sich Jason O’Doherty an seine Jugend und freut sich über die Rückmeldung des Sommeliers. Biertrinken sei ja nicht nur eine Sauferei. «Für mich ist es spannend, die Geschichte hinter einem Bier zu erfahren, woher es kommt und warum es gebraut wurde.» Was diesen Teil der Bierbraukunst angeht, ist es «J», gelungen ein leckeres Bier mit einer schönen Geschichte zu brauen. Jetzt braucht es eigentlich nur noch gutes Wetter und offene Biergärten – und für Jason O’Dohertys Ausbildung noch etwas Durchhaltevermögen.

Ein Brite braut das erste Rüeblibier | Der Landanzeiger
Zutatenbeschaffung: Jason O’Doherty (rechts) und der Entfelder Bierbrauer Daniel Heer zeigen die Rüebli aus Hirschthal, die später in die Würze und den Sud kommen.

Vom Kindergarten zum Biergarten?

Vom Kindergarten zum Biergarten? | Der Landanzeiger

Ein Baugesuch im Landanzeiger sorgt für Aufsehen: Der ehemalige Gasthof Waldeck, zuletzt als Schulraum genutzt, soll wiederbelebt werden. Das Gesuch um eine «Zwischennutzung» liegt derzeit bei der Gemeinde auf. Regionale Bierbrauer wollen in der Waldeck unter anderem eine Gartenwirtschaft betreiben.

Der Gasthof Waldeck hat schon vieles erlebt. Jahrzehntelang war er eine geschätzte Dorfwirtschaft mit gutbürgerlicher Küche. Im grossen Saal ging schon manches Lotto, Jahreskonzert oder Turnerabend über die Bühne. Vor rund fünf Jahren wollte der Kanton Aargau hier eine Asylunterkunft einrichten. Das gab ziemlichen Wirbel im Dorf. Eine Mahnwache mit 500 Fackeln schaffte es national in die Schlagzeilen. Es war dann der Besitzer der Liegenschaft, der dem Kanton einen Korb gab. Die Gemeinde Muhen mietete die Waldeck per 1. Januar 2017 dann gleich selber. Aus der Waldeck wurde ein Schulhausprovisorium, bis das neue Schulhaus eingeweiht werden konnte. Dann wurde es still um die Waldeck.

Bis heute. Nun soll im altehrwürdigen Gasthof wieder neues Leben einkehren. Vor einer Woche wurde im Landanzeiger das Baugesuch publiziert für eine neue Zwischennutzung. Die Hoperia GmbH aus Oberentfelden will in der Waldeck eine Bar, ein Bistro, einen Shop und eine Gartenwirtschaft betreiben. Daniel Heer von der Hoperia bestätigt, dass ihm vom Vermieter eine Zwischennutzung bis mindestens Ende 2022 zugesichert wurde: «Einfach gesagt, könnten wir in der Waldeck bleiben, bis sie abgerissen wird und der Vermieter den geplanten Neubau realisiert. »

Die Oberentfelder Hoperia ist in Muhen gut vernetzt. Sie gehört mit der «IG Bierheilige » und der einheimischen Brauerei «Noboob» zum Team, das die 1. Suhrentaler Bierwanderung organisiert hat. Leider kann sie auch in diesem Jahr nicht stattfinden, wie vor ein paar Tagen bekannt wurde. «Auch deshalb wäre es gut, wenn wir anstatt an der Bierwanderung nun halt stationär hier in der Waldeck die Vielfalt des Bieres aus unserer Region zeigen könnten», so Daniel Heer.

Und der Gasthof Waldeck würde auch wieder ein Stück weit zurück zu seinen Wurzeln finden.

Zukunft der Oberstufenschüler neu geregelt

Zukunft der Oberstufenschüler neu geregelt | Der Landanzeiger

Der neue Vertrag zwischen den Einwohnergemeinden Kölliken und Muhen über die gemeinsame Führung der Oberstufe als Kreisschule Kölliken-Muhen ist in trockenen Tüchern. Das gemeinsame Feiern muss noch warten.

Der neue Vertrag wurde von den Gemeindeversammlungen beider Gemeinden im November 2020 genehmigt und löst den bestehenden Gemeindevertrag ab, der die Zusammenarbeit der Gemeinden Muhen und Kölliken im Bereich der Oberstufe regelt und seit dem 25. November 2011 Gültigkeit hatte. Der neue Vertrag garantiert eine höhere Verbindlichkeit.

