Keine Nachfolger: Wiliberg verliert den Schulbetrieb definitiv

Keine Nachfolger: Wiliberg verliert den Schulbetrieb definitiv | Der Landanzeiger

Die Privatschule Wannenhof verlässt Wiliberg im Sommer 2021. Es gibt zwar Interessenten für das Schulhaus, doch der Gemeinderat strebt eine Lösung mit Reitnau an.

Die kleinste Gemeinde im Aargau wird ab dem Schuljahr 2021/22 keinen eigenen Schulbetrieb mehr haben. Der Vertrag mit der Privatschule Wannenhof, die in Wiliberg einen Aussenstandort betreibt, läuft nach zehn Jahren im Sommer 2021 aus. Bereits seit Ende 2019 ist klar, dass die Privatschule ihr Engagement nicht verlängern wird. Eine Arbeitsgruppe aus Schulpflege und Gemeinderat suchte seither nach einer Folgelösung. Dass es schlussendlich zu keinem neuen Vertrag kam, habe unterschiedliche Gründe. «Das Schulhaus ist relativ gross. Für jemanden, der frisch mit einer Privatschule startet, sind die Betriebskosten auch dementsprechend hoch», so Grädel.

Suche abgebrochen
Gemeinsam mit der Schulpflege hat sich der Gemeinderat entschieden, die Suche nach einem neuen Schulbetreiber nicht weiterzuverfolgen und eine Zusammenarbeit mit der Schule Reitnau anzustreben. «Für die Gemeinde ist es im ersten Moment schlimm, den Schulbetrieb zu verlieren», sagt die zuständige Gemeinderätin Petra Grädel. «Die Schüler und ihre Familien werden sich aber schnell an die neue Lösung gewöhnen, schliesslich besuchen die Wiliberger Kinder bereits den Kindergarten in Reitnau und später auch die Oberstufe im Suhrental.»

Das Schulgeld übernimmt weiterhin die Gemeinde
Nebst dem Schulbetrieb, den die Gemeinde verliert, macht dem Gemeinderat auch die Umnutzung des Schulhauses Kopfzerbrechen. «Es ist und bleibt ein Schulhaus. Deshalb wäre es schön, wenn es auch in Zukunft zum Unterrichten gebraucht würde», so Grädel. Sie sei bereits in Kontakt mit einer Institution, die Interesse am Gebäude bekundet habe. Genaueres könne sie im Moment noch nicht sagen.

Was aber bereits klar ist: Das Schulgeld für die Wiliberger Kinder werde nach wie vor die Gemeinde übernehmen. «Wir zahlen das Schulgeld, die Lehrerbesoldungen und den Transport nach Reitnau.» Schon vor zehn Jahren, als der Wiliberger Schule das Aus drohte, habe der Gemeinderat in seinen Rechnungen festgestellt: «Ob die Kinder in eine Privatschule in Wiliberg oder in eine Schule im Nachbardorf gehen, macht finanziell keinen grossen Unterschied», sagt Petra Grädel. Der Vorteil vom Wannenhof war der Rundumservice inklusive Betreuung. Laut der Gemeinderätin werde vor allem die Betreuung in Reitnau anders geregelt: «Es gibt keinen regelmässigen Mittagstisch. Vieles wird privat organisiert.»

Zurzeit liegt die Anfrage aus Wiliberg beim Reitnauer Gemeinderat. In einem nächsten Schritt soll entschieden werden, welche Nutzungsmöglichkeiten im Schulhaus bestehen. Ausserdem wird bei einem Ja aus Reitnau der Schulvertrag aufgesetzt. Das Ziel ist, dass die Bevölkerung an der Wintergemeindeversammlung darüber abstimmen kann

Wie weiter mit der Tagesschule Wiliberg?

Ende Juli 2021 ist Schluss: Daniel Keller verlängert den Vertrag für die Tagesschule Wiliberg nicht mehr | Der Landanzeiger

Die kleinste Gemeinde im Aargau könnte schon bald ohne Primarschule dastehen. Die Verantwortlichen der Tagesschule auf dem Wiliberg verlängern den Ende Juli 2021 auslaufenden Vertrag nicht. Nun suchen Gemeinde und Schulpflege eine neue Trägerschaft.

Die Schule Wiliberg ist ein Sonderfall: seit 2011 führt die private Tagesschule Wannenhof, Unterkulm in der Gemeinde einen zweiten Standort und unterrichtet die Kinder aus der Gemeinde zusammen mit den Privatschülern. Die Gemeinde bezahlt das Schulgeld für die einheimischen Kinder. Zurzeit besuchen sechs Wiliberger und 16 Auswärtige die Privatschule.

