Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Unsere Nachbarn sind unerträglich

Von | 6. Juni 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGEVor­letz­ten Früh­ling ist ein jün­ge­res Paar in unser Mehr­fa­mi­li­en­haus gezo­gen. Wäh­rend des letz­ten heis­sen Som­mers sas­sen sie jeden Abend bis spät in die Nacht auf dem Bal­kon, ent­we­der mit Gästen oder laut­stark tele­fo­nie­rend. Alle Nach­barn im Haus bekom­men alles mit und füh­len sich gestört. Wegen des schlech­ten Wet­ters hat­ten wir die­ses Jahr bis­her Ruhe. Aber seit dem ersten war­men Abend fin­det das Leben unse­rer Nach­barn wie­der auf dem Bal­kon statt. Wir haben das Paar schon wie­der­holt ange­spro­chen, aber es ändert sich nichts. Die Ver­wal­tung erach­tet sich als unzu­stän­dig. Wie wei­ter?

ANTWORTHaus­be­woh­ner müs­sen als Nach­barn und Mie­ter gegen­sei­tig Rück­sicht neh­men. Es war rich­tig, zuerst das Gespräch mit den neu­en Nach­barn zu suchen. Weil dies nichts gebracht hat ist jetzt die Ver­wal­tung ver­pflich­tet, Ihnen bei­zu­ste­hen und für Ruhe im Haus zu sor­gen. Die stän­di­gen Ruhe­stö­run­gen stel­len einen Man­gel an der Miet­sa­che dar, den der Ver­mie­ter zu behe­ben hat.

Da er auf Ihre tele­fo­ni­schen Kon­takt­nah­men nicht reagier­te, soll­ten Sie sich nun per Ein­schrei­ben an Ihren Ver­mie­ter wen­den und ihn erneut um Unter­stüt­zung ersu­chen. Bit­ten Sie die übri­gen Nach­barn mit­zu­ma­chen und den Brief eben­falls zu unter­schrei­ben. 

Der Ver­mie­ter darf das Paar nicht nur abmah­nen, son­dern kann das Miet­ver­hält­nis sogar mit einer ver­kürz­ten Kün­di­gungs­frist von nur 30 Tagen auf das näch­ste Monats­en­de auf­lö­sen wenn kei­ne Bes­se­rung ein­tritt. Um Ihrer­seits Druck auf den Ver­mie­ter aus­zu­üben kön­nen Sie ihm die Hin­ter­le­gung des Miet­zin­ses andro­hen, soll­te er innert nütz­li­cher Frist nichts gegen die Ruhe­stö­run­gen unter­neh­men. Wäre dies der Fall, müss­ten sich sie schluss­end­lich an die Schlich­tungs­be­hör­de für Mie­te und Pacht in Ihrem Wohn­be­zirk wen­den.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch