Wer in Uerkheim seine Steuern und Krankenkassen­prämien nicht bezahlt, erhält von Gemein­deam­mann Her­bert Räb­mat­ter eine Vor­ladung. Im Gespräch wer­den ver­tragliche fest­ge­hal­tene Lösungsvorschläge zur Schulden­be­gle­ichung aus­gear­beit­et (Bild: Raphael Nadler)

Uerkheim: Steuer- und Krankenkassen­sünder werden vorgeladen

4. Juli 2019 | News

Der Gemein­der­at von Uerkheim bietet Steuer- und Krankenkassen­sün­der die Chance auf eine ver­tragliche Lösung ihrer Schulden. Oft ver­laufen die Tre­f­fen sehr emo­tion­al.

Uerkheim geht seit der Amtspe­ri­ode 2018/2021 in die Offen­sive, wenn es um Steuer- und Krankenkassen­sün­der geht. Er hat fest­gelegt, Per­so­n­en, die Steuer- und Krankenkasse­nausstände ausweisen, wieder vor den Gesamt­ge­mein­der­at vorzu­laden. Dies ist bere­its der zweite Anlauf mit diesem Konzept. «Beim ersten Mal war der Erfolg eher mäs­sig», weiss der heutige Gemein­deam­mann Her­bert Räb­mat­ter. Obwohl gewisse Leute früher wie heute der Ein­ladung des Gemein­der­ats erst bei mehrma­liger Auf­forderung nachkom­men, ist Räb­mat­ter überzeugt, dass es das richtige Sys­tem ist: «Wir ver­suchen, den Leuten Hil­festel­lun­gen zu bieten.» Das Hauptziel dabei: Die Krankenkasse­nausstände min­imieren. «Die gesund­heitliche Ver­sorgung der Men­schen muss sichergestellt wer­den», so Räb­mat­ter weit­er. Ausser­dem gäbe es viele schw­er­wiegende Kon­se­quen­zen, die den Leuten gar nicht bewusst seien. So wer­den heute die Schulden bei der Kinderkrankenkasse ab dem 18. Leben­s­jahr auf das Kind über­wiesen.

Unter­stützung, aber kein Erlass
«Häu­fig ver­schätzen sich die Betrof­fe­nen mit dem Geld oder set­zen falsche Pri­or­itäten», so der Gemein­deam­mann. Die meis­ten wür­den auch viel zu lange warten. Der Gemein­der­at kann keine Ausstände gän­zlich erlassen, son­dern wirkt vielmehr als Ver­mit­tler. Er emp­fiehlt den Leuten den Bud­get­ber­ater der Gemeinde und ver­mit­telt andere Kon­tak­t­möglichkeit­en. Viele Leute ken­nten die Hil­femöglichkeit­en nicht, wie zum Beispiel die Krankenkassen­ver­bil­li­gung. Ausser­dem möchte der Gemein­der­at mit einem solchen Gespräch den Druck seit­ens der Gemeinde weg­nehmen. Es tue ihnen gut, wenn sie merk­ten, dass sie durch eine monatliche Rück­zahlung ihr Prob­lem endlich in den Griff bekä­men, hat Räb­mat­ter schon öfters erlebt.

Dass es bei einem solchen Sys­tem auch Leute gibt, die den Gemein­der­at nach Strich und Faden belü­gen, ist klar. Dem Gemein­deam­mann wur­den schon die absur­desten Gründe aufgetis­cht wie: «Ich muss zuerst in die Ferien, bevor ich die Ausstände zahlen kann.» Solche Argu­mente seien jedoch in der Unterzahl. In der Regel bräucht­en die Leute wirk­lich Hil­fe. So wie die allein­erziehende Frau oder ein Bekan­nter Räb­mat­ters aus dem Dorf, der eine beru­fliche Nieder­lage ein­steck­en musste. «Man muss auf­passen, dass man die Geschicht­en nicht zu nahe an sich ran­lässt», sagt Räb­mat­ter. Neb­st viel Mut, seine Schwächen einzugeste­hen, bräucht­en die Beteiligten oft auch ein Päckchen Taschen­tüch­er beim stündi­gen Tre­f­fen mit dem Gemein­der­at.

Wille muss spür­bar sein
Der Gemein­der­at geht sehr fein­füh­lig und offen mit den «Sün­dern» um, was aber nicht heisst, dass er einen Kuschelkurs fährt. Bleiben die Betrof­fe­nen mehrere Male den Ein­ladun­gen fern, fol­gen weit­ere, rechtliche Schritte wie zum Beispiel eine vol­lum­fängliche Betrei­bung und Prü­fung ein­er Liegen­schaftsver­w­er­tung.

Einigt sich der Gemein­der­at mit den Betrof­fe­nen auf eine ver­tragliche Lösung, sei es enorm wichtig, den Willen der Leute zu spüren. «Wenn eine Rate ein­mal nicht bezahlt wer­den kann, soll sich der Betrof­fene auf der Finanzver­wal­tung melden und dies begrün­den», so Räb­mat­ter. Langsam machen sich die ersten Besserun­gen in der Finanzkasse der Gemeinde bemerk­bar und die Ausstände wer­den klein­er.

KPE