Mari­an­ne Wehr­li, LL.M Rechts­an­wäl­tin

Widersprüchliches Verhalten des Vermieters

Von | 7. Novem­ber 2019 | Rat­ge­ber Recht

FRAGEUnser Mehr­fa­mi­li­en­haus soll im kom­men­den Jahr umfas­send saniert wer­den. Als Mie­ter wur­den wir bereits letz­tes Jahr dar­über infor­miert und es wur­de uns eine Miet­zins­re­duk­ti­on wäh­rend der Umbau­pha­se in Aus­sicht gestellt. Alles tön­te soweit gut und schien orga­ni­siert. Vor ein paar Tagen haben nun alle Mie­ter die Kün­di­gung per Ende März 2020 erhal­ten. Wir füh­len uns ver­ra­ten. Lohnt es sich die Kün­di­gung anzu­fech­ten?

ANTWORTJa, ver­mut­lich. Die Total­sa­nie­rung einer Lie­gen­schaft kann die Kün­di­gung der Miet­ver­trä­ge zwar recht­fer­ti­gen, ins­be­son­de­re wenn der Ver­mie­ter ein kon­kre­tes Sanie­rungs­pro­jekt vor­legt und der Ver­bleib der Miet­par­tei­en in den Woh­nun­gen unmög­lich oder mit unver­hält­nis­mäs­sig hohem Auf­wand ver­bun­den ist. Der Ver­mie­ter muss im Pro­zess nach­wei­sen, dass dies der Fall ist. In Ihrem Fall hat sich der Ver­mie­ter zudem wider­sprüch­lich ver­hal­ten: Das Ange­bot einer Miet­zins­re­duk­ti­on wäh­rend der Umbau­pha­se kann kaum anders ver­stan­den wer­den als dass alle Mie­ter wäh­rend der Reno­va­ti­on in ihren Woh­nun­gen blei­ben kön­nen und kei­ne Kün­di­gun­gen aus­ge­spro­chen wer­den. Die nun doch ein­ge­trof­fe­nen Kün­di­gun­gen dürf­ten des­halb miss­bräuch­lich sein. 

Wür­den sie vom Gericht auf­ge­ho­ben, hät­te dies einen drei­jäh­ri­gen Kün­di­gungs­schutz zur Fol­ge. Am besten, Sie schlies­sen sich für die Anfech­tung der Kün­di­gung mit ande­ren Mie­tern zusam­men, die blei­ben möch­ten. Die Kün­di­gung muss zwin­gend innert 30 Tagen ab Emp­fang bei der Schlich­tungs­be­hör­de ange­foch­ten wer­den.

Rechts­fra­gen kön­nen gestellt wer­den an:

Mari­an­ne Wehr­li, Rechts­an­wäl­tin, Lau­ren­zen­vor­stadt 79, Post­fach 4227, 5001 Aar­au
E-Mail: ratgeber@anwaltsbuero-wehrli.ch