So weit, so gut. Doch am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Der Schulbetrieb in der momentanen Form ist nur noch bis Ende Juli 2021 gesichert. Dann läuft der 10-Jahres-Vertrag mit der Tagesschule Wannenhof aus. Und er wird nicht mehr erneuert. «Meine Frau Estelle und ich sind dann je 61 Jahre alt und wir möchten uns nicht mehr längerfristig binden», sagt Daniel Keller, Besitzer der Tagesschule. «Zudem möchten wir uns nur noch auf einen Standort konzentrieren, auf den Wannenhof.»

Das waren noch Zeiten: 1917 besuchten noch 33 Wiliberger Kinder die dorfeigene Primarschule, die damals von Fräulein Rosalie Corneli, der ersten Lehrerin auf dem Wiliberg, geführt wurde | Der Landanzeiger
Das waren noch Zeiten: 1917 besuchten noch 33 Wiliberger Kinder die dorfeigene Primarschule, die damals von Fräulein Rosalie Corneli, der ersten Lehrerin auf dem Wiliberg, geführt wurde (Bild: Archiv Wiliberg)

Einige waren schockiert
Die Gemeinde Wiliberg und die Schulpflege haben vor wenigen Tagen die Eltern der Tagesschüler und die Einwohner der Gemeinde informiert. «Für einige Betroffene war es ein Schock», sagt Petra Grädel, Gemeinderätin und Präsidentin der Schulpflege aus Wiliberg. Sie bedauert es sehr, dass die Zusammenarbeit mit dem Ehepaar Keller und der Tagesschule Wannenhof beendet werde. Denn diese sei immer sehr gut gewesen.

Neue Trägerschaft gesucht
Die kleinste Aargauer Gemeinde droht ab Sommer 2021 ohne eigene Schule dazustehen. Eine Arbeitsgruppe aus Schulpflege und Gemeinderat sucht aktuell mit Flyern und Inseraten nach einer Nachfolgelösung. «Ziel ist, eine neue Trägerschaft für den Schulbetrieb im Schulhaus Wiliberg zu finden», sagt Petra Grädel. «Gesucht wird eine bestehende Privatschule, die ihr Angebot ausbauen möchte oder Lehrpersonen, die sich selbständig machen und eine eigene Privatschule aufbauen möchten ». Das Schulhaus kann ab August 2021 gemietet werden.

Und was, wenn sich niemand meldet? «Dann gehen die Primarschüler nach den Sommerferien 2021 wahrscheinlich nach Reitnau in die Schule», sagt Petra Grädel. «So wie es die Kindergärtler und die Oberstufenschüler bereits jetzt praktizieren. Auch diese Möglichkeit hätte durchaus Vorteile», sagt Grädel.

Bisher gabs immer eine Lösung
Trotzdem werde in erster Linie versucht, eine neue Trägerschaft zu finden. Kampflos werde Wiliberg seinen Schulstandort nicht aufgeben. Schliesslich hat die kleinste Gemeinde im Kanton noch immer eine Lösung gefunden, die Schule im Dorf zu behalten.

Wenn Bäume erzählen könnten …

Eiche und Buche verraten ihr Alter | Der Landanzeiger

Auf einem seiner täglichen Waldspaziergängen im oberen Uerkental haben vor einer Woche zwei Stapel frisch gefällter Bäume das Interesse von Hans Bärtschi (Wiliberg) geweckt. Kurzerhand hat er alles festgehalten und dem Landanzeiger einen Beitrag eingeschickt.

Das erste Merkmal, das dem breit interessierten Pensionär ins Auge gestochen ist, waren die über dem Durchschnitt liegenden Durchmesser der gefällten Buchen- und Eichenstämme. Aus seiner frühesten Jugendzeit war ihm mitgegeben worden, dass man das Alter der Bäume aufgrund der «Jahrringe » bestimmen kann. Also warum nicht wieder mal Kind sein und die Ringe zählen, sagte sich Hans Bärtschi.

Die Buche und die Eiche standen etwa 500 Meter Luftlinie voneinander in zwei gut bewirtschafteten Privatwäldern. Beide standen am nach Westen ausgerichteten Waldrand. Beide hatten somit in etwa gleiche Wachstums-Voraussetzungen.

Jahresringe verraten viel
Jedes Jahr wächst ein Baum und bildet vom Zentrum ausgehend einen neuen Ring Holz. Das bewirkt, dass der Stamm immer dicker wird. Im Sommer und Herbst wächst der Baum dann etwas langsamer und hinterlässt eine dünnere und dunklere Schicht. Die helle und die dunkle Schicht zusammen bilden den neuen Jahresring. Diese zu zählen war bei den beiden gefällten Bäumen aufgrund der guten Schnittstellen recht gut möglich, wenn auch ohne Gewähr.

