Wenn die Kraft regiert, hat das Hirn versagt

Von | 28. Novem­ber 2019 | Gedan­ken

«Stopp, hör uf, ich has nüm­me gärn», so ler­nen heu­te schon die Kin­der­gärt­ler sich abzu­gren­zen und einen Streit zu been­den. Im Anschluss gehen sie gemein­sam auf die Streit­brücke, spre­chen sich aus, suchen eine Lösung zur Behe­bung des Pro­blems, zie­hen bei Bedarf eine Lehr­per­son bei und rei­chen sich am Ende die Hand.

«Stopp, hört auf, das gehört sich nicht», könn­ten auch meh­re­re Gemein­de­po­li­ti­ker aus der Regi­on sagen. Zum Bei­spiel Her­bert Räb­mat­ter, Gemein­de­am­mann von Uerk­heim. Er wur­de im Vor­feld der Info­ver­an­stal­tung rund um die Mobil­funk­an­ten­ne, die auf dem Schul­haus geplant war, von der Geg­ner­schaft öffent­lich als «Arsch­loch» beti­telt.

Schöft­lands Gemein­de­am­mann Rolf Buch­ser wur­de an der letz­ten Info­ver­an­stal­tung zu «Heg­mat­te» öffent­lich als Lüg­ner dar­ge­stellt. Wei­ter wur­de ihm am sel­ben Anlass unbe­legt Amts­miss­brauch vor­ge­wor­fen.

In Britt­nau wur­de das Auto der Frau Gemein­de­am­mann Astrid Hal­ler mehr­fach zer­kratzt, ihr pri­va­ter Bal­kon mit Mist und lee­ren Bier­fla­schen bewor­fen. Im Dorf wur­de sie so lan­ge öffent­lich ange­fein­det, bis sie ihr Amt nie­der­leg­te.

Glei­ches über­legt sich auch Uerk­heims Gemein­de­am­mann Her­bert Räb­mat­ter. In sei­nem Brief­ka­sten lag am letz­ten Frei­tag ein anony­mer Brief mit der Auf­schrift «† Stop die Anten­ne, sonst …†».   

Sonst … was, fragt sich nicht nur Räb­mat­ter? Er hat auf Anra­ten die Poli­zei ein­ge­schal­tet. Die­se mar­kier­te auch an der Gemein­de­ver­samm­lung vom Mon­tag Prä­senz.

Das ist nur eine klei­ne Auf­zäh­lung von solch unrühm­li­chen Ereig­nis­sen in der nähe­ren Regi­on. Die  Liste ist bei wei­tem nicht voll­stän­dig. Auch Poli­zi­sten und Ret­tungs­sa­ni­tä­ter kön­nen davon ein Kla­ge­lied sin­gen, sie wer­den in der Zwi­schen­zeit fast täg­lich Opfer von Gewalt. Auch bei uns.

All die­se Taten geben ein schlech­tes Bild über den Zustand unse­rer Gesell­schaft ab. Kein Wun­der, wird es immer schwie­ri­ger Per­so­nen für Gre­mi­en und poli­ti­sche Ämter zu fin­den.

Anstand und Respekt sind vie­ler­orts abhan­den gekom­men. Statt mit einem klä­ren­den Gespräch und Sach­lich­keit ver­schaf­fen sich immer mehr Men­schen mit Droh­ge­bär­den, Kraft und Gewalt Gehör. Der fal­sche Weg, wie ich mei­ne. Denn wie sag­te schon mein Leh­rer zu uns Halb­wüch­si­gen: «Wenn die Kraft regiert, hat das Hirn ver­sagt!»