Bei steilen Treppen sind beid­sei­tige Hand­läufe oder Geländer emp­feh­lens­wert (Bilder: zVg)

Wo braucht es Hand­läufe?

18. April 2018 | Wohnen

Trep­pen­hand­läufe ermög­li­chen und erleich­tern ins­be­son­dere Men­schen mit einer Behin­de­rung, älteren Men­schen oder Men­schen mit Gleich­ge­wichts­pro­blemen das Begehen von Treppen. Die Anbrin­gung von Trep­pen­hand­läufen ist jedoch für öffent­lich zugäng­liche Bauten und Mehr-fami­lien-häuser im kan­to­nalen /​ kom­mu­nalen Bau­recht nicht durch­wegs vor­ge­schrieben.

Grund­sätz­lich müssen Treppen ab fünf Stufen einen Hand­lauf oder ein Geländer haben, damit der Nutzer sich am Hand­lauf beim Begehen halten kann. Auch Treppen im Freien unter­liegen dieser Vor­schrift, wenn sie von der Öffent­lich­keit, von fremden Men­schen benutzt werden, das kann auch der Brief­bote oder Besuch sein.

Auch im selbst­ge­nutzten Eigentum, also im eigenen Haus, haben die meisten Kan­tone keine Aus­nahme mehr, zur SIA Norm 358, zuge­lassen. Warum? Weil es bei­spiels­weise beim Ver­kauf, bei Ver­mie­tung, bei Besuch und einem Scha­dens­falle im Haus es zu unnö­tigen und schwie­rigen Pro­zessen gekommen ist, die über Aus­nah­me­re­ge­lungen ent­standen sind.

Der Haus­ei­gen­tümer haftet

Seit einigen Jahren ist die SIA 500 in der Schweiz ein­ge­führt. Diese Norm zum hin­der­nis­freien Bauen ist Pflicht und kei­nes­wegs eine frei­wil­lige Auf­gabe des Bau­herrn. Auch diese Norm schreibt Hand­läufe vor. In Gebäuden, wo mit der Anwe­sen­heit von behin­derten Men­schen oder älteren Men­schen zu rechnen ist, und diese nor­ma­ler­weise benutzen (Zugänge zu Anlagen wie Hotels, Restau­rants, Theater, Kinos, Spi­täler, Ver­kaufs­läden, Sport­an­lagen, Park­häuser) sind Hand­läufe schon ab mehr als zwei Tritten und beid­seitig not­wendig.

Bei Flucht­treppen sind Hand­läufe beid­seitig not­wendig.

Handläufe haben neben einem praktischen Wert auch eine optische Wirkung | Landanzeiger

Hand­läufe haben neben einem prak­ti­schen Wert auch eine opti­sche Wir­kung

Die VSS 640 238 Norm – Ver­kehrs­wege im Freien – schreibt im Detail Hand­läufe vor, hier wird auch auf­ge­führt, dass Hand­läufe ohne Unter­bruch und durch­gängig aus­zu­führen sind, und min­des­tens 0,3 m waag­recht über Anfang und Ende der Treppe hin­aus­ge­zogen werden müssen.

In der Bau­ar­bei­ten­ver­ord­nung (BauAV) ist in Art. 9 lit. f die Gewähr­leis­tung der Sicher­heit der Ver­kehrs­wege fest­ge­legt, dass an Treppen mit mehr als 5 Stufen ein Hand­lauf anzu­bringen ist.

Der Haus­ei­gen­tümer haftet nach Artikel 58 Abs. 1 des Obli­ga­tio­nen­rechts (OR) für den Schaden, der infolge feh­ler­hafter Anlage oder Her­stel­lung oder man­gel­haften Unter­halts seines Gebäudes. Es ist denkbar, dass er seine Haf­tung auf­grund einer ver­trag­li­chen Bezie­hung auf den Lie­fe­ranten oder auf­grund des Pro­duk­te­haft­pflicht­ge­setzes auf den Her­steller des man­gel­haften Werkes abwälzen kann.

ZVG

Das Fazit der bfu

Für Treppen in öffent­lich zugäng­li­chen Bauten und in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern exis­tieren ver­schie­dene gesetz­liche Vor­schriften, Richt­li­nien und tech­ni­sche Normen. Darin wird die Anbrin­gung von Trep­pen­hand­läufen in dieser Art Baute nicht -gene­rell vor­ge­schrieben. Jeder Fall muss kon­kret beur­teilt werden.

Im Vor­feld einer Pro­jek­tie­rung von ein­schlä­gigen Neu- und/​oder Erneue­rungs­bauten haben Bau­herr­schaft und Planer daher jeweils im Detail abzu­klären, welche recht-lichen Vor­gaben für den Bereich Treppen ihres Vor­ha­bens auf Ebene Bundes-, kan­to­nales bzw. kom­mu­nales Recht exis­tieren und welche Vor­keh­rungen die Bau­herr­schaft allen­falls zusätz­lich wünscht.

Ein Anbringen von Hand­läufen dient der Unfall­prä­ven­tion.