Mar­i­anne Wehrli, LL.M Recht­san­wältin

Vom Chef über den Tisch gezogen

Von | 12. Sep­tem­ber 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGEIch habe diesen Som­mer meine Lehre zum Schrein­er erfol­gre­ich abgeschlossen. Mein Chef hat mir schon früh ange­boten, mich nach der Lehre weit­erzubeschäfti­gen. Wir haben auf Mitte August einen neuen Arbeitsver­trag unter­schrieben. Jet­zt habe ich völ­lig über­raschend die Kündi­gung auf näch­ste Woche erhal­ten. Mein Chef stützt sich auf die geset­zliche Bes­tim­mung, wonach der erste Anstel­lungsmonat eine Probezeit sei, in der mit ein­er Frist von sieben Tagen gekündigt wer­den könne. Ich habe andere Jobange­bote aus­geschla­gen. Wurde ich über den Tisch gezo­gen?

ANTWORTSagen wir, Ihr Chef hat es ver­sucht. Aber Sie kön­nen sich wehren. In der Probezeit sollen Arbeit­nehmer und Arbeit­ge­ber prüfen, ob sich jemand für einen konkreten Arbeit­splatz eignet und sich im Betrieb wohl fühlt. Ist dies nicht der Fall, sollen bei­de Parteien des Arbeitsver­trages die Möglichkeit haben, die Zusam­me­nar­beit möglichst rasch zu been­den. Während Ihrer Lehre hat­ten Ihr Arbeit­ge­ber und Sie genü­gend Zeit um zu prüfen, ob Sie der Richtige für die Stelle sind. Es läuft deshalb keine Probezeit und es gel­ten die ver­traglichen Kündi­gungs­fris­ten, die Sie und Ihr Chef auf zwei Monate vere­in­bart haben. Teilen Sie Ihrem Chef per Ein­schreiben mit, dass ent­ge­gen sein­er Ansicht keine Probezeit läuft und seine Kündi­gung deshalb erst auf Ende Novem­ber Wirkung ent­fal­tet.

Bis dahin haben Sie Anspruch auf volle Lohn­zahlung. Im Gegen­zug müssen Sie ihm eben­falls schriftlich anbi­eten, bis zum Ablauf der Kündi­gungs­frist auch zur Arbeit zu erscheinen. So stellen Sie sich­er, dass Sie Ihren Lohn bis zum Ablauf der ordentlichen Kündi­gungs­frist erhal­ten, auch wenn Ihr Chef Sie freis­tellen sollte.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mar­i­anne Wehrli, Recht­san­wältin, Lau­ren­zen­vorstadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aarau
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch