Dani­el Rin­gier, Chef der Stadt­po­li­zei Aar­au, zum Tätig­keits­be­richt 2018 (Bild: Sarah Künz­li)

Stadt­po­li­zei Aar­au: Tätig­keits­be­richt 2018: Die Stadt­po­li­zei blick­te auf das Jahr 2018 zurück

Zu viele verletzte Polizisten

23. Janu­ar 2019 | News

Ver­gan­ge­ne Woche prä­sen­tier­te die Stadt­po­li­zei Aar­au ihren Tätig­keits­be­richt 2018 und schau­te auf ein arbeits­in­ten­si­ves Jahr zurück.

«Die­se Zah­len, die ich Ihnen heu­te prä­sen­tie­re, habe nicht ich, Dani­el Rin­gier, gelei­stet, son­dern die Mit­ar­bei­ter der Stadt­po­li­zei» beginnt Dani­el Rin­gier, Chef der Stadt­po­li­zei. «Sie ste­hen bei jedem Wet­ter, Tag und Nacht an der Front und setz­ten sich für die Men­schen ein. Man sieht sie oft gar nicht, wären sie aber nicht hier, wür­de eine ganz ande­re Situa­ti­on herr­schen.» 45 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter zählt der Corps der Stadt­po­li­zei, davon sind 34 aus­ge­bil­de­te Poli­zi­stin­nen und Poli­zi­sten.

Sie­ben Poli­zi­sten muss­ten zum Arzt oder ins Spi­tal
Ins­ge­samt 27855 Stun­den waren die uni­for­mier­te Poli­zi­stin­nen und Poli­zi­sten der Stadt­po­li­zei im Aus­sen­dienst. «Das sind unge­fähr vier Leu­te, die per­ma­nent unter­wegs sind», sagt Dani­el Rin­gier. Dazu kom­men 594 Ein­satz­stun­den in der Jugend­prä­ven­ti­on, 3536 Ein­satz­stun­den bei der Park­wa­che und 1240 Ein­satz­stun­den von den Ver­kehrs­dien­stan­ge­stell­ten. Stolz auf die erreich­ten Zah­len sei­nes Teams macht Dani­el Rin­gier dann aber ein betrüb­tes Gesicht. «Lei­der hat­te die Stadt­po­li­zei im Jahr 2018 zu vie­le ver­letz­te Poli­zi­stin­nen und Poli­zi­sten. Und zwar nicht, weil sie bei der Arbeit gestol­pert sind, son­dern weil sie attackiert wur­den.» Sie­ben Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter muss­ten nach einer Inter­ven­ti­on ins Spi­tal oder zum Arzt. «Das tut mir weh und ent­täuscht mich sehr. Heut­zu­ta­ge fehlt viel­fach der Respekt vor den Poli­zi­sten, obwohl die­se kor­rekt und anstän­dig auf­tre­ten.»

Auf eine gute Nach­bar­schaft
Die Stadt­po­li­zei sorgt aber nicht nur in Aar­au für Recht und Ord­nung son­dern auch in den sechs Ver­trags­ge­mein­den Biber­stein, Ober­ent­fel­den, Unter­ent­fel­den, Erlins­bach, Küt­ti­gen und Hirsch­thal. Im Jahr 2018 muss­te die Stadt­po­li­zei in ins­ge­samt 787 Fäl­len in den Ver­trags­ge­mein­den inter­ve­nie­ren. In Biber­stein 39 Mal, in Ober­ent­fel­den 298 Mal, in Unter­ent­fel­den 140 Mal, in Erlins­bach 83 Mal, in Hirsch­thal 33 Mal und in Küt­ti­gen 194 Mal.

Per­so­nen­über­prü­fung
Im Tätig­keits­be­richt fährt er wei­ter mit den Per­so­nen­über­prü­fun­gen. 2078 Per­so­nen wur­den 2018 durch die Stadt­po­li­zei über­prüft. «Wenn Leu­te zu einer unge­wöhn­li­chen Zeit an einem unge­wöhn­li­chen Ort sind, fra­gen wir lie­ber nach», sagt Dani­el Rin­gier dazu. Bei die­sen Kon­trol­len hand­le es sich nie um Will­kür, einen begrün­de­ten Ver­dacht sei immer da.

Lit­te­ring
99 Bus­sen wegen Lit­te­rings ver­zeich­ne­te die Stadt­po­li­zei im ver­gan­ge­nen Jahr. Dabei han­delt es sich vor allem um Ziga­ret­ten­stum­mel, Papier­chen oder Kau­gum­mis, die acht­los weg­ge­wor­fen wur­den. Die wenig­sten Güsel­sün­der wer­den erwischt. Lit­te­ring ist für die Stadt­po­li­zei ein schwie­ri­ger, meist zeit­auf­wän­di­ger Fall. «Sehr oft ist die Stadt­po­li­zei mit bis zu drei Leu­ten unter­wegs. Einer über­wacht zivil, die ande­ren bei­den sind für die Inter­ven­ti­on bereit», erzählt Dani­el Rin­gier. Bis zu einer Stun­de kön­nen die Über­wa­chun­gen dau­ern. «Wenn dann am Schluss doch nichts lie­gen bleibt, war alles für die Katz», sagt Dani­el Rin­gier und fährt lächelnd wei­ter: «respek­ti­ve sehr posi­tiv.»