Unter folgender Präambel wurde der Vertrag zwischen den Einwohnergemeinden Kölliken und Muhen über die gemeinsame Führung der Oberstufe als «Kreisschule Kölliken-Muhen» unterzeichnet: «Die Gemeinden Kölliken und Muhen wollen gemeinsam eine zukunftsfähige, pädagogisch wertvolle Oberstufe führen. Die Schulstandorte in Kölliken und Muhen sollen für Schülerinnen und Schüler, für deren Eltern und für die Lehrpersonen Teil einer hochwertigen Kreisschule der Oberstufe bilden und so zur Standortattraktivität beider Gemeinden beitragen.» Im Vertrag wurde unter anderem geregelt, dass Sekundar- und Realschule (SeReal) in den beiden Gemeinden Kölliken und Muhen angeboten wird. Schulstandort für die Bezirksschule (Bez) ist die Gemeinde Kölliken. Die beiden Schulorte sind durch sichere Fahrrad- und Mofawege miteinander verbunden; im Winter (1. November bis 31. März) wird ein Schulbus zwischen den Standorten angeboten.

BKS wirkte beim Vertrag mit
Das in Zusammenarbeit mit der Partnergemeinde sowie dem BKS erarbeitete Vertragswerk berücksichtigt auch die Ergebnisse aus der Abstimmung über die künftigen Führungsstrukturen der Volksschule. Bis Ende 2021 werden Mitglieder der Schulpflegen die Kreisschulkommission bilden. Ab 2022 werden die Gemeinderäte der Schulressorts der beiden Gemeinden dafür zuständig sein.

Die Unterzeichnung des Vertragswerkes fand «coronakonform» auf dem Zirkulationsweg statt. Die involvierten Parteien liessen es sich aber nicht nehmen, virtuell auf die neue Kreisschule Kölliken-Muhen anzustossen.

Matter-Comic neu aufgelegt

Matter-Comic neu aufgelegt | Der Landanzeiger

Der Verlag «Edition Moderne» bringt die Comic-Biografie des legendären Kriminellen Bernhart Matter aus Muhen neu heraus. Der Band erscheint zum 200. Geburtstag des «helvetischen Robin Hood». Der Landanzeiger traf Autor Markus Kirchhofer zum Interview.

Markus Kirchhofer, zum 200. Todestag von Bernhart Matter erscheint der Comic, den Sie mit Reto Gloor Anfang der 90er-Jahre kreiert haben, in einer Neuausgabe. Was ist neu?
Neu ist, dass die Edition Moderne dieses Jahr eine Gesamtausgabe veröffentlicht. 1992 («matter») und 1993 («matter entZWEIt») erzählten Reto und ich Matters Leben und Sterben in zwei Bänden. Das Zusammenfügen erforderte einige Anpassungen, weil Band zwei eine zeitliche Klammer um Band eins bildet. Neu ist auch das fundierte Nachwort, das die Historiker Marc Griesshammer (Leiter Stadtmuseum Aarau) und Raoul Richner (Stadtarchivar Aarau und Präsident der Historischen Vereinigung Wynental) verfasst haben.

Wir kam es damals überhaupt zu diesem Comic-Klassiker?
Reto Gloor kenne ich seit der Bezirksschule in Schöftland. Für die erste Ausgabe der Schülerzeitung «Der Lautsprecher» gestaltete Reto das Titelbild, eine Karikatur und einen Comic. Ich schrieb über die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. In der Kantonsschule besuchten wir die gleiche Klasse. Reto zeichnete schon immer grossartige Comics. Als ich in Lenzburg lebte, erzählte mir ein Freund von der Hinrichtung Bernhart Matters bei den «Fünflinden». Er empfahl mir die Lektüre von Nold Halders «Leben und Sterben des berüchtigten Gauners Bernhart Matter». Reto war davon ebenso fasziniert wie ich. So reifte die Idee, gemeinsam einen Comic zu dieser Räubergeschichte zu machen.

