Nähe und Zärtlichkeit sind keine Frage des Alters (Bild: zVg)

Nähe und Sex­u­al­ität soll­ten auch im Alter nicht tabuisiert wer­den

Zu alt für Zärtlichkeit? Niemals!

20. Sep­tem­ber 2018 | News

Nicht nur unsere Kör­p­er verän­dern sich mit zunehmen­dem Alter, unsere Sinne, unsere Erwartun­gen, unsere Pri­or­itäten passen sich uns und unseren Leben­sum­stän­den an. Auch das The­ma Sex­u­al­ität spielt im Alter eine andere Rolle, als die Jahre zuvor. Auch wenn es vielle­icht an Wichtigkeit ver­lieren mag, das Grundbedürf­nis nach Liebe und Sex­u­al­ität bleibt vorhan­den. Eines ändert sich jedoch nicht – die Indi­vid­u­al­ität der Bedürfnisse. So ist es schw­er, eine Prog­nose abzugeben, ob mit steigen­dem Alter über­haupt Prob­leme hin­sichtlich Intim­ität und Zärtlichkeit entste­hen.

Bei Frauen sinkt der Östro­gen­spiegel nach den Wech­sel­jahren, was einen Ein­fluss auf die Libido haben kann, keines­falls aber haben muss. Ein sink­ender Östro­gen­spiegel kann auch zu trock­en­er Schleimhaut führen. In diesem Fall kann auf eine lokal anzuwen­dende, östro­gen­haltige Creme zurück­ge­grif­f­en wer­den. Bei weit­eren Beschw­er­den, wie Depres­sio­nen oder Nei­gung zu Zer­streutheit, sollte aber unbe­d­ingt ein Arzt aufge­sucht wer­den. Män­ner kön­nen eben­falls von gedämpfter Libido betrof­fen sein. Auch hier soll­ten phar­mazeutis­che Mit­tel Abhil­fe schaf­fen. Keines­falls sollte man sich aber gezwun­gen fühlen, eine adoleszente Lust wider­her­stellen zu müssen.

Erst wenn sich die eigene Kör­per­leis­tung und die Bedürfnisse nicht mehr deck­en, sollte man sich über­legen, einen Medi­zin­er zu Rate zu ziehen. Solange man den eige­nen Bedürfnis­sen noch gerecht wer­den kann, ist eine medi­zinis­che Unter­stützung meist nicht notwendig. Geht es allerd­ings um die Bedürfnisse des Part­ners, die nicht (mehr) wie früher erfüllt wer­den kön­nen, und helfen Gespräche nicht, die Sit­u­a­tion zu verbessern, kann ein Tre­f­fen mit einem Ther­a­peuten dur­chaus sin­nvoll sein.

Ein Ther­a­peut kann einem Paar Mit­tel und Wege aufzeigen, um zur gewün­scht­en Inten­sität und dem angestrebten Mass von Intim­ität zurück­zufind­en.

Auch heute noch ist die Hemm­schwelle, über Sex­u­al­ität im Alter zu sprechen, enorm hoch, obwohl wir uns in ein­er aufgek­lärten Gesellschaft bewe­gen.

Diese Hemm­schwelle ist jedoch in den Köpfen der Einzel­nen zu find­en. Je mehr jed­er einzelne sich getraut, das The­ma inner­halb der Part­ner­schaft, mit Fre­un­den oder Fam­i­lie anzus­prechen, desto leichter fällt es, allfäl­lige Prob­leme zu lösen.

Wenn Ver­trautheit zur Gewohn­heit wird

Nach ein paar Jahren, wenn die Schmetter­linge unseren Bauch längst ver­lassen haben, man dem Part­ner alles über sich erzählt hat, das Herz bei ein­er Berührung des Anderen nicht mehr gle­ich ste­hen bleibt, wird Ver­trautheit unbe­merkt schnell zur Gewohn­heit. Dieser Umstand muss die Intim­ität zwis­chen zwei Men­schen nicht zwin­gend beein­trächti­gen. Intim­ität ist wan­del­bar. Bedeutet sie in jun­gen Jahren, bei frisch Ver­liebten doch noch Aufre­gung und Aben­teuer, wird sie immer mehr zu Zärtlichkeit und Gebor­gen­heit. Diesen Umstand als etwas Wertvolles, als Errun­gen­schaft zu sehen, ist wohl eine der grösseren Her­aus­forderun­gen ein­er Jahrzehnte über­dauern­den Part­ner­schaft.

Gemein­same Unternehmungen kön­nen dem «aneinan­der vor­beileben» vor­beu­gen. Wie man diese Zeit zu zweit ver­bringt, ist dabei zweitrangig. Ein Spieleabend, ein Aus­flug, ein Wan­der­woch­enende oder ein­fach nur ein Restau­rantbe­such. Verabre­den Sie sich wieder mit ihrem Part­ner. Sie wer­den sehen, diese Abwech­slung wird sich pos­i­tiv auf das Zusam­men­leben auswirken. Dadurch wird eine neue Form von Nähe und Intim­ität geschaf­fen, die nicht nur Abwech­slung bringt, son­dern zeit­gle­ich auch Spass macht. Sie kön­nen diese Verabre­dun­gen dur­chaus auch nutzen, um mit Ihrem Part­ner über Ihre Bedürfnisse zu sprechen. Gespräche sind ein guter Weg, um sich anschliessend auch kör­per­lich wieder näher zu sein. Ver­suchen Sie, sich zu erin­nern, wie es früher war. Die Umar­mungen, das Händ­chen­hal­ten. Kleine, liebevolle Zärtlichkeit­en lassen sich her­vor­ra­gend in den All­t­ag inte­gri­eren. Vergessen Sie nie – Intim­ität ist keine Frage des Alters. Die Form, wie Intim­ität stat­tfind­et, darf sich aber dur­chaus verän­dern. Den­noch ist fort­geschrittenes Alter kein Grund, seine Bedürfnisse zu ver­nach­läs­si­gen.

MARA