Ruhe­stö­rung
Wegen Immis­sio­nen (Lärm, Rauch, Gestank usw.) muss­te die Stadt­po­li­zei 2018 ins­ge­samt 207 Mal aus­rücken. Davon waren es 195 Mal wegen Nacht­ru­he­stö­rung. «Lärm ist sehr indi­vi­du­ell. Es gibt Musik und Musik, und das ist eben Geschmack-sache.» 

Viel­fach sei nicht die Laut­stär­ke an und für sich das Pro­blem, son­dern der Bass­ton, den vie­le als stö­rend emp­fin­den wür­den.

Gewalt
112 Mal rück­te die Sta­po wegen häus­li­cher Gewalt aus. «Das ist trau­rig, weil auch immer wie­der Kin­der betrof­fen sind. Wenn es um Kin­der geht, beschäf­tigt mich das immer am mei­sten», sagt Dani­el Rin­gier. 283 Fäl­le gab es wegen Streit und Dro­hun­gen. «Sehr oft ist die Gewalt männ­lich und alko­ho­li­siert», muss­te Dani­el Rin­gier fest­stel­len.

Mofa- und Fahr­rad­dieb­stahl
330 Mofa- und Fahr­rad­dieb­stäh­le gab es im 2018. Dem gegen­über ste­hen aber auch 391 her­ren­lo­se Mofas und Fahr­rä­der, die auf­ge­le­sen wur­den. Die mei­sten von die­sen gefun­de­nen Fahr­rä­dern gelangt nie mehr zu sei­nem Besit­zer zurück. «Uns ist es viel­fach gar nicht mög­lich, die Fahr­rä­der einem Besit­zer zuzu­ord­nen», erklärt Dani­el Rin­gier das Pro­blem.

Ver­kehrs­un­ter­richt
820 Stun­den für den Ver­kehrs­un­ter­richt wur­den im gan­zen Ein­satz­ge­biet auf­ge­wen­det und damit 4500 Kin­der in den Schu­len unter­rich­tet. «Wir sind sehr dank­bar, dass es so wenig Unfäl­le mit Kin­dern gibt. Das ist sicher ein Teil­be­reich, der dafür ver­ant­wort­lich ist.»

Ord­nungs­bus­sen
18196 Ord­nungs­bus­sen waren es 2018 ins­ge­samt. Davon sind 12995 Park­bus­sen, 4137 Bus­sen wur­den von Poli­zi­stin­nen und Poli­zi­sten erteilt und 1064 Wid­rig­kei­ten nahm die Kame­ra am Zoll­rain (100 Fran­ken Bus­se zahlt hier jeder) auf. «Viel­fach ist es nicht der böse Wil­le, son­dern ein­fach Unbe­dacht­heit, Unauf­merk­sam­keit und Gleich­gül­tig­keit», meint Dani­el Rin­gier.

Geschwin­dig­keits­kon­trol­len
437 Geschwin­dig­keits­kon­trol­len führ­te die Stadt­po­li­zei auf dem Platz Aar­au durch. 713 Mess­stun­den wur­den dabei auf­ge­wän­det. 319720 Fahr­zeu­ge wur­den in die­ser Zeit kon­trol­liert. 14841 haben die Höchst­ge­schwin­dig­keit über­tre­ten. 14734 kom­men mit einer Ord­nungs­bus­se davon, 107 Mal wur­de jemand an die Staats­an­walt­schaft ver­zeigt.

«Wenn wir jeman­den erwi­schen, der mas­siv zu schnell unter­wegs ist, besucht ihn eine Patrouil­le sofort zu Hau­se. Denn Men­schen sind sehr ver­gess­lich, manch­mal wis­sen sie schon nach eini­gen Minu­ten nicht mehr, wer gefah­ren ist», sagt Dani­el Rin­gier mit einem Schmun­zeln.

Fahr­ver­bots­kon­trol­le Zel­gli
Gera­de mit dem Teil­fahr­ver­bot Gönhard/Goldern aktu­ell und des­halb span­nend, ist die Fahr­ver­bots­kon­trol­le im Zel­gli. «Wenn ich mich nicht täu­sche, gilt dort das Fahr­ver­bot dort bereits seit 20 Jah­ren.» Wäh­rend drei Kon­trol­len gin­gen der Stadt­po­li­zei drei Leu­te ins Netz, die ver­bo­te­ner­wei­se durchs Zel­gli fuh­ren. Eine klei­ne Zahl, meint Dani­el Rin­gier: «Die mei­sten, die ins Zel­gli fah­ren, dür­fen das auch wirk­lich.» Er ver­mu­tet, dass es sich mit dem Gön­hard ähn­lich ver­hal­ten wird.

Die Stadt­po­li­zei im 2019
Und auf was setzt die Stadt­po­li­zei in die­sem Jahr? Nach Stadt­rä­tin Suzan­ne Mar­clay-Merz soll das Lit­te­ring wei­ter­hin ein Schwer­punkt sein. Aber auch die Prä­ven­ti­ons­ar­beit. Dani­el Rin­gier ergänzt: «Ziel ist es, die Patrouil­len­tä­tig­keit im öffent­li­chen Raum wei­ter­hin auf hohem Niveau gewähr­lei­sten zu kön­nen.»

SAH

xxx | Der Landanzeiger