Wenn der Müll vom Himmel fällt

Von | 15. August 2019 | Gedan­ken

Vor eini­gen Tagen habe ich mir die Auf­füh­rung «Sek­tor 1» von Karl’s küh­ne Gas­sen­schau in Olten ange­schaut. Das Pro­gramm ist aktu­el­ler denn je und es wirft einen düste­ren Blick in die Zukunft. Die Mensch­heit hat sich zuge­müllt und steht am Ran­de des Abgrunds. Ver­meint­lich klu­ge Köp­fe schies­sen den Abfall mit Rake­ten in die Erd­um­lauf­bahn. Doch der Müll will nicht im Orbit blei­ben. Er fällt wie­der auf die Erde zurück. Manch­mal sack­wei­se, manch­mal lawi­nen­ar­tig oder ein­mal auch in Form einer vom Him­mel fal­len­den Wasch­ma­schi­ne. Stren­ge Regeln sol­len das Pro­blem lösen. Wer nicht spurt, muss büs­sen. Wer sich brav unter­ord­net, sei­nen Abfall artig sor­tiert und mög­lichst wenig Schad­stof­fe pro­du­ziert, darf auf einen Auf­ent­halt im «Sek­tor 1», der Natur-Oase der Zukunft, hof­fen. Doch schon bald wird klar, auch im «Sek­tor 1» ist nicht alles Gold was glänzt …

Nach über zwei­stün­di­gem, thea­tra­li­schem Höl­len­ritt vol­ler traum­haf­ter Bil­der, atem­be­rau­ben­der Stunts und inten­si­ven Gefüh­len, erhal­ten die Haupt­dar­stel­ler in der Olt­ner Kies­gru­be minu­ten­lan­gen Applaus. Wer putzt wohl unse­re stän­dig wach­sen­den Müll­ber­ge ein­mal weg, schiesst es mir durch den Kopf.

Glei­chen­tags trifft sich die Kli­ma-Jugend zu einem ihrer Gip­fel in Lau­sanne. Gre­ta Thun­berg (16), die schwe­di­sche Kli­ma-Akti­vi­stin, hält eine ihrer vie­len Reden.

Sie zählt Punk­te auf, die drin­gend nötig wären, um die Welt vor dem gros­sen Kol­laps zu ret­tet. Drin­nen erhält sie Applaus, draus­sen von Kri­ti­kern nur Häme.

Haben wir uns frü­her als Jugend­li­che nicht alle ein­mal für eine bes­se­re Welt ein­ge­setzt? In irgend­ei­ner Form WWF oder Green­peace unter­stützt, in der Hoff­nung, sie wür­den für uns die Welt ret­ten?

Statt sich nun Gedan­ken zu machen, wie man künf­tig umwelt­ver­träg­li­cher leben und weni­ger Abfall und Schad­stof­fe pro­du­ziert könn­te, kri­ti­siert man der Kli­ma-Jugend. Rech­net ihr akri­bisch vor, wie viel Schad­stof­fe und Abfall sie mit ihren Anläs­sen und Demos ver­ur­sa­chen. Noch absur­der wird es, wenn die Kri­ti­ker begin­nen, den Jun­gen den Ener­gie­ver­schleiss für die Pro­duk­ti­on von E-Bike-Akkus, Tes­la- oder Smart­pho­ne-Bat­te­ri­en und den Schad­stoff­aus­stoss von Kreuz­fahr­ten und Flug­rei­sen vor­zu­rech­nen.

Wer hat «Geiz ist geil» ins Leben geru­fen oder die Weg­werf-Men­ta­li­tät? Wer hat Fast-Food und Smart­pho­nes lan­ciert? Lea­sing für jeder­mann ermög­licht? Bestimmt nicht die Kli­ma-Jugend, denn die war bei der Umset­zung die­ser Pro­jek­te noch gar nicht auf der Welt!