Wie liest sich eigentlich die Erstausgabe nach dreissig Jahren für Sie selber. Ist alles auch mit ihrem heutigen Wissen noch stimmig?
Es gibt neue Erkenntnisse zurzeit, in der Bernhart Matter (1821–1854) lebte. Erst seit Ursula Maurers «Hungerland» (2019) ist mir beispielsweise bekannt, dass im Ruedertal, in dem Matters Frau Barbara wohnte und in dem ich aufgewachsen bin, im Winter nach Matters Hinrichtung Menschen verhungerten. Es waren die letzten Hungertoten der Schweizer Geschichte. Der Grossvater meines Grossvaters lebte im Schiltwald und war 1854 20 Jahre alt. Ich hatte Glück, dass ich vier Generationen später zur Welt kam … Als Autor ist mir natürlich die Sprache, mit der ich die Geschichte erzähle, am wichtigsten. Für die Neuausgabe kürzte ich meine Dialoge und die Begleittexte von 1992 und 1993 um etwa einen Viertel. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass Retos Original-Zeichnungen, die in seinem Nachlass im «Centre BD de la Ville de Lausanne» archiviert sind, gleichzeitig mehr «Luft» und mehr Gewicht erhalten. Auch die schönen Helvetismen und Mundart-Wörter reduzierte ich «süferli».

Sie haben sich intensiv mit Matters Leben befasst, was ist für Sie das Faszinierende an Matter?
Sein widersprüchlicher Charakter. Seine Zerrissenheit zwischen Verbrechertum und der Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben zum Beispiel. Oder sein ständiger Gesinnungswechsel zwischen Fern- und Heimweh, zwischen Ehefrau und Geliebten. Diese Widersprüche bieten viel Stoff für eine spannende Geschichte.

Matter wird gelegentlich als eine Art Robin Hood bezeichnet, der Beute freigebig verteilt oder billig verkauft haben soll. Stimmt dieses Bild mit der Wirklichkeit überein?
Ob Robin Hood als historische Figur existierte, ist ja nicht belegt. Aber er ist so etwas wie der Archetyp des «edlen Räubers», der andernorts Namen wie Schinderhannes, Rinaldo Rinaldini oder Rob Roy trägt. Ich denke nicht, dass Bernhart Matter diesem Bild entspricht. Ich sehe ihn eher als tragikomischen Gehetzten und Getriebenen, der es verpasste, sich nach Amerika abzusetzen wie drei seiner vier Brüder.

Können Sie das Image einschätzen, welches er hier in der Region hatte, war es eher das eines Verbrechers oder eines Volkshelden?
Das ist aus heutiger Sicht schwer einzuschätzen. Das Historiker-Duo Griesshammer/Richner schreibt im Nachwort: «Matters Freunde, bei denen er Unterschlupf fand, lebten abseits der Dörfer, in Seitentälern in unmittelbarer Nähe zu den Schutz bietenden Wäldern: So die Lüschers im Schwabistal bei Muhen, die Richners im Gränicher Refental oder die Kaspars im Oberkulmer Sood.» Bei ihnen war Matter sicherlich beliebt. Beim Pfarrer von Gränichen oder beim Wirt der Teufenthaler «Herberge» sicher nicht, weil er bei ihnen einbrach. Auch die Pressestimmen aus der damaligen Zeit sind widersprüchlich. Erst nach seinem Tod ist das veröffentlichte Image des Hingerichteten mehrheitlich positiv.

Matter hat ja nie einen Menschen getötet, nicht einmal verletzt, wie kam es zum Todesurteil und was hat das ausgelöst?
Matter wurde als «unverbesserlicher Dieb» zum Tode verurteilt. Dass der veraltete Paragraph 154 gegen Matter zur Anwendung kam, kann ich mir nur mit seinen dreisten Ausbrüchen erklären, die die Sicherheitsmassnahmen der Behörden blossstellten. Vor seinem letzten, spektakulärsten Ausbruch aus der Festung Aarburg versuchte der Bundesrat auf Ersuchen der Aargauer Regierung, Matter in eine französische oder britische Strafkolonie zu deportieren. Aber die wollten ihn auch nicht. Eine direkte Folge seiner Hinrichtung war der Bau der Strafanstalt Lenzburg. Sie wurde zehn Jahre nach Matters Tod eröffnet.


Matter-Comic neu aufgelegt | Der Landanzeiger
Das Cover, des neu erschienen Buchs über Bernhart Matter.

«MATTER»

Neu erscheinen die einstigen beiden Comicbände «Matter» und «Matter entzweit» in überarbeiteter Form als ein Band mit einem Nachwort der Historiker Marc Griesshammer, Leiter Stadtmuseum Aarau und Raoul Richner, Stadtarchivar Aarau und Präsident der Historischen Vereinigung Wynental. Gezeichnet wurde «MATTER» vom in Schöftland aufgewachsenen und danach in Basel lebenden Illustrator Reto Gloor, der 2019 leider viel zu früh verstorben ist.
ISBN 978-3-03731-212-4
128 Seiten / 39 Franken