Die Ringbreite gibt zudem über die Lebensbedingungen Auskunft. Schmale Ringe deuten auf Probleme hin, etwa Trockenheit oder Schädlingsbefall, bei breiten Ringen ging es dem Baum gut. Ovale Ringe entstehen an Bäumen, die am Hang wachsen oder starkem Wind ausgesetzt sind.

Wachstum ist artenbedingt
Im vorliegenden Fall sind beide Stämme in etwa von gleichem Durchmesser. Dennoch ist die Buche mit rund 90 Jahren «schneller» gewachsen, hat breitere Jahrringe als die Eiche mit ihren rund 135 Jahren, und das, obwohl beides Hartholzbäume sind.

Bei beiden Schnittstellen ist ersichtlich, dass das Zentrum nicht in der Mitte des Stammes liegt. Dies hängt auch mit dem Lichteinfluss zusammen. Beide Bäume wurden gefällt, damit der dahinter wachsende Jungwuchs mehr Licht bekommt. Schauen wir doch in Einhundert Jahren wieder vorbei, was aus ihnen geworden ist, schreibt Hans Bärtschi mit einem Augenzwinkern.

Was 1885 geschah
Geht man davon aus, dass die Eiche aus dem Jahr 1885 stammt, so war es das Jahr, in dem in den USA die erste Blinddarm-Operation durchgeführt wurde. Im Juli des selben Jahres hat Louis Pasteur einen neunjährigen Knaben erfolgreich gegen Tollwut geimpft, nachdem dieser von einem Hund gebissen wurde. Am 1. Juli haben sich die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein eine gegenseitige Zulassung von Medizinern zur Berufsausübung im Grenzgebiet geeinigt und am 10. November fand die erste Fahrt eines Motorrads mit Benzinmotor, der beiden Herren Daimler und Maybach statt.

Den Altersrekord unter den Bäumen hält laut dem Internet eine kalifornische Grannenkiefer, die 4768 Jahre alt geworden ist. Die Jahresringe wurden unter dem Mikroskop gezählt.

Wiliberg wieder am öV-Netz angeschlossen

Wiliberger Ruftaxi | Der Landanzeiger

Mit dem zum Jahresbeginn gestarteten Ruftaxibetrieb zur Anbindung an den öffentlichen Verkehr erlebte die Gemeinde Wiliberg bereits einen ersten Höhepunkt im 2020. Gemeindeammann Patric Jakob zog am Neujahrsapéro aber auch Bilanz über die Beseitigung der Unwetterschäden und Trockenheit.

Die Aufnahme des dreijährigen Ruftaxiprobebetriebs zu Jahresbeginn war dem Gemeinderat eine Testfahrt nach Zofingen wert. 12 Franken kostet die Einzelfahrt pro Person nach Reiden, Bottenwil oder Reitnau – der Rufbus nach Zofingen 35 Franken, die Rückfahrt auch. «Das Ruftaxi ist sicher nicht so günstig, wie der öffentliche Bus, aber dafür flexibler», sagt Gemeindeammann Patric Jakob.

Nach dem Neujahrsapéro überzeugte sich der Gemeinderat persönlich von Bequemlichkeit und Pünktlichkeit des Ruftaxibetriebs und machte eine Fahrt im Bus der Firma Tschannen AG zum Niklaus-Thut-Platz nach Zofingen.

Eine bessere Teambildungsmassnahme hätte sich die neue Gemeinderätin Stephanie Weber-Gloor kaum vorstellen können. Sie übernimmt mit Ausnahme des Kulturwesens, die Ressorts ihrer Vorgängerin Angelika Voser Meier, dieses geht an Petra Grädel.

Seit 2008 ohne öV
Wiliberg war seit Ende 2008 – als der öffentliche Busverkehr eingestellt wurde – vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten. Nun hat der Gemeinderat in Zusammenarbeit mit dem Kanton nach dem Vorbild der Gemeinde Kallern ein Ruftaxi-Konzept ausgearbeitet. Drei Jahre soll der Probebetrieb dauern und pro Jahr maximal 20’000 Franken kosten. In der Probezeit trägt die Gemeinde 75 Prozent der Kosten und 25 Prozent der Kanton. Bei definitiver Einführung des Ruftaxis teilen sich Gemeinde und Kanton die Kosten ebenbürtig. Zwei Mal pro Woche werden fahrplanmässige Fahrten nach Reiden und Reitnau angeboten, einmal pro Woche nach Bottenwil. Zusätzlich können Tag und Nacht individuelle Fahrten bestellt werden, die in diese drei Gemeinden und zusätzlich nach Zofingen führen.

