Unbesetzte Lehrstellen sind Gift für die Zukunft!

Von | 15. August 2018 | Gedan­ken

Momen­tan wird im Aar­gau dar­über dis­ku­tiert, wo man ein neu­es Gym­na­si­um ein­rich­ten könn­te. Das Frick­tal steht zur Dis­kus­si­on. Nicht dis­kus­si­ons­wür­dig ist offen­bar ein ande­res trau­ri­ges Kapi­tel. Die gute, alte, bewähr­te Berufs­leh­re ist offen­bar nicht mehr gefragt. In die­ser Woche soll­ten eigent­lich die Leh­ren begin­nen. Aktu­ell konn­ten aber 7500 Lehr­stel­len gar nicht erst besetzt wer­den. Das ergab eine Aus­wer­tung, die die Lehr­stel­len­platt­form Yous­ty vor­nahm.

Gemäss Umfra­gen sol­len Hand­werks­be­ru­fe momen­tan abso­lut nicht im Trend lie­gen. Das ist ein Schlag ins Gesicht jener Fir­men, die bereit sind, jun­gen Leu­ten eine Chan­ce zu geben, indem sie Lehr­stel­len bie­ten. Das Gan­ze ist ein Rat­ten­schwanz. Wie die NAB-Stu­die letz­tes Jahr ergab, lei­den heu­te in der Schweiz bereits schon sehr vie­le Fir­men unter Fach­kräf­te­man­gel. Kön­nen nun vie­le Lehr­stel­len nicht besetzt wer­den, spitzt sich das natür­lich in Zukunft zu.

Kommt die Tat­sa­che hin­zu, dass nun die Baby­boo­merge­nera­ti­on all­mäh­lich pen­sio­niert wird und dar­un­ter sehr vie­le Fach­ar­bei­ter. Man rech­ne­te aus, dass es im Jahr 2030 zu 126’000 Pen­sio­nie­run­gen kommt. Heu­te ist die Situa­ti­on noch eini­ger­mas­sen trag­bar. Man hat in den letz­ten Jah­ren durch ver­schie­de­ne Moder­ni­sie­run­gen auch eini­ge Abläu­fe effi­zi­en­ter gestal­ten kön­nen. Doch schon in eini­gen Jah­ren dürf­te uns der Fach­kräf­te­man­gel hart tref­fen.

Ein klei­ner Aus­weg bleibt: Man kann Pen­sio­nier­te Teil­zeit beschäf­ti­gen. Auf lan­ge Sicht ist aber das Pro­blem nicht gelöst.

Kommt dazu, dass jun­ge Berufs­leu­te stets auch die neu­sten Ent­wick­lun­gen ihres Hand­werks mit­be­kom­men und so «up to date» sind. Bereits heu­te bekun­den 60 Pro­zent der Aar­gau­er KMU Mühe, gute Fach­kräf­te zu fin­den.

Jedes vier­te Unter­neh­men ist davon betrof­fen, zeig­te die NAB-Stu­die auf. Die Man­gel­si­tua­ti­on -wur­de schon erkannt und so set­zen 80 Pro­zent der befrag­ten Aar­gau­er KMU auf Aus- und Wei­ter­bil­dung ihrer Mit­ar­bei­ten­den. 53 Pro­zent bil­den Lehr­lin­ge aus, 50 Pro­zent set­zen auf attrak­ti­ve­re Arbeits­be­din­gun­gen.

Das alles ist gut und recht, wenn die Lehr­stel­len besetzt wer­den kön­nen. Andern­falls wird man wohl oder übel der­einst auf aus­län­di­sche Arbeits­kräf­te -zurück­grei­fen müs­sen. Dann kommt viel­leicht ein pol­ni­scher Elek­tri­ker ins Haus, mit dem wir gar nicht kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Lei­den dürf­te dar­un­ter natür­lich auch die Arbeits­qua­li­tät.

Bleibt zu hof­fen, dass die Berufs­leh­re wie­der salon­fä­hig wird. Da braucht es aber auch viel Wer­bung sei­tens der KMU und der Pol­ti­tik. Die Leh­re muss wie­der salon­fä­hig sein. Und die wich­ti­ge Mit­tel­schicht soll­te spe­zi­ell im Fokus der Poli­tik ste­hen.

Jeder Hand­wer­ker soll­te in der Schweiz auch pro­blem­los eine Fami­lie ernäh­ren und sich zudem viel­leicht noch ein Häus­chen lei­sten kön­nen.