Nur effektive Kosten bezahlen
Noch sei unklar, wie viele Fahrten tatsächlich nötig seien, sagte Gemeinderat Manfred Müller anlässlich der Vorstellung des Ruftaxi-Probebetriebs im Juni des letzten Jahres. Der Kostenrahmen sei nach einer Hochrechnung aus den Erfahrungen der Gemeinde Kallern abgesteckt worden. Kallern hat gut doppelt so viele Einwohner wie Wiliberg und kennt das Ruftaxi seit gut sechs Jahren. Während des Probebetriebs in Wiliberg seien durchaus Anpassungen möglich, sagte Müller.

Letzte Chance Im Gegenteil zum öffentlichen Verkehr, bezahlen die Wiliberger nur die effektiven Kosten der Fahrten. Da müsse die Gemeinde ihren Beitrag leisten, auch wenn das Angebot nur wenig genutzt werde, sagt Müller weiter. Wird das Projekt abgebrochen, wird Wiliberg wohl nie mehr die Chance haben, an den öffentlichen Verkehr angebunden zu werden. Oder wie es Kritiker sagen: «Das Problem der Dörfer ist nicht, dass keine Busse fahren, sondern dass niemand mit dem Bus fährt.»

Im Jahres-Rück- und Ausblick des Gemeindeammanns war das Unwetter 2017 nochmals ein Thema. Es hat auch in der Gemeindekasse seine Spuren hinterlassen. Die Instandsetzung der Flurwege und des Hangabrutschs werden mit 29‘000 Franken in die Rechnung 2019 eingehen, den Rest der 140‘000 Franken für die Schadensbehebung übernehmen Bund und Kanton.

Mit dem Grobkonzept für den Um- bzw. Neubau des Feuerwehrmagazin der Feuerwehr Uerkental mit Standort Bottenwil oder Uerkheim wird sich die Gemeinde im Verlauf des Jahres beschäftigen. Aber auch das Schutzzonenreglement mit den Quellfassungen ist ein Thema im 2020. Die Zonen sollen grösser werden. Der Entwurf zu Beurteilung wurde ist beim Kanton eingereicht. Die Bevölkerung muss 2020 mit höheren Abwassergebühren rechnen. 

Eine etwas andere Hauptübung

VW Crafter bei der Feuerwehr Uerkental | Der Landanzeiger

Die Hauptübung der Feuerwehr Uerkental stand diesmal ganz im Zeichen der Einweihung des neuen Verkehrsdienstfahrzeuges.

Der Kommandant Thomas Räss sagte bei seiner Begrüssung: «Eine Fahrzeugeinweihung ist immer etwas Besonderes. Erst recht hier auf dem Wiliberg. Die letzte Einweihung fand vor 34 Jahren statt und ich erinnere mich noch daran, wie wenn sie gestern gewesen wäre. »

Räss schilderte das Erlebnis, das sich am 2. Juni 1985 in seine Erinnerung eingebrannt hat. Mit Blaulicht und Sirene lieferte die Firma Mowag das erste TLF auf dem Wiliberg aus. «Ich war damals ein 6-jähriger Bub. Die Motivation des Lieferanten war so gross, dass er auf drei Rädern um die Kurve kam. Ganz Wiliberg hielt damals den Atem an.» Das Fahrzeug kippte glücklicherweise nicht und tat anschliessend über 26 Jahre seinen Dienst.

Wachmeister Miriam Von Känel hatte nun die Ehre, das neue Fahrzeug der Bevölkerung und den Feuerwehrkollegen zu präsentieren. Mit einem richtigen Showauftritt rollte sie auf den Schulhausplatz, wo sie mit Applaus und Sirenengetöse der bestehenden Fahrzeugflotte empfangen wurde.

Der Gemeindeamman Patric Jakob: «Vor einem Jahr haben die Einwohner der Gemeinden Bottenwil, Uerkheim und Wiliberg den Kredit über Fr. 136’000.– anlässlich der Gemeindeversammlung gesprochen. Ein Jahr später steht der Neue nun hier. 25 Jahre hat der da hinten stehende Renault als Fahrzeug vom Verkehrsdienst seine Arbeit getan, nun geht er in Pension.»

Alle sind zufrieden und glücklich

Claudia Brändle von Tony Brändle AG in Wängi hatte das Fahrzeug auf dem neuesten Stand feuerwehrtauglich ausgerüstet. Hannes Roth von der Suhre Garage AG sagte: «Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass wir als regionaler Betrieb so ein Fahrzeug liefern dürfen. Umso grösser ist mein Dank an die Feuerwehr Uerkental.»

Feierlich konnte Chömi Hunziker als Vertreter der Firma Brändle nun die Schlüssel an den Kommandanten Thomas Räss übergeben. Räss zum Schluss: «Ich wäre froh, wenn das Auto nicht zum Einsatz käme, bin aber auch froh, dass wir nun auf dem neuesten Stand sind, wenn wir gebraucht werden.»